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Roßweiner erinnern sich an die Jahrhundertflut

Roßweiner erinnern sich an die Jahrhundertflut

Roßwein. Am Sonntag jährt sich der Jahrestag der Jahrhundertflut an der Freiberger Mulde zum zehnten Mal. Roßwein wurde am 12. August 2002 als erste Stadt im Altkreis Döbeln von den Wassermassen heimgesucht.

 

Roßwein gedenkt der Jahrhundertflut

 

 

 

 

 

 

Doch der Mitarbeiter-Stab hielt zusammen. "Das Team hat drei Tage lang alles sauber gemacht. Die Maschinen waren zum Teil nach einer Woche wieder betriebsbereit." Vor zwei Jahren entdeckten Mitarbeiter dennoch wieder Flutschlamm. "Da haben wir den Kessel gereinigt. Vorher sind in diese kleinen Ecken kaum Leute hingekommen. Der Dreck während der Flut hat es geschafft." Über die Versicherungen findet er nur lobende Worte. "Das hat alles sehr gut geklappt."

Ein weiteres Unternehmen, das in Roßwein stark betroffen war, ist die Elektro Roßwein GmbH (ERG). Dessen Geschäftsführer Hans-Jürgen Schibiak erinnert sich: "Ich war auf einer Baustelle in Dresden. Schon da haben wir gesehen, wie die Elbe steigt. Wir wollten dann schnellstmöglich nach Roßwein, kamen in Dresden aber ewig nicht über die Elbe." Schibiak schildert, wie auf der Autobahn die Sicht verloren ging. "Die Gischt war extrem. Wir haben uns nur noch rechts am Seitenstreifen orientieren können."

In Roßwein angekommen, bot sich ihm ein Bild des Schreckens: "Das Wasser stand vielleicht 1,90 Meter im Gebäude. Der ganze Fuhrpark stand in den Fluten und zwei Tonnen schwere Kabeltrommeln hat es bis zu 200 Meter weggespült", erinnert sich der Geschäftsführer. Insgesamt beziffert er heute die Flut-Schäden auf seinem Gelände auf 600 000 Euro.

Hans-Jürgen Schibiak erinnert sich in diesem Zusammenhang aber auch gerne an die Hilfsbereitschaft, die sogar von Politikergattinnen ausging. Der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) besuchte Roßwein nach der Flut. "Seine Gattin Ingrid hat uns persönlich unbürokratische Hilfe zugesagt. Wir haben daran nicht geglaubt, doch plötzlich kam ein paar Tage später ein Anruf aus der Staatskanzlei. Sie war persönlich am Telefon und wir durften uns für eine bestimmte Summe zwei neue Autos aussuchen." Immer lief es allerdings nicht so glatt, wie Schibiak berichtet. "Die Sächsische Aufbaubank hat uns finanziell im Prinzip nicht unterstützt. Wir mussten alle Kredite samt Zinsen zurückzahlen. 2011 haben wir die letzte Rate überwiesen." Das Pikante dabei: Hätte das ERG-Team nicht selbst angepackt, sondern Hilfe von Firmen angefordert, hätte die SAB alle Schäden bezahlt, berichtet Schibiak.

Am anderen Muldenufer verzweifelte Heike Koßmann in den Fluttagen an der Ungewissheit. "Ich bin ja in Döbeln wohnhaft. Dort konnte ich nicht weg, obwohl meine Gedanken nur beim Kindergarten waren", so die Leiterin der Kita "Unter den Linden". Über die Welle der Hilfsbereitschaft staunt sie heute noch. "Die Leute haben mich aus dem gesamten Bundesgebiet angerufen. In Nordrhein-Westfalen gab es Benefizkonzerte nur für den Kindergarten. Notiert habe ich mir 234 Spender, die dem Kindergarten geholfen haben. Aber es sind bestimmt noch mehr", mutmaßt sie. Das Kita-Team hat eine Ausstellung zur Flut organisiert. Interessierte Bürger können sie am Sonnabend ansehen.

Der Vorsitzende des Roßweiner Dampfmaschinenvereins Dieter Kranz sorgte sich damals sehr um die alten Geräte in der Stadtbadstraße. "Die Textilmaschinen für die Tuchmacherinnung hat es damals erwischt, dazu den Kessel der Hanomag und weitere Maschinen. Das Wasser stand bei uns fast zwei Meter in den Räumen", erinnert er sich. Ein großes Problem stellte damals der Schacht unter dem Fundament, auf dem die Dampfmaschine stand, dar. "In diesem Schacht hatten sich fünfeinhalb Kubikmeter Schlamm angesammelt. Dieser Schlamm war dazu noch kontaminiert!" Die 20 Mitglieder des Vereins brauchten nach der Flut ein Vierteljahr, um die Räume und Maschinen wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen.

Glimpflicher ging es damals für die Gaststätte "Zum Pünktchen" in der Dresdener Straße aus. "Wir haben natürlich das Glück, leicht höher zu wohnen als direkt am Ufer", so Reiner Franz. Dennoch hätte es vor zehn Jahren gefährlich werden können, doch hier half sogar die DAZ. "Thomas Lieb war damals Redakteur in Döbeln und ist oft zu uns gekommen, um zu speisen. Am Abend des 12. August hat er bei uns angerufen und mitgeteilt, dass an den Talsperren die Schleusen geöffnet wurden. Wir haben sofort gehandelt. Dadurch konnte sicherlich Schlimmeres an unserem Haus verhindert werden", sagt Reiner Franz erleichtert. Robin Seidler

 

Die Gedenkveranstaltung der Stadt Roßwein findet am Sonnabend ab 18 Uhr auf dem Parkplatz der Elektro GmbH in der Mühlstraße statt.

Zu Beginn hält Bürgermeister Veit Lindner eine Eröffnungsrede, anschließend kommen offizielle Gäste zu Wort. Danach präsentieren die Roßweiner Schwimmer in Form eines szenischen Spiels sowie eines Vortrags die Ereignisse vom 12. und 13. August 2002.Um 21 Uhr startet ein Lampionumzug an der Kita "Unter den Linden", danach berichten Roßweiner Bürger auf der Flutbank über ihre Erlebnisse. Gegen 22 Uhr leuchten die Brückenlichter, anschließend wird ein Hochwasserfilm gezeigt. Um Mitternacht wird es noch ein Höhenfeuerwerk geben. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Band "Freunde der Nacht".

Außerdem lädt bereits ab 13 Uhr der Schützenverein zum Tag der offenen Tür in sein Vereinshaus - den ehemaligen Ölerbau - ein. In der Kita "Unter den Linden" werden am Sonnabend zwischen 19.30 Uhr und 21 Uhr Flutbilder ausgestellt.

Mit der Veranstaltung gehen Straßensperrungen einher. Davon betroffen sind die Mühlstraße zwischen Bahndammstraße und Querstraße und die Gerbergasse. In der Nossener Straße entfällt die Einbahnstraßenregelung.

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