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Rück- und Vorausblick: Das neue Leben des Berufspolitikers Manfred Kolbe

25 Jahre DAZ Rück- und Vorausblick: Das neue Leben des Berufspolitikers Manfred Kolbe

Die DAZ begeht am 1. August ihren 25. Geburtstag. Für die Redaktion ist das Anlass, in den nächsten Wochen in loser Folge auf besondere Ereignisse, Orte und Menschen dieser Zeit zurückzublicken. Heute im Fokus: Manfed Kolbe, der bei den freien Wahlen 1990 als Abgeordneter für die Döbelner Region in den Bundestag zog.

Kaum zu glauben. Manfred Kolbe fand im Stadtarchiv ein Bild aus alten Zeiten. Nach dieser Vorlage hat er den raum rekonstruiert und dabei einige Schätze entdeckt.

Quelle: Kristin Engel

Oschatz. Ja, Manfred Kolbe führt ein abwechslungsreiches Leben. Der 62-Jährige hatte eigentlich vor, es nach dem Rückzug aus der Politik 2013, ruhiger angehen zu lassen. Doch ganz so wie geplant, lief es nicht. Mit so vielen Mandanten im Naunhofer Notariat hatte er nicht gerechnet. Vielleicht liegt es am Bekanntheitsgrad oder an der günstigen Lage des Büros zwischen Leipzig und Grimma.

Jugend in Italien – Abitur in Rom

Geboren 1953 in Naunhof, floh die Familie von Manfred Kolbe 1959 kurz vor dem Mauerbau von Ostberlin in den Westen und sein Vater, Archäologe, bekam eine Stelle in Rom. Dort legte er 1973 sein Abitur ab und wollte eigentlich in Italien bleiben, aber seine Eltern drangen auf ein Studium in Deutschland. Kolbe studierte Rechtswissenschaften in Berlin und München und war als Staatsanwalt, Richter und schließlich im Bayerischen Finanzministerium tätig. Die Wiedervereinigung 1990 bot die Chance nach Sachsen zurückzukehren, erst als Landesstrukturbeauftragter Finanzen in Dresden und nach der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Döbeln, Grimma, Oschatz.

Kater Aminius ist bei Manfred Kolbe immer dabei

Kater Aminius ist bei Manfred Kolbe immer dabei.

Quelle: Kristin Engel

Die erste Legislaturperiode war die spannendste, erinnert sich Kolbe, da sich durch die Einheit die Lebensverhältnisse in vielen Bereichen radikal änderten, etwa bei der Eigentumsordnung oder dem Renten- und Sozialsystem. Für viele Menschen war dies schwierig und die Bürgersprechstunden waren rappelvoll. 1994 und 1998 im Wahlkreis wiedergewählt, wurde Kolbe 2000 von Kurt Biedenkopf als Justizminister berufen.

Nach dessen Abgang 2002 war erst mal Schluss mit der Politik und Kolbe kehrte in den Notarberuf zurück. Aber nicht lange, denn schon zur Bundestagswahl 2002 kandidierte er im neuen Wahlkreis Delitzsch, Eilenburg, Torgau, Oschatz und Riesa. „Die Wahl war äußerst knapp, da nach der Flutkatastrophe SPD-Kanzler Schröder populär war und ich habe damals nur durch den riesigen Erststimmenvorsprung von über 20 Prozent im Altkreis Oschatz gewonnen“.

Auch 2005 und 2009 wurde Kolbe direkt wieder gewählt, also insgesamt sechsmal hintereinander. Die letzten beiden Legislaturperioden wurden von der Finanz- und Eurokrise geprägt, wo sich Kolbe der Aufweichung des Stabilitätspaktes durch ständige Rettungspakete widersetzte.

Nach 23 Jahren in der Politik ist Schluss

Am 20. Jahrestag der ersten Bundestagswahl am 2. Dezember 2010 teilte Manfred Kolbe seinen Rückzug aus der Politik mit. „Nicht, weil mir Politik keinen Spaß mehr gemacht hätte, sondern weil ich nach 23 Jahren in der Politik mit Terminen bis in den späten Abend und am Wochenende auch etwas mehr Zeit für mich und meine drei Kinder haben wollte. Außerdem war mir wichtig, diese Entscheidung selber zu treffen und nicht am Mandat zu kleben. So übernahm sein ehemaliger Büroleiter, Marian Wendt, nach der Wahl das Amt des Bundestagsabgeordneten. „Manfred Kolbe war mir in dieser Zeit eine echte Hilfe.

Auch die gemeinsame Arbeit mit ihm war immer gut und vor allem sehr lehrreich. Für mich war er nicht nur Vorgesetzter, sondern auch politischer Partner. Er ist sehr belesen und besitzt vor allem auch im juristischen Bereich sehr gute Kenntnisse. Er ist ein Mensch, der seine Ziele verfolgt, auch wenn bei der Umsetzung einige Steine im Weg liegen, die es zu übersteigen gilt“, so der amtierende Bundestagsabgeordnete. Einmischen tut sich Manfred Kolbe in die Arbeit seines Nachfolgers nicht. „Man sollte sich als Vorgänger raus halten.“

Rittergut in „Anfall von Wahnsinn“ gekauft

Es war eine aufregende Zeit für Manfred Kolbe, die er dennoch nicht vermisst. Denn seit 2007 hat er ein neues Projekt, um das er sich kümmert. Schon als Kind habe er ein Faible für alte Denkmäler gehabt. „Das lag wohl an meinem Vater. Er war Archäologe. Durch ihn bin ich in meiner ganzen Jugend von Ausgrabung zu Ausgrabung gescheucht worden. 2008 habe ich dann ein altes Rittergut in Störmthal entdeckt. In einem Anfall von Wahnsinn habe ich das barocke Herrenhaus erworben.“

Mit diesem Kauf hat er sich jedoch auch dazu verpflichtet, das Gebäude zu sanieren. Diese Arbeiten begannen 2010. Dach, Holzkonstruktion und Außenfassade wurden komplett erneuert, derzeit läuft die Innensanierung des Erdgeschosses. 2017 soll dort ein Café eröffnen. Danach folgt erst einmal eine schöpferische Pause. „Auch August der Starke hat seine Schlösser nicht in einem Zug vollendet; dann kann man das auch nicht von mir verlangen.“

Auch während der Sanierungsarbeiten kann das Schloss nach Anmeldung besucht werden und wenn es die Zeit erlaubt, führt Manfred Kolbe das Publikum persönlich herum. Kolbe ist auch im Verein der privaten Denkmaleigentümer Mitteldeutschlands. „In Sachsen stehen über 800 Schlösser, doch nur wenige werden staatlicherseits saniert. Die meisten sind in Privatbesitz und manche verfallen leider auch noch heute, obwohl sie die sächsische Kulturlandschaft prägen.“ Kolbe legt auch gerne selbst Hand an, etwa bei Abbrucharbeiten, aber auch beim Mauern und Verputzen. Oft habe er Unterstützung von Freunden und Bekannten.

Die Arbeit im Schloss mache Spaß und sei ein guter Ausgleich zum Schreibtisch. Wenn man vor dem Schloss steht, erkennt man im Giebel ein riesiges Wappen des Erbauers Statz-Friedrich von Fullen von 1693. Darunter erkennt man bei genauem Hinsehen die deutlich kleinere Inschrift „MK 2012“. Hier hat sich Manfred Kolbe verewigen lassen. Der 62-Jährige ist zufrieden. Er hat in seinem Leben einiges erreicht und freut sich, wie sich das Schloss in Störmthal zur alten Pracht entwickelt.

Kater als Mitbewohner

Der Naunhofer hat drei Kinder. Die jüngste Tochter hat gerade ihr Abitur bestanden. Die beiden anderen befinden sich schon im Studium. „Ihre Mutter, die in München Studiendirektorin ist, und ich sind mit unseren Kindern sehr glücklich. Größere Probleme sind uns bisher erspart geblieben.“ Einsam ist er in seinem Notariat nie. Auch wenn die drei Mitarbeiterinnen bereits nach Hause gegangen sind, ist da ja immer noch der kleine rote Kater Arminius. „Im letzten November hörte ich gegen 23 Uhr etwas im Flur miauen. Ein kleiner roter Kater kam herein spaziert als wäre er ganz selbstverständlich hier zu Hause.“

Arminius geht morgens mit ihm gemeinsam ins Büro und am Abend geht es wieder zurück ins gegenüberliegende Wohnhaus. Ein letztes Projekt hat Manfred Kolbe sich noch für sein Leben vorgenommen: Er möchte wieder öfter in Rom, der Stadt seiner Jugend sein und sucht dort eine kleine Wohnung. Auch als Deutscher liebt er die italienische Lebensart und Bella Italia - ein Stück gelebtes Europa.

Von Kristin Engel

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