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Döbeln Rüder Umgang im Ziegraer Spatzennest? Stadt Döbeln vorm Landgericht verklagt
Region Döbeln Rüder Umgang im Ziegraer Spatzennest? Stadt Döbeln vorm Landgericht verklagt
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Um angebliche Misshandlungen in einer Döbelner Kita geht es in einem Zivilprozess am Landgericht Chemnitz. Quelle: Volkmar Heinz
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Döbeln/Chemnitz

Die Döbelner „Spatzennest-Affäre“ beschäftigte am Donnerstag das Landgericht Chemnitz. Wie Gerichtssprecherin Marika Lang auf Nachfrage der Döbelner Allgemeinen Zeitung mitteilt, geht es um angeblich unangemessene Erziehungsmaßnahmen in der Ziegraer Kita. Diese sollen bei einem Kind zu psychischen Schäden geführt haben.

Eine Erzieherin der Ziegraer Einrichtung soll das Kleinkind ständig zum Essen gedrängt haben, unangemessen lange Zeiten im Laufstall gehalten und ständig angeschrien haben. Nun verklagt Kind Paula (Name geändert), vor Gericht vertreten durch ihre Mutter und den Rechtsanwalt René Thimm, sowohl die Erzieherin als auch die Stadt Döbeln als Trägerin der Ziegraer Kita auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Vom Streitwert her passt die Klage in die Zuständigkeit des Amtsgerichtes Döbeln, weil dies aber ein Fall von möglicher Amtshaftung ist, muss ihn das Landgericht verhandeln.

Eingebaut aber nicht eingezwängt

Die Angelegenheit ist streitig. Darum veranstaltete die 5. Zivilkammer des Landgerichts, vertreten durch ihren Vorsitzenden Frank Giesecke als Einzelrichter, den zweiten Verhandlungstag in dieser Sache und hörte weitere Zeugen, welche die Parteien benannt haben, denen im Zivilprozess die Beweispflicht obliegt. Unter den Zeugen ist eine ehemalige Praktikantin des Spatzennestes, die mittlerweile selbst als Erzieherin in einer Kita arbeitet. „Das Kind wurde angeschrien, es sollte sich ausziehen. Das geschah, weil es eingekackt hatte“, sagte die junge Frau. Und auch, dass die beklagte Erzieherin Paula in den Waschraum geschleppt hatte. Geschehen sei dies Anfang Januar 2015. Nicht bestätigen konnte die Zeugin, dass die Kleine zum Essen gedrängt wurde. „Sie hat immer sehr schnell und viel gesessen.“

Im Katalog der Vorwürfe spielt auch das angeblich längere Einzwängen der damals Zweijährigen zwischen zwei Tischen eine Rolle. Das sei zum Schutz des Kindes geschehen, damit es nicht runterfällt. Eine andere Erzieherin, die damals im Spatzennest tätig war, kannte den Grund für die ungewöhnliche Anordnung Tisch-Kind-Tisch. „Wir hatten keine Sitze mit Sicherheitsbügel. Frau Meier (Name geändert) hat Paula so eingebaut, damit sie sitzen bleibt. Sie war aber nicht eingequetscht, sondern hat sich noch bewegen können.“

Zu oft im Laufstall?

Zur Problematik, Paula habe oft unnötig lange im Laufstall zubringen müssen, sagte der Onkel der Kleinen aus. Er habe sie eine Zeit lang häufig aus der Kita abgeholt und seine Nichte quasi „hinter Gitter“ angetroffen. „Das war ziemlich häufig, wobei ich mir Gedanken gemacht habe, weshalb das so ist“, sagte der Mann. Zeitlich einordnen konnte er seine Beobachtungen auf Nachfrage der Anwälte der Beklagten aber nicht. Es muss 2013 oder 2014 gewesen sein, als er seine Nichte beim Abholen mindestens zweimal in der Woche im Laufstall sah.

Bisher noch ungeprüft sind die Vorwürfe, über die Richter Giesecke gleich zu Beginn der Verhandlung informierte. Diese hat der Anwalt der Klägerin per Schriftsatz nachgereicht. Demnach sei Paula der beklagten Erzieherin aus der Hand gefallen, sie habe das Kind dann an der Hose hochgezogen, ins Bad gezerrt und dort angeschrien. Grund war wohl wieder, dass die Kleine eingemacht hatte. Die Mutter habe am Abend bemerkt, dass sich ihre Tochter seltsam verhält. „Ich rüge das als verspätet. Die Vorwürfe sind seit 2015 bekannt, da ist es jetzt ein bisschen spät“, sagte Rechtsanwältin Karin Gebauer – sie vertritt die Erzieherin – über die neuerlichen Anschuldigungen, die die Gegenseite jetzt erhoben hat und in den Prozess eingeführt wissen will.

Ausgang offen

Zum Abschluss kam das Zivilverfahren am Donnerstag nicht. Richter Giesecke will die Verhandlung Anfang März fortsetzen. Abgeschlossen ist dagegen das Strafverfahren gegen die Erzieherin wegen der angeblichen Misshandlungen. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat es mangels Tatverdacht nach Paragraf 170/2 Strafprozessordnung eingestellt, teilt deren Pressesprecherin, Oberstaatsanwältin Ingrid Burkhart, auf Nachfrage mit. Im strafrechtlichen Sinne ist die Frau also unschuldig. Ob sie und die Stadt trotzdem zivilrechtliche Ansprüche erfüllen müssen, ist dagegen noch offen.

Von Dirk Wurzel

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