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Döbeln Ruhig und dankbar: Döbelns Baudezernent Thomas Pfeiffer im Porträt
Region Döbeln Ruhig und dankbar: Döbelns Baudezernent Thomas Pfeiffer im Porträt
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18:17 27.07.2012
Ein Stück Italien kann sich Thomas Pfeiffer nach Hause auf sein Döbelner Grundstück an der Leipziger Straße holen. Mit einem Gläschen Weißwein und einem gutem Buch zum Sommer-Feierabend. Soll es das echte Italien sein, muss der Döbelner nur in seine Wohnung am Lago Maggiore fahren. Quelle: Gerhard Dörner

Der Mann mit dem gepflegten, kurz geschnittenen und mittlerweile grauen Vollbart strahlt eine innere Ruhe aus. Ruhig bleibt er auch, als er über den bislang wohl tiefsten Einschnitt in seinem Leben spricht: Lymphknotenkrebs. Vor vier Jahren erhält er die Diagnose. Die Entscheidung, die für ihn gerade noch mögliche Altersteilzeitregelung zu nutzen, trifft er kurz vorher. Im Rückblick - nach Chemotherapie, einem Rückfall in den Jahren 2010/11, erneuter Krebsbekämpfung mit Strahlentherapie - ist Thomas Pfeiffer froh, dieses frühe Arbeitsende gewählt zu haben. Die Krankheit hat geschlaucht. Und: "Man weiß ja nicht, was noch kommt." Dabei steckt der sympathische Döbelner keineswegs den Kopf in den Sand. "Die Heilungschancen bei dieser Krebsart sind hoch, sie liegen bei über 50 Prozent. Bis jetzt ist alles in Ordnung. Ich fühle mich ganz gut und muss weiter sehen."

Warum hat es ausgerechnet mich getroffen? Diese Frage stellt sich Pfeiffer nicht. Vielmehr ist er dankbar dafür, nahezu 60 Jahre ohne große Probleme ein gutes Leben geführt zu haben, er ist dankbar für seine Familie mit Ehefrau Annette und seinen nun drei erwachsenen Söhnen Sebastian, Konstantin und Friedemann, für seine zweieinhalbjährige Enkelin Matthilda und er ist dankbar dafür, dass er einiges bewegen konnte - auch für die Stadt Döbeln.

Diese Dankbarkeit und der Umgang mit der Krankheit resultiert ein Stück weit aus dem christlichen Glauben Thomas Pfeiffers. Geprägt vom Elternhaus - sein Vater ein evangelischer Pfarrer - wird er als Kind im Sinne dieses Glaubens erzogen. Geboren in Greifswald und aufgewachsen in Weißenfels, Sachsen-Anhalt, kommt die Jugendweihe für ihn nicht in Frage. "Das brachte schon einige Nachteile mit sich." Die Hochschulreife war nur über Umwege möglich - die damalige Berufsausbildung mit Abitur, die dem jungen Mann neben dem Abi den Beruf des Baufacharbeiters beschert. Beim Studium zum Bauingenieur in Cottbus lernt Thomas Pfeiffer seine spätere Frau kennen. Die Arbeit und vor allem die mögliche Wohnung statt des Bauarbeiterwohnheimes verschlägt beide nach Döbeln. Sie ist Katholikin, also gibt es eine ökumenische Hochzeit. Er ist zwar auf dem Papier noch immer evangelisch-lutherisch, fühlt sich aber seit geraumer Zeit mehr zur katholischen Kirche hingezogen. Weshalb? "Das liegt wohl auch an der Gemeinde."

Seine ersten Spuren im Bausektor hinterlässt der frisch gebackene Ingenieur als Bauleiter für das Plattenbaugebiet Hartha-Nord oder beispielsweise für einen Anbau der Chirurgie der Uni-Klinik in Leipzig. Heute kann er über diese schwierige Zeit schmunzeln: "In der DDR gab es von nichts nichts. Der Klinikbau wurde ständig umgebaut, weil keiner so richtig wusste, ob er nun Geräte aus dem Westen oder aus dem Ostblock beherbergen soll." Ironie der Geschichte: Der Klinikbau steht nur etwa 20 Jahre und wird dann schon wieder abgerissen. Tief betrübt über dieses wenig nachhaltige Produkt seiner Arbeit ist Pfeiffer nicht: "Damals waren die Vorgaben so, später erwies sich der Bau nicht mehr als funktional genug."

Für den Bau-Spezi sollen viel bessere Zeiten kommen, mit Schaffensergebnissen, die eine deutlich längere Halbwertszeit haben. "Wir müssen irgendetwas machen, irgendwie mitgestalten", sagt sich der Döbelner nach der Wende mit Blick auf seine lieb gewonnene Heimatstadt. Er bewirbt sich im Rathaus für die Stelle des Baudezernenten und wird angenommen. Noch ein anderer Umstand bewegt ihn zu diesem Schritt: In den 80er Jahren ist geplant, die gesamte Döbelner Innenstadt abzureißen und mit Plattenbauten zu ersetzen, wie in der Fronstraße geschehen. "So kann es nicht weitergehen. So soll Döbeln einmal nicht aussehen", sagt sich Pfeiffer. Viel später hätte die Wende nicht kommen dürfen, dann hätte es schlecht um Döbelns Innenstadt gestanden, so sein heutiges Fazit.

Der Baudezernent kniet sich mit seinem "guten Team" in die Arbeit, oft auch hemdsärmelig. Es fließt Geld, die Bürokratie hält sich in Grenzen, es wird viel geschafft. Döbeln ist die erste sächsische Stadt mit einem rechtskräftigen Flächennutzungsplan. Der Rahmenplan für die Innenstadt, die Ausweisung der Innenstadt als Sanierungsgebiet ("Ohne funktionierende Innenstadt geht nichts richtig weiter."), die Bebauungspläne für die Gewerbegebiete in Döbeln-Ost - alles wichtige Voraussetzungen für die heute gut intakte Stadt. Für Thomas Pfeiffer ganz wichtige Ergebnisse, auf die er auch stolz ist: die weitestgehend sanierten Schulen der Stadt, das auf Vordermann gebrachte Frei- und Hallenbad, das jetzt noch ein i-Tüpfelchen erhält und das sanierte Theater mit dem modernen Anbau.

Auch wenn viel passiert ist - auf seinen Nachfolger sieht Thomas Pfeiffer nicht wenig Arbeit zukommen. Der Bevölkerungsrückgang wird eine der großen Herausforderungen für die Baufachleute und Planer sein. "Die Entwicklung muss im Auge behalten werden, damit nichts kaputt geht", sagt er. Ein weiterer Rückbau von Außen nach Innen - die wahrscheinliche Variante.

Der ruhige Fast-Sechziger wird diese Entwicklungen mit gewisser Distanz betrachten, nicht selten auch mit räumlichem Abstand. Dafür spricht die vor einigen Jahren angeschaffte Eigentumswohnung am italienischen Teil des Lago Maggiore. Seit dem ersten Italienurlaub sind sie begeistert von dem Land. Als mal eine Bausparzeitung Auslandsimmobilien offeriert, schauen sich Pfeiffers eine Wohnung an dem Traum-See an. Immerhin anderthalb Jahre Bedenkzeit vergehen noch bis zum Kauf, der heute keinesfalls bereut wird. Mit der Wohnung und Italien hängen auch zwei Wünsche Pfeiffers zusammen. Er will noch besser Italienisch lernen, "vor allem die Grammatik". Und er möchte nach Sizilien. Mal ganz spontan, mit dem Zelt statt mit Hotelbuchung - kein Problem. Denn ein Campingfreund ist Thomas Pfeiffer auch. Olaf Büchel

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