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Döbeln SPD-Ortsvereine machen sich für direkte Zugverbindung Döbeln-Dresden stark
Region Döbeln SPD-Ortsvereine machen sich für direkte Zugverbindung Döbeln-Dresden stark
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08:13 11.10.2018
Einmal im Jahr im Dezember rauscht ein Zug mit historischer Dampflok vorbei. Sonst herrscht am Bahnhof Döbeln Zentrum seit Jahren Stille am toten Gleis nach Meißen. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Die SPD-Ortsvereine Döbeln und Umgebung, Roßwein und Sachsenkreuz fordern von der Sächsischen Staatsregierung und den Verkehrsverbünden eine Wiederinbetriebnahme der Regionalbahnstrecke 110 von Leipzig über Grimma, Döbeln, Roßwein und Meißen nach Dresden. Einen gleichlautenden Antrag haben alle drei SPD-Ortsvereine am Mittwochabend auf ihren Mitgliederversammlungen beschlossen.

„Wenn sich die Region Döbeln mit den Städten Roßwein, Leisnig, Hartha und Waldheim l Siangfristig gut entwickeln soll, muss sie besser an den Speckgürtel um Dresden und Leipzig angebunden werden. Darin sind wir uns in unseren SPD-Ortsvereinen einig“, sagt Döbelns Ortsvereinschef und Stadtrat Sylvio Kolb. Gemeinsam mit dem Eisenbahnfreund und Berufspendler Thorsten Stein vom Roßweiner SPD-Ortsverband hat er den erneuten Anlauf ins Rollen gebracht.

Elfefantenrunde blieb ergebnislos

Vor einem Jahr hatte es zuletzt zu dem Thema eine Elefantenrunde mit Landtagsabgeordneten, Vertretern der Verkehrsverbünde Mittelsachsen und Oberelbe sowie Bürgermeistern der einiger Anliegerstädte der Bahnlinie im Döbelner Rathaus gegeben. Alle Beteiligten sind damals ergebnislos auseinander gegangen. Während sich der für Döbeln zuständige Verkehrsverbund Mittelsachsen zumindest gesprächsbereit gab, zeigte der im Raum Dresden verantwortliche Verkehrsverbund Oberelbe und der Meißner Landrat der Idee die kalte Schulter. Zumindest wurde vor einem Jahr einmal durchgespielt, was es kosten würde, wieder einen Zug im Takt bis Meißen, Coßwig oder durch bis Dresden-Hauptbahnhof fahren zu lassen.

„Nach den klaren Aussagen von Ministerpräsident Kretzschmer bei seinen Bürgergesprächen sehen wir den Bann gebrochen. Die Abbestellung der Zugverbindung nach Dresden vor drei Jahren war ein großer regionalpolitischer Fehler und die Folge der brutalen Kürzungspolitik von CDU und FDP zwischen 2010 und 2014. Das sieht auch der CDU-Ministerpräsident mittlerweile so und versprach den Bürgern sich für eine Wiederbelebung einzusetzen“, sagt Sylvio Kolb.

Einstundentakt Döbeln- Dresden gefordert

In ihrem Antrag an die Staatsregierung fordern die drei SPD-Ortsvereine eine durchgehende Verbindung zwischen Leipzig über Grimma, Döbeln, Meißen nach Dresden. Umstiege sollten vermieden werden. „Wir wollen eine einstündige Taktung in der Woche und eine zumindest zweistündige Taktung am Wochenende. Die Strecke zwischen Döbeln und Dresden sollte in höchstens einer Stunde zurückgelegt werden“, so die Forderungen.

Nach der Abbestellung der Bahnstrecke war in den Busverkehr im Raum Meißen mehr Geld gesteckt worden. Zwischen den Dörfern im Kreis Meißen stiegen die Fahrgastzahlen, was der Verkehrsverbund Oberelbe und der Meißner Landrat als Erfolg der Schließung wertet. „Wir begrüßen Investitionen in den Busverkehr. Dieser kann aber den Bahnverkehr nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Der Busverkehr soll als Zubringer für den Zugverkehr weiterentwickelt werden“, sagt dazu Sylvio Kolb.

Der Antrag der drei SPD-Ortsvereine soll nun den Druck auf die Landesregierung erhöhen. Sylvio Kolb sieht mittlerweile das Wirtschaftsministerium unter Minister Martin Dulig (SPD) und die Staatskanzlei von Ministerpräsident Michael Kretzschmer (CDU) mit im Boot. Jetzt hofft er, dass nun auch der Verkehrsverbund Oberelbe und die hinter ihm stehenden CDU-Landräte, davon überzeugt werden können, dass der Bahnverkehr in die Landeshauptstadt nicht auf das Elbtal beschränkt bleiben darf.

Auch die Döbelner Landtagsabgeordneten Henning Homann (SPD) und Sven Liebhauser (CDU) bringen die Wiederbelebung der durchgehenden Bahnverbindung von Döbeln nach Dresden in ihren politischen Gremien immer wieder ins Gespräch.

Kommentar_ Weckruf an die Verkehrsfürsten

Hallo liebe Dresdner, Sachsen endet nicht am Rande des Elbtals.“ Das ist die klare Botschaft, welche die drei SPD-Ortsvereine mit ihrem Initiativantrag zur Wiederbelebung der Bahnverbindung von Döbeln nach Dresden aussenden. Der Antrag wird zwar an die Sächsische Staatskanzlei gerichtet. Doch das Papier gilt als Weckruf an die Verkehrsverbünde in Sachsen. Besonders der Verkehrsverbund Oberelbe und die dahinterstehenden Landräte im Regierungsbezirk Dresden interessiert es nämlich nicht die Bohne, ob Städte wie Döbeln oder Roßwein, die hinter den Dresdner Königreichgrenzen liegen, per Bahn direkt mit der Landeshauptstadt verbunden sind. Während man von Meißen im Halbstunden-Takt nach Dresden per S-Bahn-rollen kann. Und bis in die hinterste Sächsische Schweiz von Dresden aus Züge fahren, ist eine Region wie der Altkreis Döbeln mit rund 70 000 Einwohnern, gerade 50 Kilometer entfernt, vom Bahnverkehr in die Landeshauptstadt abgeschnitten. Für die in der Region wohnenden Jugendlichen bleiben so Ausbildungswege in der Landeshauptstadt versperrt.

Den Verkehrsverbünden und den Landräten, die dahinterstehen, sollte klar sein, dass solche regionalen Verkehrsfürstentümer in den als Randlagen degradierten Regionen keine Akzeptanz genießen und deren Abschaffung 2019 zum Wahlthema werden könnte.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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