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Sachsenkreuz-Städte feiern„Glücksfall“ Deutsche Einheit

Frühschoppen in Hartha Sachsenkreuz-Städte feiern„Glücksfall“ Deutsche Einheit

Wenn Scherben wirklich Glück bringen, dann steht sowohl die Deutsche Einheit als auch der Städteverbund zwischen Waldheim, Hartha und Leisnig unter einem guten Stern. Beim Freibier-Anstich zum Frühschoppen in Hartha ging zunächst ein Glas zu Bruch. Doch dann floss der Gerstensaft und die Besucher feierten trotz Regen.

Anstoßen auf den Tag der Deutschen Einheit beim Harthaer Frühschoppen.

Quelle: Sven Bartsch

Hartha. Wenn Scherben wirklich Glück bringen, dann steht sowohl die Deutsche Einheit als auch der Städteverbund zwischen Waldheim, Hartha und Leisnig unter einem guten Stern. Denn als beim gestrigen Frühschoppen in Hartha die Bürgermeister von Waldheim und Hartha, Steffen Ernst und Ronald Kunze, sowie der 1. Beigeordnete Lothar Beier in einer Gemeinschaftsaktion das Freibier anzapften, ging beim ersten Schlag zunächst mit großem Klirren ein Glas zu Bruch. Schnell saßen dann die nächsten Hiebe und der Gerstensaft floss in Strömen – zur Freude der Besucher.

Die waren auf Einladung des Freundeskreises der drei Sachsenkreuzstädte Hartha, Waldheim und Leisnig zahlreich auf das Gelände der ehemaligen Textilwerke an der Dresdner Straße gekommen. Auch Gäste aus den Partnerstädten Siófok (Ungarn) und Fröndenberg (Nordrhein-Westfalen) gehörten dazu. Trotz regnerischen Wetters wollten die Menschen den Tag der Deutschen Einheit feiern. Sie spannten einfach ihre Schirme auf und behielten darunter ihre gute Laune. Zum vierten Mal richteten die drei Kommunen gemeinsam einen solchen Frühschoppen aus, der im Laufe des Tages viel Musik, Tanz und eine Modenschau zu bieten hatte.

Hans-Jürgen Estler, der wieder sein Firmengelände für das Fest zur Verfügung stellte, gehört zu den Initiatoren des Freundeskreises Sachsenkreuz. „Das Sachsenkreuz ist ja mehr ein verwaltungstechnisches Gebilde. Wir wollten aber mal etwas machen, das von unten kommt. Und da es in der Döbelner Region noch keine Veranstaltung zum Tag der deutschen Einheit gab, haben wir für den 3. Oktober diese Veranstaltung ins Leben gerufen“, berichtete der Unternehmer von den Anfängen. Der Freundeskreis treffe sich aller zwei Monate und die Zusammenarbeit klappe auch auf anderen Gebieten, wie im Sport, bei den Jugendfeuerwehren oder den Schulen. Estler: „Nächstes Jahr gibt es zum Beispiel wieder das Kulturfest unserer drei Oberschulen.“

Den Tag der Deutschen Einheit sieht Hans-Jürgen Estler als einen wichtigen Tag in seinem Leben: „Man glaubt gar nicht, dass es schon 26 Jahre her ist. Mir kommt es vor wie gestern. Wir mussten damals viel Neues lernen. Die Wende war eine wilde Zeit und ein Glücksfall. Ich bin sehr dankbar, dass es so gekommen ist.“

Der 1. Beigeordnete des Landrates, Lothar Beier, freute sich, dass „nicht nur in Dresden, sondern auch hier in Hartha die Deutsche Einheit gefeiert wird. Wenn Sie nicht den Mut gehabt hätten, bei der friedlichen Revolution auf die Straße zu gehen, dann gäbe es heute kein einheitliches Deutschland“, rief Beier den Festbesuchern zu. Sie hätten allen Grund zu feiern und sollten nicht klagen. Auch wenn es Verlierer der Einheit gibt, so überwiege laut Beier doch das Gute.

Für den Harthaer Bürgermeister Ronald Kunze, der verkündete, dass voraussichtlich nächstes Jahr Baustart für den Radweg Hartha-Rochlitz sein wird, ist die Einheit ebenfalls ein großes Glück. „Sie hat Europa mehr Frieden gebracht. Der Kalte Krieg war Geschichte, wie auch die Teilung von Familien. Die Frage ist, ob alle die Chance nutzen, die das vereinigte Deutschland bietet.“ Fröndenbergs Wende-Bürgermeister Willi Demmer bezeichnete die Deutsche Einheit und die damit im Osten gewonnene Freiheit als ein „unbezahlbares Gut. Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass es eine Revolution ohne Blutvergießen war.“ Seine Amtsnachfolgerin Christa Büsche: „Ich bin so glücklich und kann es nicht in Worte fassen. Ohne die Einheit hätte ich zum Beispiel all die freundlichen Menschen in Hartha nicht kennengelernt.“

Kritik am Rande gab es dann doch noch. Frank Schmidt aus Reinsdorf bemängelte, dass für die Ortsteile keine Shuttlebus-Linie zum Festgelände eingerichtet wurde und das Bier sei mit drei Euro pro Glas viel zu teuer. „Zwei Euro hätten es bei so einer Feier auch getan.“ Dabei hätte Schmidt sogar Einheits-Freibier trinken können. Doch das wollte er nicht.

Von Olaf Büchel

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