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Döbeln Sänger von Waldheim bleibt ein freier Mann
Region Döbeln Sänger von Waldheim bleibt ein freier Mann
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Muss der Sänger von Waldheim in den Maßregelvollzug? Diese Frage stellte sich am Montag im Landgericht Chemnitz. Quelle: Foto: Dirk Wurzel
Chemnitz/Waldheim

Der Sänger von Waldheim ist verstummt. So sagte es zumindest sein Verteidiger, Rechtsanwalt Carsten Forberger, am Montag im Landgericht Chemnitz. „Seit einer Woche spricht er nicht mehr.“ Dort hatte die 6. Große Strafkammer zu entscheiden, ob Jan O. so gefährlich ist, dass man im Maßregelvollzug unterbringen muss. Das ist eine Mischung aus psychiatrischem Krankenhaus und Gefängnis.

„Wir haben zwar Faschingszeit aber das hier ist keine Faschingsveranstaltung. Nehmen Sie also bitte den Hut ab oder die Herren tun es“, forderte Richter Kay-Uwe Sander, der Vorsitzende der 6. Großen Strafkammer, Jan O. mit Blick auf die herbeigerufenen Wachtmeister auf, seine ungewöhnliche Kopfbedeckung abzunehmen: Ein Hut mit einem Propeller aus Vogelfegern. Aber auch andere Früchte seiner Bastelleidschaft hatte der 41-Jährige ins Gericht mitgebracht. Schilder mit Smileys und unterschiedlichen Geschichtsausdrücke, lachend, weinend, mit Lügennase. Letzteres hielt der Sänger hoch, wenn Zeugen gegen ihn aussagten. So wie es zum Beispiel ein 55-Jähriger Waldheimer tat, der Jan O. am 26. Dezember 2015 aufgefordert hatte, doch wenigstens mal am 2. Weihnachtstag mit dem Geklimpere aufzuhören. Der nahm die Gitarre und zog sie dem Mann über die Rübe. Gleiches tat er bei einem anderen Waldheimer. Wie dieser Mann als Zeuge aussagte, habe ihn der Sänger schon längere Zeit vor der Tat belästigt. Am 25. Januar 2016 eskalierte es. Erst zeigte ihm der Sänger den Stinkefinger, der Geschädigte wollte ihn zur Rede stellen. „Ich wollte die Angelegenheit klären und hatte plötzlich das Musikinstrument am Schädel kleben“, sagte der Zollbeamte. Auch dieser Zeuge sah den Smiley mit der Lügennase.

Für Maßregel noch nicht gefährlich genug

Neben Beleidigung (Stinkefinger) und zweifacher gefährlicher Körperverletzung (Schläge mit der Gitarre) lag Jan O. auch zur Last, eine Frau auf dem Niedermarkt vorm Blumengeschäft zu Boden gestoßen zu haben, wodurch sich diese ein Schleudertrauma zugezogen hatte. Sie wollte den Sänger lediglich vorsichtig beiseite schieben, um mit dem Auto ausparken zu können. Die 6. Große Strafkammer sah alle diese Tatvorwürfe als erwiesen an. Verurteilen konnte sie den Sänger aber nicht. Weil er schuldunfähig ist, sprach das Gericht Jan O. frei. Auch der Maßregelvollzug bleibt dem Mann erspart. „Sie bewegen sich in einer Grauzone“, sagte der Vorsitzende. Die Kammer stufte O. als nicht so gefährlich ein, um ihn auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie zu schicken.

„Sicher ist es Ihr Verlangen, bewusst zu machen, dass unserer Gesellschaft mehr Freude gut tun würde. Den Leuten in Waldheim sind Sie aber massiv auf den Geist gegangen“, sagte Richter Sander. Er kündigte an, beim zuständigen Betreuungsrichter am Amtsgericht Döbeln anzuregen, Jan O. unter Betreuung zu stellen. Richter Sander riet dem Sänger zudem, die Füße still zuhalten. „Wir als Strafkammer haben uns solche Maßregelanstalten angesehen. Da wollen Sie nicht hin, da vergeht selbst Ihnen das Lachen.“

Auf der Anklagebank mit dem Teddy kuscheln

Nun, Lachen war nur eine Gefühlsregung, die Jan O. während des Prozesses zeigte. Als sein Verteidiger plädierte, weinte er. Als Dr. Kerstin Buchholz, die psychiatrische Sachverständige, aussagte, hielt er sich Ohren zu oder stellte sich schlafend und kuschelte mit seinem Teddy. Von der Einschätzung der forensischen Psychiaterin des Landeskrankenhauses Arnsdorf hing es ab, ob bei O. die Voraussetzungen vorliegen, ihn im Maßregelvollzug unterzubringen. Sie kam zu der Ansicht, dass er vor knapp 20 Jahren zwar noch nicht seelisch krank, aber wesentlich gefährlicher war, als er es jetzt ist. Damals hatte ihn das Landgericht Gera wegen schweren Raubes zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die O. bis 2003 in der JVA Waldheim verbüßte. „Von sich aus ist er nicht aggressiv, sondern nur, wenn er glaubt, das man ihn angreife“, sagte die Sachverständige. „Wir stecken in Systemzwängen, Herr O. hat für sich einen Ausweg gefunden, hat für sich entschieden, wieder Mensch zu sein“, schilderte Rechtsanwalt Forberger, wie er seinen Mandanten kennengelernt hat. „Herr O. hält uns einen Spiegel vor.“

Von Dirk Wurzel

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