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Döbeln Samen-Wagner schließt nach 147 Jahren in Döbeln
Region Döbeln Samen-Wagner schließt nach 147 Jahren in Döbeln
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00:20 29.09.2017
Ausverkauf am Obermarkt: Nach 147 Jahren gibt Samen-Wagner sein Traditionsgeschäft auf. Ende November ist Schluss. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

„Alles hat seine Zeit. Aber 147 Jahre ein Geschäft zu betreiben, soll uns erst mal einer nachmachen.“ Thomas Wagner ist trotzdem traurig. Gerade hat der 62-Jährige an seinem Geschäft das Schild „Wir schließen zum 30. 11. 2017“ angebracht. Die Nachricht schlägt am Döbelner Obermarkt, der sich gerade etwas vom Leerstand zu erholen scheint, ein wie eine Bombe. Doch das Gerücht, dass Samen-Wagner schließt, kursierte schon länger.

In vierter Generation betreibt Thomas Wagner das Geschäft am Obermarkt in Döbeln. Urgroßvater Gustav Wagner kam 1870 von Gönningen in der schwäbischen Alb nach Döbeln. In der Gemeinde lebten damals 130 Samenhändler. Der Urgroßvater zog durch Sachsen und gründete zunächst in der Ritterstraße (im Haus in dem später Döbelns Intershop war) seine Samenhandlung. 1906 kauft er das Haus am Obermarkt, baute es um und erweiterte es. Seit 1908 gibt es Samen-Wagner am Obermarkt. Hier wurden Samen gezüchtet und im Großhandel verkauft. 1971 wurde das Geschäft verstaatlicht. Es blieb aber der Branche treu. Der Döbelner Großhandel belieferte Gärtnereien und Geschäfte im gesamten Bezirk Dresden und Leipzig mit Sämereien. Der Einzelhandel am Obermarkt lief nebenher.

Doch die Zeiten ändern sich. „Der traditionelle Samenhandel hat sich in Städten wie Döbeln erledigt. Die großflächigen Handelseinrichtungen mischen sich in jedes Sortiment ein“, sagt Thomas Wagner. Und er meint nicht nur die Baumärkte sondern auch Aldi, Lidl und Co, die das Saisongeschäft mit Pflanzen, Blumenzwiebeln und Samen besetzen. Nur das beratungsintensive Thema Pflanzenschutzmittel besetzen diese Märkte nicht. Doch hier bemerkt Thomas Wagner, dass die Kunden kommen, um sich beraten zu lassen und dann nicht wieder auftauchen, weil sie vermutlich im Internet bestellen. „Für uns ist die Saison aber auch nicht länger und den Rest des Jahres quälen wir uns über die Zeit“, so der Einzelhändler. „Wir sind kein Erlebnisgeschäft und vielleicht vom Sortiment her nicht so innenstadttauglich. Wer will schon seinen Sack Erde bis zum Parkhaus schleppen.“ Doch der 62-Jährige bemerkt seit Jahren auch den Rückgang kleiner Gärtnereien, die seine Sämereien kaufen und die Pflanzen ziehen, die er dann im Laden verkaufte. Auch die Kleingärtnergeneration, die selbst aussät, wird kleiner. „In Großstädten gibt es ein neues Potenzial an ökologisch orientierten Junggärtnern und Studenten. Bei uns aber fehlt es an jungen Leuten, die in einem Kleingarten selbst etwas anbauen.“

Zum Umsatzrückgang kam der Mindestlohn. Das Blumengeschäft neben der Samenhandlung wurde geschlossen. Zwei Kassen zu betreiben, rechnete sich nicht mehr. „Ich habe mir damals gesagt, wenn ich als Inhaber irgendwann selbst den Mindestlohn kaum noch verdiene, brauche ich mich nicht mehr hinstellen“, so Thomas Wagner. Jetzt ist es soweit. Das Geschäft mit fast 200 Quadratmetern und viel Lagerfläche wird er vermieten. Erste Interessenten gibt es bereits. Eine der beiden Mitarbeiterinnen hat bereits neue Arbeit. „Auch die andere Kollegin wird schnell unterkommen“, ist er überzeugt. „Das sind gute Leute. Ich bin stolz auf sie.“

Von Thomas Sparrer

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