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Döbeln Im Dorf riecht es nun mal nach Stall
Region Döbeln Im Dorf riecht es nun mal nach Stall
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08:00 27.08.2018
Diesem kleinen Quieker geht es augenscheinlich ganz gut in Oberranschütz. Quelle: Gerhard Schlechte
Oberranschütz

OberranschützMarkanter Geruch steht im Korridor, durch den am Tag der offenen Tür in der Oberranschützer Sauenzuchtanlage etwa 15 Männer und Frauen treten. Alle tragen Überschuhe und Capes aus blauer Folie, machen halt an einem Sichtfenster. Hinter der Scheibe liegt ein Raum mit drei zimmergroßen Gehegen, Buchten genannt. In jeder etwa hundert junge Schweine. Ferkel, die fressen, Kampfspiele üben oder sich einfach ausruhen. Erstaunlich sauber ist es in den Buchten. „Schweine sind auch relativ saubere Tiere“, erklärt die 30-jährige Marie Gröbner mit federleichtem bayrischen Dialekt. „Wenn ein Tier dreckig ist, sieht man eigentlich, dass etwas nicht stimmt.“

Fast das ganze Dorf ist da

Gröbner ist Miteigentümerin der Sauenzuchtanlage Oberranschütz, die an diesem Sonnabend zum Tag der offenen Tür eingeladen hat. „Wir haben uns den Gedanken gesetzt, jedes Jahr an einem anderen Standort einen anzubieten.“ Wir – das ist der Landwirtschaftsbetrieb Gröbner, ein Familienunternehmen mit Anlagen in ganz Sachsen.

„Das letzte Mal waren wir vor zehn Jahren hier.“ Fast das ganze Dorf hat die Einladung angenommen, an die hundert Leute. Von elf bis 16 Uhr kann ein Blick in die Ställe geworfen werden. Bei gegrilltem Schwein und Bratwurst kommt man mit den Mitarbeitern ins Gespräch. Für Kinder wurde eine Hüpfburg aufgebaut. Zu den Gästen gehört auch Anwohner Gert Lehmann (45), der die Haltungsbedingungen etwas ernüchtert bewertet: „In der modernen Gesellschaft braucht man darüber kein Wort zu verlieren. Es darf nichts kosten und wir wollen alle satt werden.“ An der Sauenzuchtanlage hat er allerdings nicht auszusetzen, das gehöre auf dem Dorf dazu. Auch der Geruch. „Wir wohnen oberhalb der Anlage, was wollen wir uns beschweren?“

Noch fünf von einst 50 Mitarbeitern

Dass diese Einstellung heute nicht selbstverständlich ist, weiß Rico Krause (34). Der Oberranschützer ist kaufmännischer Leiter bei der Firma Gröbner. „In der modernen Tierhaltung läuft alles automatisch: Fütterung, Wasserversorgung, Lüftung.“ So blieben von einst 50 Mitarbeitern fünf übrig. „Die Zeiten sind vorbei, in denen das halbe Dorf in der Landwirtschaft gearbeitet hat.“ Auch in anderer Hinsicht hat sich viel getan. Hohe Schornsteine verringern schon seit längerem die Geruchsbelästigung. Erst im letzten Jahr wurde eine Abdeckschwimmschicht aus fußballgroßen Kunststoffteilen für die Jauchengrube angeschafft. Die Kosten beliefen sich auf 25 000 Euro. Viel Geld, investiert in gute Nachbarschaft.

Von Johannes Wolf

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