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Saufgelage in Kleingarten artet in Verbrechen aus – Gericht verhängt Haftstrafen

Raub in Döbeln Saufgelage in Kleingarten artet in Verbrechen aus – Gericht verhängt Haftstrafen

Hätten zwei Männer aus Döbeln Anfang Juni Pfefferminztee statt Pfefferminzlikör getrunken, wäre ein geselliges Beisammensein in einem Döbelner Kleingarten wohl nicht eskaliert. So fanden sich die beiden aber auf der Anklagebank im Amtsgericht Döbeln wieder und sahen sich des Raubes angeklagt.

Ein Angeklagter bezichtigt den anderen und das Gericht glaubt ihm. So muss der eine wegen Raubes ins Gefängnis, der andere bekommt Bewährung.

Quelle: dpa

Döbeln. Ein grüner Likör mit Pfefferminzaroma, viel Bier und ein Verbrechen: Das waren die Zutaten eines Prozesses am Amtsgericht Döbeln. Der Fall spielt im Milieu der Döbelner Alkoholikerszene. Wofür der Geruch ein treffendes Indiz lieferte, der während der Verhandlung im Gerichtssaal hing.

Das Rauschmittel Nummer eins war offenkundig maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass ein geselliges Beisammensein in einem Kleingarten im Amselgrund Anfang Juni vergangenen Jahres ausartete. Dem Gastgeber kam sein Porte­mon­naie abhanden. Was nicht ohne Gewalt abging. „Der Angeklagte F. schlug den Geschädigten, dieser ging zu Boden. Der Angeklagte G. setzt sich auf den Oberkörper des Geschädigten“, las Staatsanwalt Maximilian Schneider aus dem Anklagesatz vor. Der Staatsanwalt warf Marcus G. und Markus F. gemeinschaftlichen Raub vor. Das ist ein Verbrechen, für das das Gesetz mindestens ein Jahr Haft vorsieht. 140 Euro hätten die beiden Markusse erbeutet, 60 Euro in Bargeld und dazu noch einen Scheck über 80 Euro. Ereignet habe sich der Raub gegen 1.30 Uhr morgens.

Markus F., der ältere der beiden Angeklagten, stritt den Tatvorwurf ab. Zwar sei er gemeinsam mit seinem Namensvetter im Garten des Geschädigten gewesen, man hätte Pfeffi und Bier getrunken. Die Getränke hatte übrigens der 53-Jährige übrigens spendiert. „Ich war längst wieder zuhause mit meiner Ziehtochter und deren Freund“, sagte Markus F. Der ist viermal wegen Eigentums- und Körperverletzungsdelikten vorbestraft, derzeit auf Bewährung draußen und dem Alkohol nicht abhold. Ganz anders sein Namensvetter und Mitangeklagter Markus G. Der 33-Jährige absolviert gerade eine Suchttherapie in Westdeutschland und will auch nicht mehr nach Döbeln zurückkehren. Er gestand seinen Tatbeitrag und belastete Markus F. mit diesem Geständnis. Demnach sei zuerst der Geschädigte in die Laube gegangen, F. sei diesem gefolgt. „Dann habe ich es nur noch klirren gehört. F. hat den Mann zu Boden gedrückt, wollte ans Porte­mon­naie. Ich habe mich auf den Arm und Brustkorb des Geschädigten gesetzt“, so Markus G. F. habe dem Kleingärtner dann das Porte­mon­naie abgenommen und sei damit verschwunden.

Der Geschädigte konnte sich nicht mehr genau erinnern, wer von den beiden ihn beraubt hatte. Er wusste nur noch, dass sich F. in Rage geredet hatte. „Der ist so aufgebraust, dass er noch von irgendjemanden Geld kriegt“, sagte der 53-Jährige. Von einem verbalen Streit vor dem Raub berichtet auch die Anklage. Der Geschädigte habe einen Schlag ins Kreuz bekommen, sei umgefallen. Wer geschlagen hat, wusste er nicht, nur, dass sein Porte­mon­naie fehlte, seine Jeans zerrissen und die Laube demoliert war. Bloß mit dieser Zeugenaussage und ohne das Geständnis des Mitangeklagten G. wäre es schwierig geworden, F. die Tat nachzuweisen.

Da setzte das Plädoyer von Rechtsanwalt Dandy Ott an, der Markus F. verteidigte. „Der Geschädigte sagt, es gab eine Rangelei aber wer wen geschlagen hat, bleibt unklar. Hier fehlt ein vernünftiger Nachweis. Herr G. ist Mitangeklagter und belastet den anderen Mitangeklagten“, stellte Rechtsanwalt Ott den Wert des Geständnisses als Beweis für die Schuld seines Mandanten in Frage und beantragte Freispruch. Dandy Otts Kanzleikollege Matthias Renner verteidigte Markus G. und hielt dagegen viel von dessen Angaben. Er stellte in den Raum, dass sich G. womöglich bloß der Beihilfe schuldig gemacht habe. Rechtsanwalt Renner bestand aber nicht stur darauf und beantragte, falls das Gericht eine Mittäterschaft seines Mandanten sehe, ihn wegen eines minder schweren Fall des Raubes zu verurteilen und ihm Bewährung zu geben.

So kam es. Das Schöffengericht verurteilte G. wegen eines minder schweren Fall des Raubes zu zehn Monaten Haft mit Bewährung. Markus F. muss dagegen für ein Jahr und drei Monate hinter Gitter. „Herr G. hat seine eigene Schuld auf sich genommen, deshalb halten wir seine Angaben für glaubhaft“, begründete Richterin Karin Fahlberg, Vorsitzende des Schöffengerichtes, dessen Urteil. Eine Belastungstendenz sei bei Markus G. nicht zu erkennen gewesen. Der muss noch 100 Euro an den Geschädigten zahlen. G. akzeptierte das, ebenso das Urteil, das damit rechtskräftig ist. Markus F. wird wohl in Berufung gehen.

Um einen weiteren Anklagepunkt kümmerte sich das Gericht indes nicht weiter. Die beiden Markusse sollen im Juni vergangenen Jahres einem ihrer Kumpels die Geldbörse mit 52 Euro und einer Karte für ein RB-Spiel geklaut haben, als sie diesem Mann beim Vorrichten seiner Wohnung geholfen haben. Zwar kam heraus, wie diese Renovierung vor sich ging. Mit viel Alkohol, sich gegenseitig anmalen und einem Polizeibesuch. Die Beamten kamen wegen des Lärms. Aber wer den Wohnungsinhaber, ein dem Alkohol ebenfalls nicht abgeneigter 36-jähriger Döbelner mit 17-jähriger Freundin, dann tatsächlich bestohlen hatte, blieb unklar: Markus G. sagte, F. sei gleich abgehauen, als die Polizei kam, hätte ihm später die Geldbörse gezeigt, die er in der Wohnung gestohlen habe. Markus F. sagte ebenfalls, er sei gleich gegangen, als die Polizei kam. Schließlich habe er Bewährung und wolle keinen Ärger. Der mutmaßliche Geschädigte – zum Zeitpunkt seiner Zeugenaussage roch er stark nach Alkohol – sagte dagegen, dass F. gar nicht der Dieb sein könne. G. sei außerdem zuerst gegangen. Gleiches behauptete seine Freundin.

Auf Antrag von Staatsanwalt Maximilian Schneider stellte das Gericht das Verfahren in dieser Sache ein. Die Strafe für diesen Diebstahl – sofern man ihn überhaupt hätte nachweisen können – wäre mit Blick auf die Strafe für den Raub nicht beträchtlich ins Gewicht gefallen. Also war es auch die Mühe nicht wert, die Schuld nachzuweisen, die eine Strafe voraussetzt.

Von Dirk Wurzel

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