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„Schätzen Sie mal“ – Besucheranstrum in Döbelner Antikhandel

Antiquitäten „Schätzen Sie mal“ – Besucheranstrum in Döbelner Antikhandel

Wenn Geschichte lebendig wird – das erlebten die Besucher im Antik-Handel an der Ritterstraße. Inhaber Werner Scholz hatte zum Schätztag aufgerufen. Es kamen etliche Leute aus der Region Döbeln mit ihren „Schätzen“, um diese schätzen zu lassen und die Erkenntnis mitzunehmen zu nehmen, dass nicht jeder Schatz von unschätzbaren Wert ist.

Werner Scholz´Laden gleicht einem Museum. Davon zeugt das alte Präparat eines kleinen Krokodils auf der Villeroy-und-Boch-Schale. Es war wohl vor einigen Jahrzehnten ein Urlaubsmitbringsel, schätzt Werner Scholz. Durch eine Haushaltsauflösung ist er wohl in den Besitz des präparierten Tieres gelangt.
 

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln.  Predigtbücher, Porzellanschalen, Bilder, Modellbahn-Lokomotiven und sogar einschüssige Vorderladerwaffen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachten die Leute am Sonnabend zu Werner Scholz. „Was ist das den wert?“ war die Frage, die alle bewegte. Zur Preisansage gab es immer eine Geschichte. Denn der Antikhändler erzählte mit großer Fachkenntnis und sehr anschaulich über die alten Sachen. Und das spontan. Anders als die Experten in den Fernsehsendungen aus der Kategorie Kunst und Trödel. „Die im Fernsehen können sich vorbereiten. Uns muss sofort etwas einfallen“, sagte Werner Scholz mehr oder weniger zwischendurch. Denn die Leute strömten scharenweise in seinen Laden.

Zum Beispiel Karin Haberecht. Sie hatte ein wertvoll aussehendes Buch mitgebracht. „Evangelische Zeugnisse der Wahrheit. Aufmunterung im wahren Christentum“ lautet dessen Titel. Der Antik-Experte erklärte der Frau, dass es sich um ein Predigtbuch handle. „Es wurde 1758 geschrieben und 1900 gedruckt“, so Werner Scholz. In christlichen Laiengruppen gingen solche Bücher von Hand zu Hand. Wertvoll sind sie nach Werner Scholz´ Einschätzung eher nicht. 20 Euro könnte Karin Haberecht dafür bekommen. Etwas mehr würde der Gegenstand bringen, den sie ebenfalls mit in den Antikhandel an der Ritterstraße gebracht hatte: Sieht aus, wie ein Aschenbecher aus Messing mit Füßen und Deckel. Gedacht ist das Teil aber nicht zum Abaschen, sondern zum Abrennen. „Es gehörte zu einem Hausaltar in einem frommen Haushalt. Darin wurde Weihrauch abgebrannt“, erläuterte Werner Scholz. Er veranstaltete den Schätztag zum ersten Mal. Und war von der Resonanz begeistert. „Unglaublich, was wir hier für eine Vielfalt haben. Hier war schon jemand mit Pfeilen mit Bronzespitzen samt Köcher – vielleicht 200 Jahre alt. Das konnte ich gar nicht bewerten. Ich habe den Mann ans Völkerkundemuseum verwiesen.“

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Wie groß die Bandbreite der alten Dinge ist, die die Leute am Sonnabend zu Werner Scholz trugen, damit dieser sie bewerten möge, zeigt diese Galerie mit Bildern unseres Fotografen Sven Bartsch.

Zur Bildergalerie

Den meisten Leuten konnten Werner Scholz und sein Freund Siegfried Hartmann aus Bad Düben aber weiterhelfen. „Ich habe mit Andrang gerechnet. Darum habe ich mir einen Gehlifen geholt“, sagte Werner Scholz schmunzelnd. Sein Bad Dübener Kollege, er verdient sein Geld ebenfalls als Antik- und Trödelhändler, agierte nicht minder fachkundig. Nur eben direkter. „1880“, sagte Siegfried Hartmann über die Entstehungszeit eines Bildes, das ein Besucher des Ladens mitgebracht hatte. Woher er das denn so genau wisse? „Vom Motiv her und der Darstellung der Tiere und Menschen passt es in diese Zeit“, antwortet Siegfried Hartmann. Und sicher ist: Der Mann hat schon genügend Bilder gesehen, um das beurteilen zu können. Antik- und Trödelhändler bekommen zum Beispiel durch Haushaltsauflösungen ab und an Gemälde in ihren Besitz. Rembrandts oder Picassos sind das allerdings meist nicht. Das Motiv des Ölgemäldes in Werner Scholz´Landen zeigt eine Hirtenszene mit Ziegen. Es stammt wohl aus südeuropäischen Gefilden.

„Da ist viel Firniss drauf, darum ist so dunkel. Nehmen Sie eine Zwiebel, schälen sie sie und schneide sie auf. Dann reiben Sie damit über das Bild. Der Saft der Zwiebel hellt die Farben wieder auf“, riet Werner Scholz dem Besitzer. Und die Frage nach dem Preis beantwortete er ihm auch: 120 bis 130 Euro könnte er bekommen, wenn er jemanden findet, der sich gerne „Ziegen an die Wand hängt“, wie es Werner Scholz scherzhaft formulierte. Im Herbst will er den Schätztag in seinem Laden wiederholen.

Von Dirk Wurzel

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