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Schatz der Jungen Pioniere in Döbeln-Ost gehoben

Lenin-Schule Schatz der Jungen Pioniere in Döbeln-Ost gehoben

Auf dem Gelände der ehemaligen Lenin-Schule in Döbeln-Ost war 27 Jahre lang ein Schatz vergraben. Unter den Augen von Wladimir Iljitzsch Lenin, der als Büste von einem kleinen Denkmal über den Schulhof wachte, waren Hausmeister, Schüler und Lehrer damals mit dem Spaten ans Werk gegangen. Jetzt wurde ihr Schatz gehoben.


Quelle: Sven Bartsch

Döben. Auf dem Gelände der ehemaligen Lenin-Schule in Döbeln-Ost war 27 Jahre lang ein Schatz vergraben. Unter den Augen von Wladimir Iljitzsch Lenin, der als Büste von einem kleinen Denkmal über den Schulhof wachte, waren Hausmeister, Schüler und Lehrer damals mit dem Spaten ans Werk gegangen. Jetzt wurde ihr Schatz gehoben.

Doreen Mühlberg, ehemalige Schülerin der Lenin-Oberschule in Döbeln-Ost, und ihre Eltern meldeten sich bei der DAZ, nachdem die Zeitung von den Plänen der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt berichtet hatte, die ehemalige Schule zu einer Seniorenwohnanlage umzubauen. Sie berichtete von Grüßen an die Kinder des Jahres 2000, welche die Schüler damals in einer blechernen Milchkanne vergraben hatten. „Wo genau weiß ich nicht mehr. Ich war damals dritte Klasse“, berichtet die junge Frau, die heute in Meißen ein Wellness-Geschäft betreibt. Stefan Viehrig, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt, war bei den ersten Informationen vom Schatz der Lenin-Schule hellhörig geworden.

In der kleinen Grünanlage (rechts) stand einst das Lenin-Denkmal

In der kleinen Grünanlage (rechts) stand einst das Lenin-Denkmal. Hier war der Schatz vergraben. Der Zettel ist die Botschaft einer Flaschenpost.

Quelle: Sven Bartsch

Als schließlich auch noch sein Betriebshandwerker Peter Schurzmann, die Geschichte bestätigte, war das Schatzfieber ausgebrochen. Peter Schurzmanns Sohn war ebenfalls an die Lenin-Oberschule gegangen und am Schatz in der Milchkanne offenbar beteiligt. Mit einem Radlader wurde bereits am vergangenen Donnerstag vor dem einstigen Lenin-Denkmal gegraben. „Etwa einen halben Meter tief, rechts vom kleinen Weg vor dem Denkmal haben wir das Loch ausgehoben“, erinnert sich der damalige Hausmeister Gerd May. Der knochentrockene Boden gibt keinen Schatz frei. Doch der Regen vom Wochenende half den Schatzsuchern. Baggerfahrer Heiko Brommer und Bauarbeiter Mario Karnatz von der Firma Estler Straßen- und Tiefbau aus Hartha buddelten am Montag noch mal im Auftrag der Wohnungsgenossenschaft an der Stelle und wurden fündig.

Feuchtigkeit hat die von Kinderhand beschriebenen Seiten durchweicht

Feuchtigkeit hat die von Kinderhand beschriebenen Seiten durchweicht. Es sind Gedichte zum Republik-Geburtstag. Links ein Prospekt der Patenbrigade.

Quelle: Sven Bartsch

„Schatztruhe der Pioniere – 6.10.89“ ist auf dem bunt bemalten Deckel mit dem Pionieremblem zu lesen. Offenbar wurde der Schatz am Vortag des 7. Oktober, dem 40. Jahrestag und letzten Jahrestag der Gründung der DDR feierlich vor dem Denkmal eingegraben. „Erhaltet den Frieden“ und „DDR“ steht an den Seiten der Kanne. Gemeinsam mit Silke Härtig vom Vermietungsteam öffnen die Vorstände Stefan Viehrig, Lothar Folkmer und Bauleiter Detlef Buschmann-Wölk die Kanne. Deren Inneres verströmt einen säuerlich-feuchten Geruch. Wasser ist in die Schatz-Kanne eingedrungen. Papierhefter, alte Zeitungen, ein Plüschtier, eine Pionierpuppe mit Halstuch und noch erkennbarem blauen Papierwimpel. In der Mitte eine grüne Weinflasche mit einem zusammengerollten Papier – eine Flaschenpost.

„Ein Geschenk der Klasse 6b für die Kinder des Jahres 2000“ steht auf einem der durchnässten Hefter. „Weil unsere Republik 40. Geburtstag hat, schreiben wir Gedichte“, ist da zu lesen. Es folgen Blätter mit Versen auf die DDR in Schönschrift von Kinderhand. Das Geheimnis der Flaschenpost ist schnell gelüftet: „Die Klasse 5a sammelte im 4. Schuljahr 571 Kilogramm Altpapier“, lautet die Botschaft. „Wir sammelten Flaschen und Gläser im Wert von 217,30 Mark“, ist an anderer Stelle zu lesen. Auch eine Ausgabe der Pionierzeitschrift Frösi und der Wochenzeitung Trommel finden sich in der Schatz-Kanne. Von der Patenbrigade im Landmaschinenbau „Rotes Banner“ Döbeln findet sich ein Prospekt für „Fortschritt“-Landmaschinen. Gehäkelte Topflappen, Perlenuntersetzer und ein paar DDR-Münzen in einer Kassette für den Kaufmannsladen ergänzen den Schatz. Im Bauwagen von Bauleiter Detlef Buschmann-Wölk trocknet jetzt der Schatz. „Dann werden wir sehen, was noch zu lesen und zu retten ist“, sagt Genossenschafts-Vorstand Stefan Viehrig.

Wer kann sich noch an den Schatz der Lenin-Schule erinnern oder darüber erzählen? Wir freuen uns aufihre Geschichten und Hinweise unter th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

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