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Schläge im Waldheimer Pflegeheim? – Gericht spricht Angeklagten frei

Beweise fehlten Schläge im Waldheimer Pflegeheim? – Gericht spricht Angeklagten frei

Ein Ägypter mit deutscher Frau stand am Mittwoch in Döbeln vor Gericht. Er soll sie geschlagen, bedroht und ihr Geld veruntreut haben, als die in einem Waldheimer Pflegeheim lebte. Sie litt unter einer unheilbaren Nervenkrankheit. Aber hat der Angeklagte die Tat wirklich begangen?

Der nicht vorbestrafte Ägypter erzählte dem Gericht lang und wortreich, weshalb er die Taten nicht begangen hat. Am Ende reichten die Beweise nicht.

Quelle: dpa

Waldheim/Döbeln. Hat Said M. im September 2014 seine pflegebedürftige Frau geschlagen, bedroht und ihr Konto abgeräumt? Genau das legte ihm die Staatsanwaltschaft Chemnitz zur Last. Der 38-Jährige habe am 14. September 2014 in einem Waldheimer Pflegeheim seine dort lebende Frau zweimal mit der flachen Hand geschlagen, ihr gedroht, sie mit einem Messer aufzuschlitzen und aus dem Fenster zu werfen sowie zweimal jeweils 2000 Euro von ihrem Konto abgehoben zu haben.

Strafbar als Körperverletzung, Bedrohung und Untreue. Laut ihrer Aussage bei der Polizei litt die Frau an Multisystematrophie (MSA), einer rasch fortschreitenden Nervenkrankheit. Sie saß im Rollstuhl und hatte Sprachschwierigkeiten. Ihre EC-Karte hatte sie dem Angeklagten selbst gegeben, damit er Geldgeschäfte für sie regeln kann. Said M. lebte selbst mit in dem Waldheimer Heim, weil er die Pflege seiner Frau übernommen hatte.

Mutmaßliche Geschädigte starb 2014

Mit einem rechtskräftigen Freispruch endete am Mittwoch im Amtsgericht Döbeln das Verfahren gegen den gebürtigen Ägypter, der mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft hat. „Wir können nicht mit der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit feststellen, dass der Angeklagte die Taten begangen hat, die man ihm vorwirft“, begründete Strafrichter René Stitterich den Freispruch. Er folgte dem Antrag von Staatsanwalt Maximilian Schneider. „Es stand Aussage gegen Aussage, weitere Zeugen gab es nicht“, sagte der Anklagevertreter. Die mutmaßliche Geschädigte konnte das Gericht nicht mehr als Zeugin laden.

Sie starb im Oktober 2014. Was von ihr blieb, waren unter anderem ihre Aussagen bei der Polizei. Dort sagte sie, dass Said M. ausgetickt sei, weil der Getränkemann nicht erschienen wäre, ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe und die Drohung ausgestoßen habe. Er habe sie schon mal geschlagen, sei immer aggressiver geworden. Knapp eine Woche später war sie erneut bei der Polizei, um das Geldabheben anzuzeigen.

Will in Berlin bleiben und sich Arbeit suchen

Wortreich und in einem sehr speziellen Deutsch ließ Said M. wissen, was er von der Anklage hielt: Er könne sich das alles nicht erklären, habe seine Frau nicht geschlagen und das Geld habe er auf ihr Verlangen abgehoben. Er habe seine verstorbene Frau liebevoll gepflegt – was eine Pflegekraft der Waldheimer Einrichtung als Zeugin bestätigte. Aber welchen Grund sollte seine Frau gehabt haben, ihn bei der Polizei anzuschwärzen?

„Kann sein, dass sie nicht begeistert war, dass Sie nach Ägypten zurückwollen“, benannte Richter Stitterich einen möglichen Grund. „Aber wir wissen es nicht genau.“ In seine Heimat will Said M. nicht zurück, sondern weiter in Berlin bleiben und sich Arbeit suchen. Wahrscheinlich als Altenpfleger, denn eine solche Ausbildung hat er in Deutschland absolviert. Zuvor arbeitete er als Lkw-Fahrer, hatte diesen Job aber aufgebeben, um seine Frau zu pflegen.

Von Dirk Wurzel

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