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Schlagen und vertragen bis die Polizei kommt – griff junge Döbelnerin zum Messer?

Justiz Schlagen und vertragen bis die Polizei kommt – griff junge Döbelnerin zum Messer?

Eskalierte der Streit eines jungen Döbelner Pärchens im August 2016 bis die Frau mit dem Küchenmesser auf den Mann losging? Eine Antwort auf die Frage fand das Jugendgericht nicht, was auch am angeblich geschädigten Zeugen lag.

Sie schlugen und vertrugen sich. Die Auswüchse einer wenig harmonischen Beziehung beschäftigten am Donnerstag das Jugendgericht in Döbeln. Der Knatsch gipfelte nämlich in einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung.

Quelle: Dirk Wurzel

Döbeln. Schlagen und vertragen war wohl ein Wesensmerkmal dieser Beziehung. Ein junges Paar, er 22 und sie 19 Jahre alt, beides Deutsche, trennte und versöhnte sich wieder. Bis Ende August vergangenen Jahres das Geschehen eskalierte: Streit, Geschubse, zerrissene Klamotten, ein Messerschnitt in der Hand. Und daraus folgend ein Gerichtstermin. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz legte der jungen Frau zur Last, mit einem Küchenmesser nach dem 22-Jährigen gestochen zu haben. Der habe den Stich abgewehrt, indem er in die Klinge gegriffen und sich dabei an der Hand verletzt habe. Gefährliche Körperverletzung lautet nun die Anklage, die Staatsanwalt Metzger am Donnerstag bei Jugendrichterin Marion Zöllner im Amtsgericht Döbeln vortrug.

Knatsch in der Küche

„Wir haben uns gestritten in der Küche. Ich wollte mich ablenken und habe das Geschirr weggeräumt. Dabei hatte ich das Messer in der Hand. Er hat danach gegriffen und es zerbrochen“, sagte die junge Frau. Das kann so falsch nicht sein, denn die Polizei fand später den Messergriff mit einem Stumpf der Klinge. Dem Knatsch in der Küche der Döbelner Wohnung war ein Streit in einer anderen Wohnung des Hauses vorangegangen. Dort wohnte der Grund des Zankes. Mit dem Mieter dieser Wohnung hatte die 20-Jährige nämlich ein Verhältnis. Der 22-Jährige war darauf gekommen, als er beim gemeinsamen Besuch die Kurznachrichten auf dem Mobiltelefon des Mannes las. Eindeutige Kurznachrichten wohlgemerkt. So kamen die Gemüter in Wallung und die Ereignisse ins Rollen, die letztlich zu Jugendrichterin Zöllner im Amtsgericht Döbeln führte.

Gleich nach der angeblichen Messerattacke rief der 22-Jährige die Polizei, zeigte seine damalige Freundin der gefährlichen Körperverletzung an. Auf seinen Angaben als Zeuge fußte die Anklage. Nur vor Gericht erschien der Mann dann zunächst nicht. „Er ist mit unseren gemeinsamen Kindern beim Arzt“, sagte die Angeklagte. Also bekam sie von der Richterin den Auftrag, ihren nunmehrigen Ex-Freund anzurufen und zu Gericht zu bitten. Das tat die Frau dann eher halbherzig und die Richterin griff selbst zum Telefon. Bis der Zeuge vor Gericht erschien, verhandelte sie eine weitere Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung, die sich gegen zwei junge Männer aus Penig richtete, beide 20 Jahre alt. Sie waren betrunken und hatten gemeinschaftlich einen betrunkenen 25-Jährigen verprügelt.

Alle Hühneraugen zugedrückt

Nachdem Richterin Zöllner die beiden nach Erwachsenenstrafrecht wegen gefährlicher Körperverletzung zu jeweils neun und acht Monaten Haft mit Bewährung verurteilt hatte, setzte Richterin Zöllner den Prozess gegen die 20-Jährige fort. Ihr Ex war mittlerweile erschienen und druckste im Zeugenstand mächtig rum, wollte die Angeklagte nicht erneut belasten. Keine Rede mehr davon, dass die junge Frau nach ihm gestochen hat. „Wir haben uns sehr hochgefahren. Sie hat mir das Messer vorgehalten und gesagt ich solle mich verpissen.“ Unstrittig ist nach der Aussage des Mannes, dass er sich mit seiner ehemaligen Freundin gestritten hat, dass diese ein Messer in der Hand hielt, das er an dessen Klinge anfasste, diese zerbrach und sich dabei verletzte. Jetzt hätte Staatsanwalt Metzger eigentlich das Gericht darauf hinweisen können, dass auch mindestens eine versuchte Nötigung vorliegen könne. Schließlich ist ja auch nicht gerade die feine Englische, jemanden ein Messer vor die Nase zu halten und zu verlangen, dass dieser die gemeinsame Wohnung verlässt. „Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, deren Duldung oder Unterlassung nötigt...“ – so könnte man dieses Verhalten auch zusammenfassen.

Aber der Anklagevertreter reagierte wesentlich weiser und bemühte sich nicht, das Verhalten der jungen Frau einer anderen Strafvorschrift zuzuordnen. Er beantragte, das Verfahren nach Paragraf 47 des Jugendgerichtsgesetzes einzustellen. Folgen für die Angeklagte: Keine. Richterin Zöllner kam dem nach. „Wir können hier alle Hühneraugen zudrücken. Aber jetzt sollte Ruhe sein. Denn irgendwann sitzt da kein Staatsanwalt mehr, der das Verfahren einstellen will“, sagte Richterin Zöllner.

 

Von Dirk Wurzel

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