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Schmalspurveteran über Mutzschen, Mügeln, Mailand, Rom.

Schmalspurveteran über Mutzschen, Mügeln, Mailand, Rom.

Wer hier in der Gegend verwurzelt ist, kennt den Spruch für umständliche Angelegenheiten: "Da kommste über Mutzschen, Mügeln, Mailand, Rom.

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Das Passbild ist rausgerissen, aber der Ausweis ist noch da: Damit fuhr Siegfried Dathe kostenlos vom Wohnort Simselwitz nach Döbeln zur Arbeit und zurück.

Quelle: Steffi Robak

Beicha/Mügeln. Wer hier in der Gegend verwurzelt ist, kennt den Spruch für umständliche Angelegenheiten: "Da kommste über Mutzschen, Mügeln, Mailand, Rom..." Da muss Siegfried Dathe lachen - weil er weiß, woher der Spruch kommt: "Von der Schmalspurbahn. Aber das funktionierte eben auch."

 

Der 82jährige Simselwitzer sitzt am Beichaer Schmalspurbahnwaggon am Kaffeetisch. Der bietet Rührkuchen, frische Erdbeeren und wissbegierige Gesprächspartner. Udo Jankowski und Andreas Riethig lauern mit Stift im Anschlag auf das, was der Streckenmeister über das umfangreichste Schmalspurbahnnetz Europas berichtet.

"52 Kilometer auf 750 Millimeter Spurbreite kamen zusammen, nachdem die Netze Döbeln-Lommatzsch und Wilsdruff-Gärtitz verbunden wurden", weiß Dathe. Mügeln war der größte Bahnhof. Dathe muss das wissen: Seit 1955 zuerst Gleisbauer, arbeitete er lange bei der Döbelner Bahnmeisterei und bis zu seinem Vorruhestand 1990 als Streckenmeister der Kleinbahn Mügeln.

Siegfried Dathe weiß nicht nur über die Jahrzehnte Bescheid, in denen er die Strecke unter seinen Bahnerstiefeln hatte. "Tschechische Gastarbeiter haben sie 1911 gebaut. Die wurden im Gasthof in Dreißig verköstigt." Schon als aktiver Kleinbahner habe er sich für die Geschichte interessiert. Andreas Riethig lernte Siegfried Dathe vor einem Jahr bei einer Ausstellung zum hundertjährigen Streckenjubiläum kennen. "Wir dachten schon, wir wissen viel", sagt Riethig. "Aber Herr Dathe hat uns in Vielem eines Besseren belehrt." Zusammen mit Dieter Fiedler und Reiner Gessner entstand eine Zeitzeugen-Runde am Schmalspurwaggon. Ihr gingen bereits zwei Treffen mit Horst Hachenberger und Helmut Seeliger voraus. Weitere sollen demnächst folgen.

In einem sind sich einig: Die Schmalspurbahnen waren ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs der landwirtschaftlich ertragreichen Regionen im Lößhügelland und der Lommatzscher Pflege. Damals standen noch keine Lkw für den Rüben-Transport zur Verfügung und keine Autos für die Personenbeförderung. Rüben für die Zuckerfabrik Döbeln, Schnittgrün für die Blumenläden, auch Kohle und Kartoffeln wurden umgeschlagen. Die Mosterei Mochau bekam Äpfel aus Frankreich, die letzten Kilometer per Schmalspurbahn, so Dathe: "Der Spruch mit Mutzschen, Mügeln, Mailand, Rom ist gar nicht so weit hergeholt. Mit der Schmalspurbahn kamst Du von hier aus überall hin."

Steffi Robak

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