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Schneller und teurer Breitbandausbau

Gemeinderat Ostrau Schneller und teurer Breitbandausbau

Fast eine Stunde hatten die Ostrauer Gemeinderäte am Dienstagabend bereits über die Frage des Breitband-Internetausbaus diskutiert, als sie den öffentlichen Teil der Ratssitzung mit 20-minütiger Verspätung eröffneten. Die Abstimmung fiel letztlich deutlich für FTTB aus - mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Die Gemeinde muss nun den Förderantrag stellen und das Geld für den Eigenanteil in den Haushalt für 2018/19 einbringen.

Die Gemeinde Ostrau soll schnelles Internet bekommen.

Quelle: picture alliance / dpa

Ostrau. Fast eine Stunde hatten die Ostrauer Gemeinderäte am Dienstagabend bereits über die Frage des Breitband-Internetausbaus diskutiert, als sie den öffentlichen Teil der Ratssitzung mit 20-minütiger Verspätung eröffneten. Und so richtig einig war man sich immer noch nicht, so dass Bürgermeister Dirk Schilling (CDU) die Fortführung der Debatte in der Tagesordnung gleich nach vorn zog - auch weil Christin Ahlfeld, Projektmanagerin der Telekabel-Ingenieurgesellschaft (TKI), die die Gemeinde in Sachen Breitband berät, vor der Heimreise nach Chemnitz noch im Saal blieb, um Fragen zu beantworten.

Die Ausgangslage: Für 70 Prozent des Gemeindegebietes hat ein Netzanbieter eine Eigenausbauerklärung für 2019 mit mindestens 30 MBit vorgelegt. Die restlichen 30 Prozent müsste die Gemeinde selbst ausbauen. Dazu gehören Orte wie Schlagwitz, Schmorren, Zschochau oder Niederlützschera.

Zwei technische Varianten standen zur Wahl: FTTB (Glasfaser in jedes Haus - 100 MBit) und FTTC (Vectoring mit Nutzung der vorhandenen Kupferkabel - 30-50 MBit), wobei Letzteres noch nicht von der EU als förderfähig anerkannt ist. Mit einem Eigenanteil von knapp 206 000 Euro wäre dies allerdings die deutlich günstigere Variante. Für den 100-MBit-Ausbau müsste die Kommune gut 350 000 Euro bezahlen. Bürgermeister Schilling ließ schnell durchblicken, dass er lieber die günstige Variante hätte. „FTTC bietet Übertragungsraten von denen ihr derzeit noch träumt“, sagte er in Richtung der Räte. Und: „Der Anbieter wird das schnellere Netz nicht für 19,90 Euro anbieten können. Und am Ende schaffen wir ein Angebot, das keiner nutzt.“ Regina Hlozek pflichtete ihm bei. „70 Prozent der Gemeinde bekommen das schnellere Netz sowieso nicht, und der Rest nutzt es vielleicht gar nicht“, meinte sie.

Torsten Boin lieferte ein Gegenargument: „Wenn wir die Randgebiete ordentlich versorgen, haben wir vielleicht die Chance, auch die Telekom dorthin zu drücken, nicht nur Vectoring auszubauen.“ Eindringlich warnte er vor den Folgen, wegen 144 000 Euro Mehrkosten auf die langsamere Variante zu setzen. „Eigentlich dürften wir unter einem Gigabyte gar nicht anfangen, wenn wir schon ausbauen. Wir reden jetzt schon nicht über eine Autobahn, sondern einen Feldweg. Es geht um 20 bis 25 Jahre Zukunft.“

Ähnlich sah das Katrin Leipacher: „Wir sind verpflichtet die ganze Gemeinde mit schnellem Internet auszustatten. Auch in den Randgebieten sind es tolle Betriebe und Haushalte.“ Und Ralf Vogt konstatierte: „Wir können es uns leisten, müssen nicht per Kredit finanzieren. Dann sollten wir auch mal den Mercedes wählen und nicht den Opel Kadett.“ Katrin Joachim und Hans-Jürgen Ritschel wiesen auf die Bedeutung des schnellen Internets für Schüler und Unternehmen hin. Und Christin Ahlfeld von TKI bekräftigte: „Beim Glasfaserkabel ist das Volumen nach oben offen, wenn die Infrastruktur einmal liegt.“

Die Abstimmung fiel letztlich deutlich für FTTB aus - mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Die Gemeinde muss nun den Förderantrag stellen und das Geld für den Eigenanteil in den Haushalt für 2018/19 einbringen. Baubeginn in den Randgebieten könnte dann 2018 sein, während der Eigenausbau erst 2019 startet. Kommentar

Von Sebastian Fink

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