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Döbeln Schnittmengen statt fliegender Fäuste
Region Döbeln Schnittmengen statt fliegender Fäuste
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00:21 17.09.2017
Fair und auf Augenhöhe tauschten die Direktkandidaten Simone Raatz (54) und Philipp Hartewig (22) im Boxring ihre Wahlargumente. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

Keine blauen Augen und keine Blessuren gab es am Mittwochabend im Boxring des Döbelner Boxclubs. In dessen Boxhalle hatten sich an diesem Abend die SPD-Bundestagskandidaten Simone Raatz und der FDP-Bundestagskandidat Philipp Hartewig zum symbolischen Boxkampf über zehn Runden verabredet. Dabei sollten aber dann doch keine Fäuste fliegen, sondern wollten sich die beiden im Wahlkreis 161 Mittelsachsen antretenden Kandidaten ihre Wahlargumente und die Wahlprogramme ihrer Parteien nur so um die Ohren hauen. Sophie Spitzner vom Döbelner Treibhausverein fungierte sehr professionell als Ringrichterin, achtete mit Glocke und Stoppuhr auf etwa gleiche Redeanteile und hatte mit mangelnder Fairness oder Regelverletzungen nicht zu tun.

Die 54-jährige SPD-Frau, welche die Region seit 2013 im Deutschen Bundestag vertritt und der 22-jährige Jurastudent und Jung-Liberale, der als Schülersprecher am Gymnasium in Mittweida mit Politik begann, im Landesschülerrat und für die deutsche Kinder-und Jugendstiftung arbeitete, haben mehr gemeinsame Schnittmengen als gedacht. Schon die ausgewählten Einmarschmusiken versprachen einen witzigen Politikfight: „We will rock you“ von Queen für die kämpferische SPD-Frau. „Hurra – wir leben noch“ hatte sich der FDP-Mann selbstironisch und durchaus optimistisch ausgewählt. In der ersten Runde ging es um Bildungspolitik. Bei Themen wie Lehrermangel, Chancengerechtigkeit, kostenfreie Kitas – waren beide bereits nah beieinander. Auch bei Runde zwei zur Hochschulpolitik waren der Student und die Wissenschaftlerin und Uni-Dozentin in ihrem Element. In der Steuerpolitik zeigten sich endlich Unterschiede in den Wahlprogrammen. Beackert wurden in den weiteren Runden Themen wie Digitalisierung, Asyl und Zuwanderung, Rente, Bürgerrechte (hier kam Philipp Hartewig richtig in Fahrt), Bürgergeld und Europa. Die zehnte Runde drehte sich um die Frage, wie sich beide Kandidaten gegen die zunehmende Demokratie und Menschenfeindlichkeit wappnen. Einig waren sich beide darin, dass alle Demokraten noch mehr Rückgrat zeigen müssen statt zu schweigen, wenn am rechten Rand Tabus gebrochen werden. Etwa 30 Zuhörer an den Boxring in Döbeln-Ost gekommen.

Von Thomas Sparrer

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