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Döbeln Schöffengericht verurteilt Kroaten aus Waldheim für brutale Attacke in Frankenberg
Region Döbeln Schöffengericht verurteilt Kroaten aus Waldheim für brutale Attacke in Frankenberg
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Das Schöffengericht in Döbeln hat einen 22-jährigen Kroaten aus Waldheim zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Quelle: Wolfgang Sens (LVZ/DAZ)
Waldheim/Döbeln/Frankenberg

Bierflaschen fliegen, ein Mann kriegt einen Knüppel übergezogen, einen anderen fährt ein Auto um. Es sind schreckliche Szenen, die sich zu Christi Himmelfahrt vergangenen Jahres in Frankenberg abspielten. Die kroatische Familie, vor deren Haus sich die Auseinandersetzung ereignete und an der einige ihrer Angehörigen beteiligt waren, ist kurz danach Zschopau abwärts umgezogen. Sie lebt jetzt im Stadtgebiet von Waldheim. Als die Familie noch in der Stadt flussaufwärts wohnte, war das Zusammenleben mit der deutschen Nachbarschaft nicht unproblematisch, wie ein Prozess am Amtsgericht Döbeln zeigte. Probleme gibt es auch in Waldheim.

Erinnerungen an Familie Flodder

„Wir haben niemals Ruhe gehabt, seitdem wir 2014 dahin gezogen sind“, sagte der 22-jährige Kroate mit niederländischer Staatsbürgerschaft vor dem Schöffengericht zu den nachbarschaftlichen Beziehungen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn der gefährlichen Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr angeklagt, weil er den 24-jährigen Nachbarn mit dem Polo umgefahren haben soll. „Es gab immer Stress und Probleme. “, sagte. Die angeklagte Autofahrt schilderte er als Flucht vor einer Menschenmasse, die ihm und seiner Familie ans Leder wollte. Keinesfalls habe er jemanden verletzen wollen.

Nur Stress mit den Leuten? Der Vater des 24-Jährigen berichtete in einer Verfahrenspause von den Bemühungen der Frankenberger um die Kroaten. Wie man ihnen beim Ausfüllen der Hartz-IV-Anträge geholfen habe, nur um sich dann Schuldvorwürfe anzuhören, wenn das Amt die Anträge abgelehnt hatte. Der Pfarrer hatte sogar eine Spendenorganisation für die Kroaten organisiert. Der Nachbar hat auch beobachtet, wie die Männer der Familie die Abdeckung einer Straßenlaterne abgeschraubt hatten, um an die Elektrik heranzukommen. Dort klemmten sie das Ladegerät für die Autobatterie an, berichtete der Frankenberger.

In Waldheim bietet das Grundstück der Neubürger einen unordentlichen Anblick. Unweigerlich erinnert sich der Betrachter an die niederländische Filmreihe um Familie Flodder. Die Nachbarschaft stört sich aber auch an einem Dieselnotstromaggregat, das die ganze Nacht laufe. Und auch an befeuerten Öfen, deren Essen nicht mehr den Segen des Schornsteinfegers haben. Bürgermeister Steffen Ernst berichtet von einer Petition, mit der sich die Anwohner hilfesuchend an die Stadtverwaltung gewendet haben. Über 50 Leute haben unterschrieben. „Die Stadt ist nun um eine Lösung bemüht“, sagt Steffen Ernst. Fakt ist: Die Familie wohnt in privatem Eigentum und als EU-Bürger dürfen sie sich überall in jedem Land der Europäischen Union niederlassen. Waldheim will daher unterschiedliche Akteure zusammenbringen und nach mehr oder weniger einvernehmlichen Lösungen suchen. Was in der Stadt an der Zschopau keiner will, sind die Frankenberger Verhältnisse wie am Herrentag 2016. Mit fliegenden Flaschen und Autofahrern, die Menschen umfahren.

Videobeweis für schwere Straftat

„Sie sind nicht Opfer eines geplanten Angriffs, sondern der, der mit dem Auto hinterrücks auf jemanden zufährt“, sagte Richterin Karin Fahlberg, Vorsitzende des Schöffengerichts, als sie dessen Urteil begründete. Zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilte das Gericht den 22-jährigen Waldheimer mit kroatischen Wurzeln und niederländischer Staatsbürgerschaft. Zwei Jahre dauert die Bewährungszeit. „Die Videobilder zeigen das Kerngeschehen sehr gut“, sagte die Vorsitzende weiter. Jene Bilder hatte ein Nachbar mit dem Mobiltelefon aufgenommen und der Polizei gegeben. Aber auch einer Freundin, wie er vor Gericht als Zeuge sagte. So gelangten die Bilder wohl ins Internet, wo man sie sich noch heute ansehen kann. Ein Mann will in eine kleine Menschengruppe der Kroaten hinein, die an der Ecke ihres Hauses in Frankenberg steht. „Eine Dame der Familie hatte mir meinen Rucksack gestohlen, den wollte ich wiederhaben“, sagte er als Zeuge. Verteidigeranwalt Andreas M. Kohn hatte ihm unterstellt, die Leute schlagen zu wollen. Auf dem Video ist deutlich zu sehen, wie er mit ausgestreckten Armen auf die Gruppe zugeht, Schläge bekommt, zurückweicht, erneut auf die Gruppe zugeht, sich nach etwas bückt. Die Leute zerren ihn hinters Haus und schlagen ihn. Da wirft der 24-Jährige Bierflaschen, um seinem Kumpel zu helfen. Und schließlich fährt der Angeklagte den Mann mit dem Polo um. Der 24-jährige verletzt sich dabei zum Glück nur leicht. Zu den Flaschenwerfern sagte sie: „Das geht gar nicht.“

Rechtsanwalt Kohn stellte die Auseinandersetzung als Aktion der Rechtsextremen dar und hielt den Zeugen ihre angeblich nationalistische Gesinnung vor. Abzulesen ist das aus den Facebook-Profilen der Zeugen, die nur einen Herrentagsausflug nach Frankenberg gemacht hätten. Ob sie das als Tarnung verwendeten, um vorm Haus der Kroaten Stunk zu machen, ergab sich aus dem Prozess nicht. Seltsam mutet allerdings die Tatsache an, dass der 24-jährige Geschädigte zunächst nach Chemnitz fuhr und dann mit seinen Freunden zur Männertagstour nach Frankenberg zurückkehrte.

Von Dirk Wurzel

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