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Schrebitz: Für 7300 Euro ans Abwassernetz

Schrebitz: Für 7300 Euro ans Abwassernetz

Selten sind Ortschaftsratssitzungen so voll wie die Jüngste in Schrebitz. Im Feuerwehrgerätehaus gab es nur noch Stehplätze. Anders als geplant, blieben Hans-Jürgen Gemkow (Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Döbeln-Jahnatal) und Gunter Weber (AZV-Vorsitzender) nach einer internen Beratung auch im öffentlichen Teil der Versammlung.

Beide stellten sich erneut den teilweise aufgebrachten Fragen der Anwohner. Ortsvorsteher Dirk Petermann bemühte sich um eine sachliche Diskussion.

 

Die schlechte Nachricht gleich zu Anfang: Im Prinzip hat sich zur ersten Informationsveranstaltung des AZV Ende Oktober im Landgasthof Wolf nichts Neues ergeben. Nur, dass der AZV detailliertere Zahlen zu den entstehenden Kosten Mitte beziehungsweise Ende Januar präsentieren möchte. Dann nämlich, wenn genauere Fakten - die Schrebitzer Grundstücke betreffend - vorliegen. Gunter Weber geht allerdings nicht von einer wesentlichen Änderung zum bisherigen Stand aus. "Wir sind jetzt dabei, einen Bestand aufzunehmen. Erst, wenn diese Daten vorliegen, wird das Ingenieurbüro einen weiteren Blick darauf werfen. Aus unserer Sicht bringt das aber nicht all zu viel, aufgrund der Lage von Schrebitz", bestätigte dazu auch Hans-Jürgen Gemkow.

Ortsvorsteher Petermann erklärte: "Wir vom Ortschaftsrat sind mit vielen Sachen nicht glücklich. Wir wollen erst alle Fakten auf dem Tisch haben." Ein Bürger bemerkte während der Sitzung, dass er zu etwas gezwungen werde, was er gar nicht wolle. "Ich gebe dem Recht. Wir werden hier zu etwas gezwungen, aber der Gesetzgeber ist so. Statt zu meckern, müssen wir versuchen, das beste daraus zu machen", betonte der Schrebitzer Ortsvorsteher.

Was sieht das Abwasserkonzept des AZV für Schrebitz vor?

Schrebitz soll bis auf einige wenige Grundstücke bis 2015 an eine zentrale Abwasser­entsorgung angeschlossen werden. Baustart könnte 2013 sein. So sieht es das Konzept des AZV Döbeln-Jahnatal vor. Entschieden hat ­darüber der Freistaat Sachsen, welcher vom AZV die Umsetzung der "wirtschaftlichsten Variante der Entsorgung" verlangt. Die dazugehörige Kläranlage werde in Nähe des Ortsteiles Görlitz gebaut. Darüber hinaus kommen 4200 Meter Freispiegelleitung, 150 Meter Druckleitung und eine Pumpstation für 140 Anschlüsse dazu. Investiert werden rund 1,9 Millionen Euro. Einen Teil von zirka 850 000 Euro tragen die Grundstückseigentümer selbst. Das heißt, es kommen durchschnittliche Kosten von 7000 bis 9000 Euro auf den Eigner zu. Darüber herrscht unter den Schrebitzern blankes Entsetzen. Bereits in einer Sitzung Ende Oktober wurde darüber scharf diskutiert (die DAZ berichtete).

Wie setzen sich die Kosten zusammen?

Auf die Schrebitzer kommt der sogenannte Baukostenzuschuss zu. Der berechnet sich an der Länge eines bebaubaren Grundstückes und dem eigentlichen Kanalbau. Der Straßenmeter koste schätzungsweise 142 Euro. Gemkow empfiehlt den Bürgern, sich mit der Gemeinde in Verbindung zusetzen und abzuklären, wie groß der bebaubare Teil tatsächlich ist. "Die Länge ist am Ende mit dem Grundbuch abzugleichen", rät dazu auch Weber. Bei einem rund 40 Meter langen Grundstück läge der Baukostenzuschuss bei rund 5700 Euro. Dazu kommen Kosten für den Schacht des Hausanschluss, der mit rund 511 Euro zu Buche schlägt. Darüber hinaus wird eine Pauschale für den Grundstücksanschluss fällig: 383 Euro. "Die möglichen Gesamtkosten liegen damit bei rund 7300 Euro", so Hans-Jürgen Gemkow. Ortsvorsteher Petermann sieht diese Kosten als "Riesenproblem für die Anwohner".

Was kostet die Maßnahme andere Orte?

Dirk Petermann habe diese Frage sowohl an Hans-Jürgen Gemkow und Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling gestellt: "Ich wollte wissen, was andere vergleichbare Orte im Durchschnitt bezahlen mussten, habe aber keine Antwort erhalten. Das stinkt. Wir fordern ein Gleichheitsprinzip."

Zentral oder vollbiologisch entsorgen?

Immer wieder heftig diskutiert wird die ­Frage, ob die zentrale Entsorgung tatsächlich preiswerter ist als die Abwasserentsorgung per vollbiologischer Kläranlage. Gemkow befürwortet klar die zentrale Variante: "Eine vollbiologische Kleinkläranlage kostet rund 5600 Euro. 1500 Euro kommen als Fördergeld vom Freistaat hinzu. Die Anschaffung scheint demnach günstiger. Aber für Wartung, Pflege, Abtransport des Fäkalschlammes und die ­Abschreibung müssen Eigentümer zirka 620 Euro im Jahr einplanen." Dagegen stünden die Kosten von 235 Euro eines Zweipersonenhaushaltes mit zentralem Anschluss. Nach zirka neun Jahren summiere sich die Differenz von 385 Euro zu einem Batzen, den der Grundstückseigentümer für den zentralen Anschluss ausgegeben habe, so Gemkow: "Ab diesem Moment ist die zentrale Variante dann die günstigere."

Was wird aus bereits existierender vollbiologischer Anlage?

Wer eine solche Anlage hat, kann diese nutzen, bis die Betriebserlaubnis abläuft. Die Untere Wasserbehörde könne auf Antrag eine Verlängerung gestatten. Wird diese verweigert, muss das Grundstück ebenfalls an das Kanalnetz angeschlossen werden. Die anfallenden Kosten würden dem Eigentümer in Rechnung gestellt.

Welche Alternativen gibt es?

In der Gemeinde Cavertitz habe man sich aus dem Abwasserverband ausgliedern lassen und einen Verein gegründet. Dieser habe den Bau der Anlagen und der Wasserentsorgung ­übernommen. Das sei allerdings ein immenser Aufwand gewesen. Petermann und die Ortschaftsräte schließen diese Variante für ­Schrebitz allerdings aus: "Wir sehen das Potenzial für solch einen Verein in Schrebitz nicht."

Einen anderen Weg zeigte der Ortsvorsteher auf: Es gäbe einen Präzedenzfall, in dem sich die Bewohner eines Ortes der zentralen Entsorgung verweigerten und jeder eine vollbiologische Kleinkläranlage gebaut habe. In dem Fall seien aber scheinbar keine Fördermittel für die "Vollbiologie" geflossen. Dirk Petermann wolle deshalb bei der Rechtsaufsichtsbehörde anfragen, ob es vergleichbare Fälle in der Region gegeben habe und wie dabei verfahren worden sei. Ein weiteres Problem für den Bau vollbiologischer Anlagen sieht Petermann im recht hohen Grundwasserspiegel in Schrebitz. Ein weiterer Bürger wies daraufhin, dass auch diese Anlage eine technische sei: "Auch die läuft nicht für immer störungsfrei." Wenn man wirklich etwas in der Richtung unternehmen wolle, so Petermann, müsse man in drei, spätestens vier Monaten etwas ändern." Während der Sitzung am Montagabend kam es zu keinem einheitlichen Tenor.

Gibt es Möglichkeiten, Kosten zu sparen?

Um beim Kanalbau zu sparen, bot der AZV-Geschäftsführer an, in intakte Mischwassersammler einzuleiten. Außerdem schloss er nicht aus, auch über private Grundstücke zu bauen, wenn das vom Grundstückseigentü- mer gewollt sei: "Meist sind es gerade Eigen­tümer, die das nicht wünschen." Dirk Petermann ­ergänzte, dass eine zinslose Ratenzahlung über zwei Jahre möglich wäre.

 

 

 

 

 

 

Ganz ehrlich: Ich möchte derzeit weder in der Haut von AZV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Gemkow noch in der eines Schrebitzer Bürgers oder Ortschaftsrates stecken. Der erste muss Bürgern, die das nicht wollen, ein Abwasserentsorgungskonzept verkaufen, über das der Freistaat entschied. Dafür wird ihm regelmäßig der Schwarze Peter zugeschoben. Und, das nicht nur im Ortsteil Schrebitz, sondern immer mal wieder im Altkreis Döbeln. Die Jahnaer und Clanzschwitzer können ein Lied davon singen... Auf der anderen Seite klagen die Bürger - zu Recht - über unzumutbare Kosten und staatliche Bevormundung. Die Suche nach Alternativen für die Abwasserentsorgung ist komplex und guter Rat so teuer wie deren Ausführung. Denn auch eine vollbiologische Kleinkläranlage kostet ihr Geld. Zunächst weniger in der Anschaffung, aber längerfristig durch Wartung, Pflege, Abtransport von Fäkalienschlamm und Abschreibung hochgerechnet die Summe, welche die Kosten für einen Grundstücksanschluss nebst Kanalbau deckt. Schließlich ist auch eine vollbiologische Anlage eine technische Anlage, die nicht in alle Ewigkeit störungsfrei laufen wird. Dazwischen steckt ein Ortschaftsrat, der das Beste für seine Bürger möchte, dem aber die Hände für Grundsatzentscheidungen gebunden sind. Und allen läuft die Zeit davon...

Von Natasha G. Allner

Natasha G. Allner

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