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Döbeln Schrebitz: Mal wieder die Sonne sehen
Region Döbeln Schrebitz: Mal wieder die Sonne sehen
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20:14 23.12.2011
Birgit Müller in der Puppenstube des Schrebitzer Heimatmuseums. Das hier ist so etwas wie ihre Lieblingsecke. Doch zu Weihnachten, da lässt die Vereinschefin Museum Museum sein. Da kümmert sie sich um ihre Familie. Quelle: Sven Bartsch

Aber jetzt während der Weihnachtszeit will sie mal nicht an den Verein denken. Will mal alle Akten unberührt lassen. Mal nicht an neuen Konzepten fürs Vereinshaus feilen. "Weihnachten steht die Familie im Mittelpunkt", sagt sie. Dabei fangen ihre Augen an zu glänzen. Sie erzählt von ihren beiden Enkelinnen. Von Jessica und von Jannika. Sie kommen an den Feiertagen mit ihrer Tochter Cathleen und ihrem Schwiegersohn. "Meine Mutti hole ich auch noch zu uns."

Birgit Müller ist wie die Glucke, die ihre Küken um sich schart. Weihnachten läuft fast schon rituell ab. "Wir essen dann immer unseren Kartoffelsalat mit Wienern und Schaschlik. Ich habe auch den Weihnachtsmann bestellt." Zu Weihnachten atmet sie mal durch. Tankt Kraft. Die Schrebitzer Frontfrau, die in Döbeln geboren wurde, lässt sich dann mal fallen - in den Schoß der Familie. "Das muss sein", sagt sie.

Dabei war Weihnachten mal ein schwieriges Fest für ihre Familie. An einem zweiten Weihnachtsfeiertag starb ihr Bruder. "Meine Mutter konnte lange nicht feiern", erzählt sie. Aber sie halten zusammen. Die kleine Familie geht durch dick und dünn. "Ich hätte gern noch mehr Kinder gehabt. Aber wegen der Gesundheit ging das nicht." Wieder glänzen Birgit Müllers Augen. Sie erzählt von einer schwierigen Operationen. Danach konnte sie keine Kinder mehr bekommen.

Aber zu Dritt richtet sich Birgit Müller mit ihrer Tochter und ihrem Mann Wolfgang das Leben in Schrebitz ein. Allerdings spricht sie immer noch von Döbeln als ihrer Heimatstadt. Dort verbrachte sie ihre Kindheit, wurde vom Vater an die Musik herangeführt. "In Döbeln habe ich meine ganzen Schulfreunde. Wie soll ich das sagen? Schrebitz ist irgendwie meine Familie." Da ist es wieder: das Wort, das der 57-Jährigen mit den kurzen Haaren so am Herzen liegt. In dem Ort am Krebsbach halten alle zusammen. "Hier ist es nicht so anonym wie vielleicht in Döbeln." Dabei wollte sie gar nicht unbedingt in das Dorf an der Kreisgrenze ziehen. Mit ihrem Mann, den sie 1977 heiratete, wohnte sie in einem Neubaublock im fünften Stock. Als ihre Schwiegermutter sie besuchte, sagte sie damals, dass sie das erste und letzte Mal da war. Sie hielt Wort und schenkte beiden ein altes Haus in Schrebitz.

Dort wohnen sie heute noch. Dort arbeitet Birgit Müller nach der Geburt ihrer Tochter beim Rat der Gemeinde. Durch Zufall kam sie zu dieser Stelle. "Ich habe mich für meine Schwiegermutter auf der Gemeinde eingesetzt. Da muss wohl der damalige Bürgermeister gehört haben, wie ich für sie gekämpft habe." Später kam er zu ihr und sagte, er brauche solche Leute wie sie. Leute, die ihre Meinung sagen, die auch dafür kämpfen. Sich einsetzen. Sie übernahm in Schrebitz Verantwortung - bis heute.

Was unter anderem mit dem Vorsitz im Dorfclub begann, setzt sich heute im Heimatverein fort. Sie organisiert damals wie heute die Maifeiern, den Weihnachtsmarkt.

Aber manchmal würde sie am liebsten alles hinschmeißen. Wenn der ständige Kampf mal wieder seine Spuren hinterlässt. Wenn die Gesundheit mal wieder verrückt spielt. Dann horcht sie ganz tief in sich rein und merkt, dass sie gar nicht loslassen kann. Dann kommt ihr Mann, und sie verlassen den Ort, in dem sie seit fast 40 Jahren leben. Wenigstens für ein paar Stunden. "Erst vor Kurzem waren wir in Moritzburg bei der Ausstellung ,Drei Haselnüsse für Aschenbrödel'. Die ist einfach herrlich." In diesen Momenten entspannt die Macherin. Sie vergisst den Stress der vergangenen Stunden und Tage. Wenn auch nur für kurze Zeit.

Birgit Müller braucht die Herausforderung, sucht die auch und sagt von sich selbst: "Ich bin ein Mensch, wenn ich A sage, dann sage ich auch B." Mittlerweile wird es wohl das ganze ABC sein. Sie steckt ihre gesamte Kraft in den Heimatverein, den sie vor elf Jahren vom verstorbenen Ortschronisten Erst Michel übernahm. "Das ist ein Vermächtnis, das manchmal ganz schön schwer auf mir lastet." Ein Vermächtnis, das mittlerweile zur Lebensaufgabe geworden ist. Sie sagt aber auch: "Ich will etwas hinterlassen." Die heimatverbundene Frau will Traditionen erhalten und Bräuche bewahren. Sie will die alten Dorfgeschichten für die Jungen aufschreiben. "Aber so richtig bin ich dazu noch nicht gekommen", muss sie sich selbst immer mal wieder eingestehen. Die Arbeit als Vorsitzende des Heimatvereins ist zeitraubend. "Einer muss vorne dran stehen und ziehen." Das bleibt auch in den kommenden Jahren so. Die Arbeit mit den vielen Helfern für die Schrebitzer erfüllt sie. So kann sie etwas hinterlassen.

Lediglich in den nächsten Tagen ruhen die Vereinsgeschäfte. Ist dann auch Zeit für Wünsche? "Ich bin genügsam. Geld und Prunk brauche ich nicht." Birgit Müller hat trotzdem einen Herzenswunsch. "Ich wünsche mir, dass wir uns endlich wegen des Vereinshauses mit dem Gemeinderat einigen. Wir wollen uns nicht streiten, sondern endlich wieder zusammenarbeiten." Die Heimatvereinsvorsitzende möchte an der Spitze mal wieder die Sonne sehen und keinen Gegenwind spüren. Heiko Stets

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