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Döbeln Schrebitzer Narren sind startklar
Region Döbeln Schrebitzer Narren sind startklar
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13:10 09.11.2018
Vereinschefin Peggy Dietrich-Lohse freut sich über den riesigen Kostümfundus in der Vereinsgarderobe. Quelle: Sven Bartsch
Schrebitz

Während Schrebitz derzeit am späten Montagnachmittag beschaulich ruhig im Dunkeln liegt, geht es im Vereinshaus des Carnevalsclubs hoch her. Nach- und nebeneinander trainieren hier kleine und große Tanzgruppen – die Majas, die Funkengarde und sogar eine Muttigruppe, die sich selbst scherzhaft „Ausrangierte Funken“ nennt.

Hier ist was los! Der Schrebitzer Carnevalsclub ist auf Zack bei der Nachwuchsarbeit. Die Majas (vorn in rot) und die Funkengarde sind am Sonntag an der Ostrauer Eschkemühle zu sehen. Quelle: FSven Bartsch

„Wir waren vorher bei den Großen in der Funkengarde und sind durch Schwangerschaft rausgekommen“, erzählt Christin Pallaske. Eigentlich war die Gruppe, zu der schon 15 Frauen gehören, nur als Sportgemeinschaft geplant, in der die Mütter sich bewegen können, während ihre Kinder beim Tanztraining sind. Doch inzwischen tanzen acht von ihnen wieder zusammen – und üben im großen Saal fleißig für den großen Auftritt bei der Auftaktveranstaltung in die Saison am 17. November. Ein 90er-Jahre-Musikmedley wollen sie auf die Bühne bringen, verrät Christin Pallaske. Spaß ist garantiert – die Mütter haben jedenfalls welchen schon beim Training.

Immer montags ist Training

Ihre Nachfolgerinnen schwitzen derweil eine Tür weiter im Übungsraum der Funken. Hier wird die neueste Variante des Gardetanzes einstudiert – mit deutlichen Anleihen in der russischen und irischen Musik. Da fliegen Arme und Füße und die elf jungen Damen kommen ziemlich ins Schwitzen. Doch was zieht 17- und 18-Jährige jeden Montagabend zum Schrebitzer Carnevalsverein? „Ich habe mit drei Jahren hier angefangen. Wir gehen zum Teil auf die selbe Schule und sind Freunde auch außerhalb des Tanzens“, gibt die 17-jährige Anna-Lena Heim einen Anhaltspunkt. „Durch die Showtänze hat man die Chance, die eigene Kreativität einzubringen“, fügt sie hinzu. Selina König bringt es auf den Punkt: „Die Leute sind toll, Fasching ist geil, was will man mehr?“, meint die 18-Jährige.

Ziemlich anstrengend ist der neue Gardetanz, doch die Funken haben Spaß beim Training. Quelle: FSven Bartsch

Wie dieser Zusammenhalt wächst, lässt sich im Partyraum des Vereinsheims einige Schritte den Gang hinunter beobachten. Hier sind gerade die Majas – die zweitjüngste Tanzgruppe des SCC – fast mit dem Training fertig. Die Fünf- bis Neunjährigen sind trotz später Nachmittagsstunde noch konzentriert bei der Sache: Auch sie haben ihren großen Auftritt morgen und am kommenden Wochenende vor sich. Auf Kommando von Trainerin Heike Schrock stellen sich alle in zwei Reihen auf, gehen auf ein Knie und tanzen dann seitwärts durch die Reihen.

Auch die kleinen roten Funkenkostüme und die weißen Stiefelchen sind schon präpariert und werden nach dem Training noch mal anprobiert. Schnell wachsen sie, die Nachwuchsgruppen, die mit den Bienchen im Alter von drei bis fünf Jahren sogar noch eine jüngere haben.

Bei Vereinschefin laufen Fäden zusammen

Diese wird von Vereinschefin Peggy Dietrich-Lohse trainiert. Bei ihr laufen die Fäden im Verein zusammen. Sie hat nicht nur den Überblick über die vier Tanzgruppen – zwischen Funkengarde und Majas gibt es noch die Funkenmariechen mit zehn bis 15 Jahren –, sondern auch über den riesigen Kostümfundus des Vereins. Gerade hat der Verein wieder eine wertvolle Kleiderspende erhalten – acht Kartons voller wertvoller Trachten und Kleider aus drei Jahrzehnten. „Ich musste die Garderobe wieder umräumen. Langsam wird es eng“, sagt Peggy Dietrich-Lohse und lacht. Ob (unechter) Pelz, Clownskostüm, Seeräuberkutte oder Ballkleid, auf den langen Kleiderstangen und in den vielen Schränken und Regalen ist für jedes Motto etwas zu finden.

Klare Ansagen haben die Funken beim Training immer vor sich – und setzen diese beim Tanzen auch um. Quelle: Fotograf Sven Bartsch

Wobei das Motto für die anstehende Session erst zur Auftaktveranstaltung verkündet wird. „Grün kommen, blau gehen“ heißt die simple Aufforderung für den Abend am kommenden Sonnabend im Vereinshaus – inspiriert durch den österreichischen Sommerhit „Cordula Grün“ von Josh. An diesem Abend wird auch der neue Elferrat bestimmt.

70 Mitglieder sind dabei

Und alle 70 Mitglieder aktuell werden dabei sein. 40 davon gehören allein den Tanzgruppen an. Bei nur 456 Einwohnern in Schrebitz und seinen früheren Gemeindeortsteilen Sömnitz und Döhlen (Stand: 30. Juni 2018) ist das eine erstaunliche Quote. „Durch die Kinder sind wir gut gewachsen“, sagt Dietrich-Lohse und hat auch eine Erklärung dafür. „In Schrebitz werden viele Mädchen geboren und in Ostrau gibt es keinen Karnevalsklub, auch nicht in Mügeln“, sagt sie. „Außerdem gibt es in der Gegend wenige Tanzgruppen und die Eltern suchen eine Möglichkeit für ihre Kinder.“

Neue Mitglieder sind dennoch jederzeit gern gesehen. Besonders bei der Funkengarde ist immer Bedarf, denn bei den größeren Mädchen fallen wegen Ausbildung, Abitur oder Studium immer wieder Mitglieder aus.

Platz für neue Schrebitzer Narren ist außerdem genügend vorhanden. Seit sechs Jahren baut der Verein mit Hilfe von Sponsoren, der Gemeinde Ostrau und jeder Menge Eigeninitiative sein Vereinsheim aus. Erst im Oktober trafen sich die Vereinsmitglieder an zwei Sonnabendvormittagen, um an der Fassade zu arbeiten, in die zuvor Fenster der früheren Ostrauer Mittelschule eingebaut worden waren. Drinnen zeugen Saal, Partyraum, Küche und Toiletten vom Einsatz der SCCler. Sie haben hier einen Leuchtturm der Vereinsarbeit geschaffen, der einen ganzen Landstrich verbindet. Jedoch ohne dabei den Spaß zu vergessen – mit närrischem Durchhaltevermögen, könnte man sagen.

Von Sebastian Fink

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