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Schüsse auf Blitzer

Schüsse auf Blitzer

Etwa 17 mal am Tag hat es im vergangenen Jahr in Döbeln geblitzt. Dahinter stecken aber keine Wetter-phänomene, sondern das Ordnungsamt. 6048 Geschwindigkeitsübertretungen hatten Ordnungsamt und Bußgeldstelle im Rathaus im vergangenen Jahr auf dem Tisch.

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Selbst Gewehrbeschuss nützte nichts: Die Blitzanlage an der B 169 bereichert weiter die Stadtkasse und diszipliniert Autofahrer.

Quelle: Wolfgang Sens

241 000 Euro hinterließen Autofahrer im vergangenen Jahr der Stadtkasse. Ein Viertel davon kommt von den Falschparkern. Satte 181 000 Euro steuerten Bleifüße bei.

 

Der Löwenanteil der zu schnell gefahrenen Autofahrer verflucht die beiden stationären Blitzersäulen, welche die Stadt im April 2013 an der Bundesstraße 169 in Neudorf installieren ließ. Die ersten Monate schossen die beiden Säulen pro Woche mehr als 300 Bilder. "Im Moment sind es 130 bis 150 Schnappschüsse pro Woche. Das war zu erwarten und zeigt, dass durch die Blitzer eine Disziplinierung der Kraftfahrer eintritt", sagt Döbelns Ordnungsamtsleiter Jürgen Müller. Mit den Blitzern ist auch die recht gefährliche Kreuzung der Bundesstraße 169 mit den Abzweigen nach Ebersbach, nach Neudorf und Richtung Döbeln-Geyersberg deutlich sicherer geworden. Autofahrer müssen sich hier an das Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde halten. Das ist wegen der Kreuzungen so. Außerdem führt der Schulweg der Kinder zur Bushaltestelle und ein Radweg über die Bundesstraße. Und Tempo 70 gilt dank der stationären Blitzer 24 Stunden am Tag und selbst an Sonn- und Feiertagen. "Das merken wir an Feiertagen oder in Ferienzeiten, wenn deutlich mehr Auswärtige unterwegs sind, an den Fallzahlen. Nachts oder an Sonn- und Feiertagen rechnen eben viele nicht mit einem Blitzer", so Müller. "Einige haben sich in Neudorf Heiligabend und Silvester versaut."

 

Die Mehrzahl der in Döbeln ertappten Zuschnellfahrer bleibt aber im vertretbaren Rahmen und kassierten ein Verwarngeld von 25 Euro. Dass der Blitzer aber goldrichtig steht, sieht Müller mit den über 300 Lkw-Fahrern bewiesen, die in Neudorf mit wesentlich mehr als 70 geblitzt wurden. Dass ist bei Lastwagen doppelt schlimm, denn sie dürfen auf Bundesstraßen generell maximal 60 Kilometer pro Stunde fahren. "Da liegt ja das Problem. Wie soll ein 40-Tonner dort oben bei solchen Geschwindigkeiten für ein Kind oder ein abbiegendes Auto zum Stehen kommen", fragt sich der Ordnungsamtsleiter. Der schnellste Lastwagenlenker rauschte in Neudorf mit Tempo 110 Kilometer durch den Blitzer Das sind 50 über dem Limit für Lkw. Ein Monat Fahrverbot, drei Punkte und 240 Euro Bußgeld bleiben dem Lasterfahrer länger in Erinnerung. Jeweils vier Punkte, einen Monat Fahrverbot und 240 Euro Bußgeld mussten drei Autofahrer verdauen, die mit jeweils 130 statt erlaubten 70 geblitzt wurden.

 

Ihre Investition in die Blitzer hat die Stadt schon nach kurzer Zeit wieder eingespielt. Allerdings gab es schon mehrere schwere Vandalismus-Anschläge auf die Edelstahlsäulen. Farbanschläge waren dabei noch das geringste. Allein 50 000 Euro Schaden verursachte ein glatter Durchschuss bis in die Optik des Gerätes mit einem Kleinkalibergewehr. Anhand der Sünderfotos ermittelt die Polizei hier noch. Die Firma Jenoptik trägt laut Vertrag solche Schäden. Sie bereitet auch die entstandenen Sünderbilder täglich auf, so dass sie das Döbelner Ordnungsamt auswerten kann. Die Bilder werden in den beiden Säulen in Neudorf nicht gespeichert. Das betont der Ordnungsamtsleiter besonders, weil immer wieder mal Ertappte versuchten, die Säulen aufzubrechen, um den Speicherchip zu klauen. Den gibt es aber nicht. Die Anlagen übertragen die Fotos direkt nach dem Blitz per Datenleitung an die Rechner von Jenoptik. Die Firma stellt sie dann dem Ordnungsamt zur Verfügung.

 

Beim mobilen Blitzen ist das Ordnungsamt erst seit wenigen Wochen wieder unterwegs, nachdem das Gerät im Juni-Hochwasser zu Schaden kam. Falschparker hatten 2013 gute Chancen, weniger erwischt zu werden. Zum einen, weil die innerstädtischen Parkscheinautomaten die Flut nicht überlebten. Ersatz kam erst im Dezember. Zum anderen ist das Personal im Ordnungsamt durch die Aufgaben als Verkehrsbehörde (Schwertransporte) so ausgelastet, dass es nur noch zehn Prozent seiner Arbeitszeit für Überwachung des ruhenden Verkehrs aufwenden kann.

Thomas Sparrer

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