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Schulanfang in Döbeln: Zuckertüte damals und heute

Schulanfang in Döbeln: Zuckertüte damals und heute

Wie sehr sich die Zeiten in den ­vergangenen Jahrzehnten geändert haben, ist nicht zuletzt an den Zuckertüten der Schulanfänger, an deren Größe und der Füllung zu erkennen.

 

"Noch vor einigen Jahrzehnten war eine Zuckertüte so ein Luxus, dass sie auf den Klassenfotos zur Einschulung lieber weggelassen wurden", erinnert sich der Leisniger Jürgen Rostock beispielsweise an seine eigene Einschulung. Zu sehr wären die Unterschiede zwischen den Kindern aus den begüterten und den ärmeren, beispielsweise den Flüchtlingsfamilien, erkennbar gewesen.

Auf seinem eigenen Schulanfangsbild, das Rostock in seinem persönlichen Archiv hat, ist trotzdem zu erkennen, welche Kinder aus finanziell guten Verhältnissen ­kamen: Sie tragen auf dem Schul­anfangsfoto Strümpfe und Schuhe, während ein Großteil der Mädchen und Jungen barfuß gingen. "In den ­schwierigen Verhältnissen in der Nachkriegszeit fehlte es an weit wichtigeren Dingen als an Zuckertüten, wenngleich wir als Kinder natürlich sehnsüchtig zu unseren Klassenkameraden schauten, die eine Zucker- tüte bekommen hatten."

In Jürgen Rostocks Klasse ging trotzdem niemand ganz leer aus. Dafür hatten die Lehrer der Schule gesorgt. Im neuen Klassenzimmer fand jedes Kind auf seinem Platz eine kleine Zuckertüte vor. "Die war mit Plätzchen gefüllt. Die wurden zwar aus dunklem Mehl gebacken, haben uns aber den Schulanfang trotzdem versüßt", erinnert sich Jürgen Rostock, "jedenfalls musste keiner von uns ganz ohne Zuckertüte seinen ersten Schultag hinter sich bringen."

 

 

 

 

 

 

Barfuß kommt im 21. Jahrhundert keiner mehr zu seinem ersten Schultag. Und auch um die Zuckertüte muss man niemanden mehr beneiden, es sei denn, jemand hat eine besonders Große geschenkt bekommen. Im Laufe der Jahre ist die Zuckertüte immer weiter gewachsen. Sie ist mittlerweile fast schon größer als die Erstklässler selbst. Dem Namen nach, weist die "Zuckertüte" dabei auf allerhand Schokolade, Bonbons und andere Leckereien hin. Doch die meisten Eltern achten darauf, dass nicht zu viele Süßigkeiten in der Tüte landen. "Die Eltern schenken ihren Schützlingen lieber etwas Nützliches zum Schulanfang und dafür weniger Süßes", erklärt Andrea Panke aus der Erich-Kästner-Buchhandlung in Döbeln. Die Absatzzahlen für Schulanfangsartikel seien in den letzten Jahren zwar nicht sonderlich gestiegen, bleiben aber konstant hoch versichert Panke. Vor allem Kinderlexika, Rätselhefte und "Schüler-Startsets" mit Federmappen, Füller und Stiften finden häufig den Weg in die Zuckertüte. Aber natürlich wäre eine Zuckertüte ohne Zuckerwerk für die ABC-Schützen eine Katastrophe. Schokolade ist bei den derzeitigen Temperaturen allerdings keine gute Idee. "Wir haben nur Gummibärchen hineingeworfen. Die schmelzen nicht so leicht", berichtet Rositha Ettelt, die dieses Wochenende ebenfalls einen Schulanfang zu feiern hat. Auch bei ihr kommen vor allem praktische Dinge in die Zuckertüte. "Kleine Spiele, Bücher und Sportsachen füllen die Zuckertüte nicht nur schneller, sondern sind vor allem praktisch für den Schulstart", so Ettelt. Doch egal mit welchen Dingen der Schulanfang "versüßt" wird, was bleibt ist ein Erinnerungsfoto vom Beginn der womöglich schönsten Zeit des Lebens.

Vinnis Blick

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