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Döbeln Schule in Choren: Landratsamt quartiert vorerst nur bis zu 50 Flüchtlinge ein
Region Döbeln Schule in Choren: Landratsamt quartiert vorerst nur bis zu 50 Flüchtlinge ein
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11:23 29.01.2016
Hochbetrieb in allen Gängen. Die einfachsten Bedingungen für die Flüchtlinge erstaunten aber auch.  Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln/Choren

 Fast der gesamte Döbelner Ortsteil Choren war Donnerstagabend auf den Beinen. Bevor in der nächsten Woche die Asylbewerber in die ehemalige Schule des 260-Seelen-Dorfes einziehen, lud das Landratsamt die Einwohner ein, sich von der Einrichtung ein Bild zu machen. Gleichzeitig kündigte Peter Schubert, Abteilungsleiter Interner Service und amtierender Geschäftsbereichsleiter des Landratsamtes Mittelsachsen an, dass das Gebäude zunächst nur mit 30 bis 40 Leuten belegt werden soll. Das sei kein Versprechen, doch die derzeit etwas gesunkenen Zuweisungszahlen von Flüchtlingen an den Landkreis würden dies jetzt erlauben. Eigentlich könnte das Objekt bis zu 220 Menschen fassen. Das Landratsamt hatte die seit Jahren leerstehende Plattenbauschule aus der Wendezeit im Dezember beschlagnahmt, nachdem der Mochauer Gemeinderat einen Verkauf oder eine Vermietung an das Landratsamt abgelehnt hatte. „Wir standen im Dezember in Anbetracht sehr hoher Zuweisungszahlen von Flüchtlingen, die wir unterbringen mussten, sehr unter Druck. Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung, die Schule zu beschlagnahmen“, versuchte Peter Schubert im Gespräch mit der ehemaligen Gemeinderätin Beate Wolters um Verständnis zu werben. Die war über die Art und Weise sauer. Mit der Eingemeindung von Mochau nach Döbeln ist sie eine von drei Vertreterinnen, der neuen Ortsteile im Döbelner Stadtrat. Auch der Hauptausschuss des Döbelner Stadtrates hat zwischenzeitlich Verhandlungen mit dem Landkreis Mittelsachsen zur Nutzung der ehemaligen Schule in Choren als Asylunterkunft abgelehnt und will prüfen, ob die Stadt gegen den Landkreis wegen der Beschlagnahme der Schule rechtlich vorgehen soll.

Die Chorener Bürger sahen sich Donnerstagabend sehr interessiert in dem spartanisch eingerichteten Gebäude um. Trotz ihres Ärgers gingen sie mit den Vertretern des Landratsamtes und der künftigen Heimleitung sehr konstruktiv um. Hauptkritikpunkt der meisten von ihnen ist nicht die Unterbringung der Flüchtlinge generell, sondern die hohe Zahl von 220 Menschen, welche die Einwohnerzahl Chorens auf einen Schlag nahezu verdoppeln würde. Die Randlage im Dorf und die relativ schlechte Verkehrsanbindung seien problematisch. „Was sollen die Leute denn hier den ganzen Tag machen?“, lautet eine der Fragen. Die meisten Einwohner sind den ganzen nicht zu Hause, sondern auf Arbeit, fast alle auswärts. Peter Schubert kennt die Sorgen und begründete den Standpunkt des Landratsamtes: „Die Schule ist grundsätzlich geeignet. Die etwa gesunkenen Zuweisungszahlen spielen uns jetzt aber positiv in die Karten. Wir können es also gerade etwas steuern, wieviele Menschen wir in Choren unterbringen.“ Was der Verwaltungsmann allerdings nicht beeinflussen kann, ist, welche Personengruppen nach Choren kommen. Das komme darauf an, ob dem Landkreis in den nächsten Wochen mehr Familien oder Einzelpersonen zugewiesen werden.

Vier, acht und zehn Schlafplätze pro Zimmer stehen als Etagenbetten zur Verfügung. Drei ehemalige Fachkabinette sind mit insgesamt je 14 Betten belegt. Das Landratsamt ließ die vorhandenen Toiletten um Duschen ergänzen und richtete eine Küche mit einem Dutzend Herden ein. Die Aufteilung auf die Räume werde nach den unterzubringenden Personen, nach Familien und Nationalität abgestimmt, schildert die künftige Heimleiterin. Sicherheitsdienst und Heim-Mitarbeiter sind rund um die Uhr vor Ort. Mit den unmittelbaren Nachbarn des Heimes knüpfte die Leiterin am Donnerstag bereits Kontakt. Und auch mit Jens Liebscher, der die Chorener in der Bürgerinitiative Gegenwind vertritt, führte die Frau am Donnerstag intensive Gespräche. Wenn es sich um 40 oder 50 Flüchtlinge handelt, signalisierte Jens Liebscher, werde es vom Dorf auch Unterstützung und Integrationsangebote geben. Die enorme Konzentration von bis zu 220 Flüchtlingen im Ort dagegen hält die Bürgerinitiative Gegenwind aus Choren für unvertretbar.

Die mangelnde Infrastruktur, die fehlenden Einkaufsmöglichkeit für die vielen neuen Menschen im Dorf sind ebenfalls Thema. Nach Informationen des Landratsamtes sollen Linienbusse zusätzlich an der Schule halten. Zudem werde das DRK in Abstimmung mit den Flüchtlingen an mehreren Tagen in der Woche Fahrdienste anbieten, welche die Flüchtlinge auch von ihrem Taschengeld mittragen sollen. Sollten unter den Flüchtlingen auch Familien mit schulpflichtigen Kindern sein, werde zudem irgendwann deren Schulbesuch und die Mitfahrt im Schulbus anstehen.

Die Bürgerinitiative um Jens Liebscher zeigte sich am Donnerstag gesprächsbereit. Dennoch lässt sie die Beschlagnahme der Chorener Schule rechtlich prüfen und hat eine Petition an den Sächsischen Landtag gerichtet.

 

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Ungläubige Blicke und viele Diskussionen gab es gestern beim Einblick in spartanisch eingerichtete Asylunterkunft.

Von Thomas Sparrer

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