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Döbeln Schulsozialarbeit: „Ein Quantensprung zu dem, was wir bisher hatten“
Region Döbeln Schulsozialarbeit: „Ein Quantensprung zu dem, was wir bisher hatten“
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12:53 12.04.2018
SPD-Landtagsabgeordneter Henning Homann (v..l) gestern im Gespräch mit Schulsozialarbeiterin Susann Gasse und Jens Klafki vom Don Bosco Jugend-Werk. Quelle: Olaf Büchel
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Döbeln/Rosswein

Mit Beginn dieses Schuljahres startete in Sachsen das neue Landesprogramm Schulsozialarbeit. 15 Millionen Euro stellt der Freistaat dafür zur Verfügung. Mit dem nächsten Schuljahr tritt im Sommer das Programm in die zweite Phase ein – dann haben alle Oberschulen in Sachsen Rechtsanspruch auf einen Sozialarbeiter. Weitere 15,5 Millionen Euro stellt das Land dann bereit.

Erfolg für Homann

Als kinder- und jugendpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion setzt sich der Döbelner Abgeordnete Henning Homann schon seit vielen Jahren für die Schulsozialarbeit ein. Die jetzigen Verbesserungen in diesem Bereich kann er als persönlichen Erfolg verbuchen. Sorgte er doch dafür, dass die Stärkung der Schulsozialarbeit 2014 im Koalitionsvertrag verankert wurde. „Wir haben die unschönen Vorgängerprogramme abgelöst und die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass es jetzt dauerhafte Lösungen für dieses wichtige Angebot gibt“, sagt Homann. Die Entscheidung für einen Rechtsanspruch und die damit verbundene 100-prozentige Förderung der Schulsozialarbeit an Oberschulen sei für die Stärkung speziell dieser Schulform ganz bewusst getroffen worden. Dadurch würden aber auch Mittel für die Gymnasien und Förderschulen frei. „Im Prinzip kann damit ab dem neuen Schuljahr in Sachsen jede Schule die möchte einen Schulsozialarbeiter bekommen.“

Vollzeitstellen nicht zielführend

Um sich über erste gesammelte Erfahrungen mit dem neuen Landesprogramm zu informieren, besuchte Homann am Mittwoch das Lessing-Gymnasium in Döbeln und die Geschwister-Scholl-Oberschule in Roßwein. Dabei bekam er auch zu hören, was noch Verbesserungswürdig ist. „Das neue Programm bedeutet einen Quantensprung zu dem, was wir bisher hatten“, bestätigte Jens Klafki, Gesamtleiter vom Don Bosco Jugend-Werk Sachsen, das auch Träger von Schulsozialarbeit in der Döbelner Region ist. Klafki lobt die größere Planungssicherheit für die Träger und verbesserte Zukunftssicherheit für die eingesetzten Sozialpädagoginnen und -pädagogen. Aber es gebe auch Schwierigkeiten. Jens Klafki: „Ich habe das Gefühl, dass der Landtag eine sehr gute Sache implementiert hat, aber die Verwaltung über das Ziel hinausschießt.“ Er meint damit zum Beispiel den vom Sozialministerium bekundeten Willen, für die Schulsozialarbeit an Oberschulen nur noch Vollzeitstellen fördern zu wollen. „Das ist wenig zielführend und kann für bestimmte Projekte und Mitarbeiter sogar gefährdend sein“, sagt Klafki. Es gebe gerade viele Schulsozialarbeiterinnen, die gar nicht in Vollzeit arbeiten wollen oder können und mit ihrer aktuellen 75-prozentigen Stelle zufrieden sind. Ein weiterer Knackpunkt sei, dass laut Landesjugendamt Maßnahmen der Schulsozialarbeit, zum Beispiel Angebote in den Ferien, nicht von der Unfallkasse versichert seien. Was das Thema Vollzeit betrifft, rechnet Henning Homann mit der Kulanz des Ministeriums und hinsichtlich der Unfallkasse will er sich informieren und versuchen, eine Lösung zu finden.

Entbürokratisierung wichtig

Susann Gasse, Schulsozialarbeiterin am Lessing-Gymnasium Döbeln, lobte die gute Zusammenarbeit mit der Schulleitung und dem Lehrerkollegium, die ihr viele Freiheiten bei der Planung und Umsetzung von Projekten lasse. Einer von vielen Erfolgen sei die Aktivierung des Schülerrates, der eine neue Satzung hat und sich verbindlich monatlich in Arbeitsgruppen trifft. Auch das „normale“ Beratungsangebot werde von den Schülern gut angenommen. Manchen Konflikt kann die Schulsozialarbeiterin angehen, noch bevor er den Lehrern auffällt. Worüber sich Gasse freuen würde, wäre eine Entbürokratisierung ihrer Arbeit. Neben Sachberichten, Leistungsbeschreibungen und Konzeptionen müsse nun noch einige Zeit für Statistik aufgewendet werden.

Michael Höhme: Keine Insel der Glückseligkeit

„Jede Minute, die die Schulsozialarbeiterin nicht mit Messen, Zählen, Wiegen verbringen muss, wäre eine Minute mehr für die Kinder“, bestätigt Michael Höhme, der nach Krankheit ans Gymnasium zurückgekehrt ist und sich zurzeit mit Heike Geißler die Schulleitung teilt. Höhme erklärt, dass die Arbeit von Susann Gasse zu einem unverzichtbaren Baustein für die Schule geworden ist. Auch das Gymnasium sei nicht mehr eine Insel der Glückseligkeit.

Von Olaf Büchel

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