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Döbeln Schutz für Bäume am Straßenrand greift nicht
Region Döbeln Schutz für Bäume am Straßenrand greift nicht
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00:21 13.11.2017
Udo Seifert von der Unteren Naturschutzbehörde spricht mit Gemeinderätin Ina Plato über schlecht verschnittene Bäume wie den im Hintergrund an der Straße von Auterwitz nach Glaucha. Quelle: Sven Bartsch
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Auterwitz

Fahrten über Land in der Region Zschaitz-Ostrau zeigen ein immer kärgeres Landschaftsbild. An vielen Straßen stehen nur noch vereinzelt ein paar Obstbäume oder gar keine mehr. Ina Plato, Gemeinderätin in Zschaitz-Ottewig und Gartenbauingenieurin, hat das Problem in ihrem Wohnort Auterwitz vor der Haustür. Nur wenige hundert Meter aus dem Ort heraus an der Verbindungsstraße nach Glaucha ist es gut zu sehen. Wenige Bäume sind übrig. Und die verbliebenen sind feldseitig so verschnitten, dass die Landmaschinen nahe vorbeifahren können. Mit einem pflanzengerechten Verschnitt habe das aber wenig zu tun. „Das ist eine Verunstaltung der Bäume. Und es ist auch nicht schön, wie weit die Landwirte an die Bäume heranackern. Dadurch zerstören sie auch die Wurzeln“ kritisiert sie beim von der DAZ organisierten Vor-Ort-Treff mit Udo Seifert, Referatsleiter Naturschutz und Landwirtschaft in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises.

Seifert steht in dieser Frage auf ihrer Seite. „So machen sie die Bäume auf andere Weise hiebreif“, meint er. Für Traktoren gebe es heute Aufsätze mit mehreren Kreissägen, mit denen nur noch unter den Bäumen hindurch gefahren werden müsse, um einen passenden Verschnitt zu erzielen. Der Rest der Baumkrone bleibt wie sie ist. Die Wurzeln der Bäume reichen bis etwa eineinhalb Meter über die Kronenweite hinaus. Wird bis einen Meter, wie an dieser Stelle, oder gar ganz bis an den Stamm heran geackert, werden die Wurzeln nachhaltig verletzt. „Die Bäume brauchen ihr Wurzelvolumen nicht nur zur eigenen Versorgung, sondern auch zur Standfestigkeit. Stürme wie zuletzt Herwart werden damit eine größere Herausforderung für die Bäume“, sagt Udo Seifert und konstatiert: „Die Erkenntnis, dass der Erhalt von wegbegleitenden Bäumen zur Landschaftspflege des Landwirts dazugehört, ist nicht gegeben, der Hunger nach brauner Erde zu groß.“

Doch was tun gegen die nach und nach verschwindenden Bäume, Feldwege und Grünflächen? Diese hielten in früheren Zeiten auch einen Teil des Feldwassers zurück. „Ich möchte ja nicht nur den Bauern in den Hintern treten“, sagt Ina Plato auf gut Deutsch. „Es geht auch um die Theorie. Wissen die, die sich das ausdenken, wie viele Tonnen Schlamm hier im Sommer durchwalken?“

Udo Seifert ist gekommen, um das Problem auch aus rechtlicher Sicht zu beleuchten. „Die Sach- und Rechtslage ist kompliziert. Die Wegbegleitung durch Bäume ist eine Wohlfahrtsleistung des Eigentümers. Doch viele haben ihre Felder als landwirtschaftliche Nutzfläche verpachtet und kennen ihre Flächen oft gar nicht, außer vom Kontoauszug“, sagt er. „Und wenn es den Eigentümer nicht schert, wie es seinen Bäumen geht, nutzen Landwirte das aus.“ Ergo: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Ein Teil des Problems sei aber auch die EU-Förderung der Landwirte, die diese wiederum dazu treibt, ihre Ackerflächen bis aufs Letzte auszunutzen. „Das Gesamtsystem der Agrarförderung der EU treibt Stilblüten, die nicht mehr nachzuvollziehen sind. Die Bauern sind auf die Direktzahlung aus der Förderung für ihre Fläche angewiesen. Und diese Fläche muss vorher beantragt werden. Die Toleranzzonen sind gering – beackere ich dann zu wenig oder zu viel, bekomme ich weniger Geld. Aus diesem System können sich die Landwirte nicht herauswinden“, erklärt Seifert.

Dennoch , meint er, komme es auf die wenigen Quadratmeter unter einem Baum nicht an. „Dass der Landwirt keine Gehölze als Licht- und Nährstoffkonkurrenz zu seinen Pflanzen will, ist klar. Es kann in unserer Gesellschaft aber nicht darum gehen, dass einer seine Interessen zu 100 Prozent durchsetzt“, sagt Seifert. Daher müssten Kommunen und Landwirte an einen Tisch. „Das haben wir schon mal versucht, es ist aber bisher nie zustande gekommen“, sagt Ina Plato.

Appellieren an die Moral von Flächenbesitzern und Landwirten statt echter Druckmittel? Dies scheint in der Praxis offenbar die einzige Möglichkeit zu sein. Denn unter die Baumschutzsatzung der Kommune fallen Obstgehölze, die meist an Straßenrändern stehen, seit wenigen Jahren nicht mehr, so dass hier keine Eingriffsmöglichkeit besteht. Und selbst wenn eine Anzeige wegen Eingriffs in das Landschaftsbild bei der Naturschutzbehörde eingeht, könne dieser kaum nachgegangen werden, sagt Seifert. „Selbst wenn Anzeigen kommen, sind wir nicht in der Lage, Landwirte darauf anzusprechen. Wir erleben seit Jahren einen Aufgabenzuwachs, aber es gibt zugleich keine Analyse des Zeit- und Personalaufwandes, der benötigt würde. Das ist natürlich frustrierend“, erklärt er. Für eine bessere finanzielle Ausstattung wäre der Freistaat Sachsen zuständig.

Von Sebastian Fink

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