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Schwere Verletzung – Geringe Schuld

Justiz Schwere Verletzung – Geringe Schuld

Eine Radfahrerin zog sich bei einem Unfall in Ostrau schwere Verletzungen zu. Ein Transporterfahrer aus Geringswalde soll daran schuld gewesen sein. Das Gerichtsverfahren im Amtsgericht Döbeln endete aber glimpflich für den Mann.

Ein Transporterfahrer soll in Ostrau eine Rentnerin umgefahren haben. Das stellt sich vor Gericht anders dar.

Quelle: picture alliance / dpa

Ostrau/Döbeln. Eine gebrochene Schulter samt ausgekugeltem Gelenk und gebrochener Gelenkpfanne, eine Schädelprellung sowie zerschnittene Hände – bei einem Unfall mit dem Fahrrad verletzte sich eine Rentnerin in Ostrau schwer. Schuld daran soll 32-jähriger Geringswalder gewesen sein, der damals als Fahrer für einen Kurierdienst arbeitete. Er sei mit dem Auto zurückgefahren, habe die Frau übersehen und mit der rechten hinteren Ecke des VW-Caddy am Lenker erwischt, sodass die Seniorin stürzte. Fahrlässige Körperverletzung legte ihm die Staatsanwaltschaft daher zur Last. Per Strafbefehl hatte das Gericht den Mann wegen diesen Vergehens bereits zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen á 35 Euro verurteilt. Dagegen hatte der Mann Einspruch eingelegt. Er sollte es nicht umsonst getan haben, wie sich am Ende der Verhandlung bei Richterin Magdalena Richter im Amtsgericht Döbeln zeigen sollte.

„Ich wollte rückwärts in die Parklücke fahren, habe aber angehalten, weil hinter mir noch ein Auto kam. Das wollte ich erst vorbeilassen. Auf einmal knallte es, und ich sah, wie die Frau stürzte“, sagte der 32-Jährige. Er hatte wegen des Unfalls das erste Mal mit dem Gericht zu tun – so wie viele Autofahrer, die eine Sekunde unaufmerksam waren oder einfach nur Opfer eines „dummen Zufalls“ wurden. Als einen solchen bezeichnete der Zeuge den Unfall, der an jenem Tag hinter dem Kurierfahrer auf der Dresdner Straße in Ostrau unterwegs war. Er sagte, dass der Mann ganz langsam rückwärts gefahren ist. „Ich habe gehalten, um ihm das Einparken zu ermöglichen. Dann kam die Frau mit dem Rad auf dem Gehweg angefahren“, sagte der 57-Jährige.

Sie sei auf dem Gehweg geradelt, weil sie sich da sicherer gefühlt habe, auf der Straße viel Verkehr gewesen sei, sagte die 76-jährige Geschädigte. Auch sie hatte den Caddy des 32-Jährigen in Bewegung gesehen. „Er kam auf mich drauf zu.“

Staatsanwältin Angelika Rickert belehrte die Frau, dass sie mit dem Fahrrad auf dem Fußweg nichts zu suchen hat. „Sie dürfen doch mit dem Rad nicht auf dem Gehweg fahren. Wenn da jemand aus einem Hauseingang herauskommt, den Sie umfahren, dann sitzen Sie da drüben“, sagte sie und zeigte auf die Anklagebank. Staatsanwältin Rickert attestierte der Zeugin ein „erhebliches Mitverschulden“ und unterbreitete den weisen Vorschlag, das Verfahren gegen eine Geldauflage wegen geringer Schuld nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung einzustellen. Dem stimmte der 32-Jährige nach Beratung mit seinem Rechtsanwalt Fred-Hagen Dargatz zu und Richterin Richter beendete das Verfahren ohne Urteil. Wenn der 32-Jährige 500 Euro Schmerzensgeld an die Geschädigte zahlt, ist die Sache für ihn ausgestanden. Sein Vorstrafenregister bleibt blütenweiß. Außerdem behält er seinen Führerschein. Wenn Autofahrer vorsätzlich oder fahrlässig Straftaten begehen, und Gerichte sie dafür verurteilen, verhängen sie neben der Strafe meistens Fahrverbote oder entziehen die Fahrerlaubnis. Da in diesem Fall kein Urteil fiel, gibt es natürlich auch diese Nebenfolgen nicht.

Von Dirk Wurzel

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