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Döbeln Sechs Monate für zwei Würstchen
Region Döbeln Sechs Monate für zwei Würstchen
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15:08 03.02.2017
Eine Fleischwurst und eine Jagdwurst ließ der 74-Jährige im Netto-Markt Döbeln-Ost mitgehen. Quelle: picture alliance / dpa-tmn
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Döbeln

Je 350 Gramm Fleischwurst und Jagdwurst für 300 Euro. Das war vermutlich der teuerste Einkauf im Netto-Markt in Döbeln-Ost, den ein Döbelner Rentner je getätigt hat. Es war auch für lange Zeit der letzte Einkauf in diesem Markt, denn er hat dort Hausverbot.

Jetzt verhandelte das Schöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln gegen den 74-Jährigen. Räuberischer Diebstahl lautete die Anklage. Wer nach einem Diebstahl Gewalt anwendet, um die Beute zu behalten, macht sich eines solchen Verbrechens schuldig. Am Nachmittag des 11. Oktober 2016 war der Senior mit seinem Rad am Markt in der Unnaer Straße vorgefahren. Eine Tüte Vogelfutter für eine Nachbarin und eine Flasche Schnaps für die Schwiegertochter deponierte er in seinem Einkaufsbeutel, legt sie später aufs Kassenband und zahlte beides. Eine Kundin ließ ihn mit den Kleinigkeiten vor. Als er wenig später vor dem Markt sein Fahrrad abschließen will, klopft ihm Ladendetektiv Roberto H. (39) auf die Schulter. Der hat gesehen, wie der Senior gleich zu Beginn seiner Tour durch den Markt jene zwei Würste im Wert von 3,98 Euro in den Innentaschen seiner Weste versenkt und sich im Markt umgeschaut hatte. Nach Aussagen des Ladendetektivs sei der ältere Herr nach seiner Ansprache renitent geworden, habe mit den Fäusten und dem Beutel samt Schnapsflasche um sich geschlagen. Der Detektiv musste fester zugreifen. „Ich bin Gegenwehr und härtere Schläge gewohnt, aber von einem alten Mann hätte ich das nicht erwartet“, schildert Roberto H..

Wie ein Häufchen Elend sitzt der Senior auf der Anklagebank. Er und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas H. Fischer stellen die Sache anders dar: Es tue ihm leid, aber er habe die Würste nicht stehlen wollen. Er habe an der Kasse mit dem kleinen Kind der Frau Spaß gemacht, die ihn vorgelassen hatte. „Dabei habe ich die beiden Würste in der Westentasche vergessen“, sagt er. Zudem habe er nicht um sich geschlagen. Der Detektiv habe so fest zugepackt, dass er vor Schmerzen gar nicht hätte schlagen können. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg und Staatsanwalt Carsten Schönfeld kommen am Ende zu dem Schluss, dass der Senior sehr wohl die Würste gestohlen und sich zur Wehr gesetzt hat. Er habe die Würste bewusst in den Innentaschen seiner Weste verstaut. Auch sei der Ladendetektiv glaubhaft. Insgesamt sechs Vorstrafen, vor allem wegen Landediebstahls, die letzte von Oktober 2012, und eine frühere Haftstrafe wegen Vergewaltigung hat er bereits auf dem Kerbholz. Der Senior wurde wegen räuberischen Diebstahls verurteilt. Wegen des geringen Wertes des Diebesgutes, seiner Reue und der freiwillig bezahlten Fangprämie an den Nettomarkt in Höhe von 98 Euro, nahm das Gericht einen minderschweren Fall an und konnte so vom üblichen Strafrahmen abweichen, der bei einem Jahr Haft beginnt. Das Gericht verurteilte den 74-Jährige letztlich zu sechs Monaten Haft, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, und einer Geldauflage von 300 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ladendetektive dürfen Diebe festhalten und sogar vorläufig festnehmen, bis die Polizei kommt. Festnahmerecht für Jedermann heißt das.

Von Thomas Sparrer

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