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Sechs neue Schicksale im Pflaster

Sechs neue Schicksale im Pflaster

Mit sechs neuen Stolpersteinen will die Arbeitsgruppe Geschichte beim Treibhausverein Döbeln an die Schicksale weiterer Döbelner Juden erinnern. Im Moment gibt es an der Bahnhofstraße 7 polierte Messingsteine mit Inschrift im Straßenpflaster für Karl und Max Glasberg.

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Marie Rothstein wohnte in der Theaterstraße 4. Sie wurde 1942 von ihrer langjährigen Mieterin denunziert und starb im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück.

Quelle: Bartsch

Für Dr. David und Dr. Helene Gutherz vor deren ehemaligem Wohnhaus in der Bahnhofstraße 51 und für Marie Rothstein in der Theaterstraße 4. Das Schicksal dieser jüdischen Familien in Döbeln ist erforscht und wurde in einer beeindruckenden Ausstellung dokumentiert. Sie alle wurden ermordet. Jetzt haben die ehrenamtlichen Geschichtsforscher des Treibhausvereins weitere Schicksale von jüdischen Bewohnern der Stadt erforscht. In Archiven wurde gesucht, Stammbäume erstellt, die Namen mit dem Gedenkbuch des Bundesarchives abgeglichen. In der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Israel wurden Dokumentenkopien und Informationen über die jüdischen Döbelner Familien organisiert. An der Albertstraße 7 wird am 4. Dezember ein Stolperstein für Else Jacobsohn in das Straßenpflaster vor ihrem einstigen Wohnhaus eingelassen. Die in Döbeln geborene Frau ging wegen der Judenverfolgung 1933 zunächst nach Leipzig und später nach Riga. Dort gilt sie als verschollen.

 

Vor dem Haus Breite Straße 17, der heutigen Fielmann-Filiale, werden drei Stolpersteine für Hugo Totschek, seine Frau und einen seiner beiden Söhne errichtet. Totschek führte von 1911 bis 1933 das Bekleidungsgeschäft Jacobi in dem Haus. Später war darin das Herrenmodegeschäft Damm. Zu Beginn der Judenverfolgung 1933 wurde Hugo Totschek verhaftet. Er nahm sich in Haft das Leben. Seine geschiedene Ehefrau Margarethe ging nach Berlin und wurde von dort ins KZ Theresienstadt deportiert, wo sie ums Leben kam. Der 1911 geborene Sohn des Paares, Fritz-Rudolf Totschek, litt unter dem Down-Syndrom. Wie es ihm nach dem Tod des Vaters 1933 erging, ist noch unklar. Er wurde 1940 nach Pirna-Sonnenstein gebracht. Auf Januar 1941 ist sein Totenschein datiert. In der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein ermordeten die Nationalsozialisten in den Jahren 1940 und 1941 insgesamt 13 720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen. Sie wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde, der sogenannten "Aktion T4", in einer Gaskammer umgebracht. Fritz Totscheks Bruder Dr. Karl Totschek überlebte als einziger den Holocaust in England und Israel.

 

Vor dem Alten Amtshaus am Obermarkt werden am 4. Dezember zwei Stolpersteine mit den Namen von Frieda und Leopold Heynemann verlegt. Sie führten dort von 1902 bis 1930 ihr Bekleidungsgeschäft. Sie flohen zu Beginn der Judenverfolgungen in Döbeln 1933 nach Berlin. Dort kam Leopold Heynemann ums Leben. Seine Frau starb 1943 in Auschwitz.

 

Je 120 Euro kostet der beschriftete Gedenkstein aus Messing. Drei der neuen Mahnmale finanziert die "Initiative für Demokratie gegen Extremismus", der auch die meisten Städte Mittelsachsens angehören. Einen Stein übernimmt der Landtagsabgeordnete Henning Homann (SPD). Für zwei der Steine werden noch Paten gesucht. Insgesamt gab es bis 1933 elf jüdische Familien mit insgesamt 29 Personen, die in dieser Zeit vollständig aus Döbeln vertrieben wurden. Hier will die AG Geschichte weiter forschen und Überlebende nach Döbeln einladen.

Thomas Sparrer

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