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Döbeln Seit fast 115 Jahren werden bei der Roßweiner Familie Krumbiegel Möbel gebaut
Region Döbeln Seit fast 115 Jahren werden bei der Roßweiner Familie Krumbiegel Möbel gebaut
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21:24 05.01.2012
Matthias Krumbiegel baut derzeit an einer Truhe aus Eichenholz, in der seine Kundin ihren Weihnachtsschmuck unterbringen will. "Groß genug für ein paar Nussknacker wird sie allemal", sagt der Tischlermeister, der die Firma in vierter Generation weiterführt. Quelle: Wolfgang Sens

"Für einen ist die Arbeit oft zu viel, für zwei aber dauerhaft zu wenig", sagt Matthias Krumbiegel, neben einer Werkbank stehend, an der er gerade eine Truhe für eine Kundin baut. Weihnachtsschmuck und Nussknacker sollen in die kunstvoll verzierte, an Barockzeiten erinnernde Kiste aus Eichenholz. Solche Aufträge halten Krumbiegels Ein-Mann-Betrieb auf Kurs. Sein Sohn musste nach der Tischler-Lehre in ein anderes Unternehmen wechseln. "Ob die Arbeit in 15 oder 20 Jahren noch reicht, muss man abwarten", sagt Tischlermeister Krumbiegel voraus. So lange möchte er selbst noch arbeiten, bis er sich zur Ruhe setzt.

Der 50-Jährige ist der letzte gelernte Stuhlbauer in Roßwein. 1898 gründetet Urgroßvater Bruno Krumbiegel den Betrieb. Vor 25 Jahren schloss Matthias als Letzter die Ausbildung ab, die es heute gar nicht mehr gibt. Den Meister musste er vor zehn Jahren schon als Tischler machen. "Dabei gibt es große Unterschiede: Tischler benutzen Weich-, Stuhlbauer meist Hartholz. Auch die Werkzeuge sind teilweise anders", erklärt Vater Werner Krumbiegel, der gerade in die Werkstatt geschlendert kommt. Der 80-Jährige hilft häufig noch hinter der Ladentheke aus, ist der letzte Stuhlbauermeister im Altkreis Döbeln gewesen, als er das Geschäft 1997 seinem Sohn übergab. Selbst Hand ans Holz legen mag er nicht mehr. "Mein Sohn macht das sehr gut und im Alter ist man schnell unkonzentriert, da passieren die meisten Unfälle", gibt er zu bedenken und zeigt seinen Daumen vor, an dem die Kuppe fehlt.

Matthias Krumbiegel ist derweil weiter fleißig mit der Truhe für den Weihnachtsschmuck beschäftigt, steckt die passgenauen Rahmenteile probehalber zusammen und fügt die dünnen Eichenwände ein. Damit er genug zu tun hat, musste er sich in den letzten Jahren umstellen. "Ich habe mich den Bedürfnissen der Kleinstadt angepasst. Früher haben wir nur Stühle und Polstergestelle gebaut, heute bieten wir auch Fenster, Türen, Fußbodenbeläge und Schlösser an", sagt er. Zu je einem Drittel bilden Neuanfertigungen, Polstermöbel und aufgearbeitete Schränke das Arbeitspensum des Tischlers. "Früher, da kamen Kunden mit riesigen Aufträgen. Da hatte ein Großvater nach dem Krieg mal einen Stuhl aus einem Schloss mitgehen lassen und wollte 30 davon nachgebaut haben. Heute bekommt man einen Stuhl für 50 Euro im Großmarkt. Dafür habe ich gerade einmal das Material zusammen", erklärt er.

Den Verlauf seiner ersten 15 Jahre als eigener Chef beschreibt er kurz als "holprig" und erklärt dann: "Manchmal habe ich soviel Arbeit, dass ich mich verstecken muss. Dann fahre ich das Auto in die Seitenstraße und schließe mich in der Werkstatt ein. Manchmal denke ich aber auch, jetzt habe ich mal Zeit zum Aufräumen."

Sebastian Fink

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