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Döbeln „Selbst agieren, statt immer nur zu reagieren“
Region Döbeln „Selbst agieren, statt immer nur zu reagieren“
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00:37 28.05.2018
CDU-Bürgermeisterkandidat Sebastian Wloch. Quelle: Sven Bartsch
Obergoseln

Sebastian Wloch tritt bei der Bürgermeisterwahl in Großweitzschen am 3. Juni für die CDU gegen den kommissarischen Amtsinhaber Jörg Burkert (Freie Wähler) an. Der 37-jährige Gemeinderat aus Obergoseln, der als Maschinenbauingenieur in der Qualitätsprüfung arbeitet, hat klare Vorstellungen davon, wie er die Kommune entwickeln möchte. Im DAZ-Interview vor der Wahl spricht er über klare Strukturen in der Verwaltung, den Neubau eines Bauhofes und die Entwicklung eines zweiten Gewerbegebietes.

Herr Wloch, wie für Ihren Gegenkandidaten ist es für Sie die erste Wahl dieser Art – sind Sie nervös?

Sebastian Wloch: Die Nervosität hält sich noch in Grenzen. Man geht ja mit dem Gedanken schon eine Weile schwanger. Die Anspannung wird sicher wachsen, je näher der Wahltermin rückt. Aber es ist auch für mich eine ungewohnte Situation sich den Fragen der Bürger zu stellen. Ich denke die wenigsten sprechen sehr gern und oft über sich selbst.

Sie haben schon mehrere Wahlveranstaltungen hinter sich. Wie waren bisher die Reaktionen auf Ihre Bewerbung?

Ich habe vor allem schnell gemerkt, dass vielen Leuten nicht klar ist, welche Schwierigkeiten sich in den letzten Jahren und Monaten in der Verwaltung angehäuft haben. Viele haben ihre Informationen nur aus der Presse bekommen. Die Hintergründe lassen sich in solchen Gesprächsrunden dann besser erklären. Aber es gibt schon auch kritische Nachfragen, wie es dazu kommen konnte. Oder warum man sich dann zu einer Kandidatur stellt.

Und was hat Sie letztlich dazu bewogen, zur Wahl anzutreten?

Die Entwicklung der letzten Jahre hat mich innerlich getrieben, meine Kraft in den uns nahen Bereich zu legen. Mit den Entscheidungen, die getroffen wurden, habe ich Schwierigkeiten gehabt und mich mit der teils planlosen Herangehensweise nicht abfinden wollen – besonders was die Haushaltspläne der letzten zwei Jahre angeht. Und wenn man nicht zustimmen kann, nützt es nichts, zu meckern. Dann muss man beweisen, dass man es besser kann.

Welche konkreten Änderungen würden Sie in der Verwaltung vornehmen, wenn Sie gewählt werden?

Durch die Neubesetzung von Stellen in der Verwaltung sind wir in der Position, einen Neuanfang zu starten. Ich möchte Verantwortlichkeiten und Aufgaben sauber strukturieren und zuweisen. In der Vergangenheit haben wir viel Boden verloren durch den fehlenden Bürgermeister und die Hauptamtsleiterin. Jetzt soll jeder seine Zuständigkeiten kennen und auch ein klarer Vertretungsplan herrschen. Unsere Gemeinde hatte noch nie ein Personalentwicklungskonzept und viel zu hohe krankheitsbedingte Abgänge in allen Bereichen. Das soll künftig nicht mehr sein.

Ihr Konkurrent hat angekündigt, bei einer Wahl eine Verwaltungsausbildung zu absolvieren. Wie stehen Sie dazu?

Strukturelle und analytische Themen kann ich mit meiner Berufserfahrung und der Erfahrung als Gemeinderat darstellen. Aber um Mitarbeiter bewerten und analysieren zu können, muss ich natürlich das verwaltungstechnische Handwerk erlernen, da ist ohne Frage eine Weiterqualifikation notwendig.

Sie haben oft eine mangelnde Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Gemeinderat sowie anderen Gremien kritisiert. Wie wollen Sie diese Frage handhaben?

Die Zusammenarbeit muss intensiviert werden. Technische und fachliche Inhalte müssen klargestellt werden, bevor eine Entscheidung fällt. Das zeigt das Beispiel Außengelände Hort Großweitzschen: Wir haben dazu im Bauausschuss getagt, hatten aber kein Bild dazu vor Augen. Daher haben wir uns vertagt und vor Ort mit dem Planer getroffen. Gerade im Bauausschuss gehört es sich, nicht am grünen Tisch zu bleiben. Wir haben 24 Ortsteile, da ist es vor Ort etwas anders, als auf eine A4-Aufnahme zu blicken. Zudem hat es den Vorteil, dass man mit den Anliegern und Anwohnern in Kontakt kommt.

Die großen Wege in der Gemeinde sind bekannt – wie begegnen Sie Zukunftsängsten gerade der älteren Bevölkerung?

Wir haben da eine Verpflichtung, den Zugang zu Ärzten und Pflege zu erhalten, aber auch Einkaufsmöglichkeiten bilden eine Grundvoraussetzung. Wir sind froh, dass wir noch einen Bäcker und einen Fleischer haben. Da kann man als Kommune auch Einfluss nehmen. Wichtig ist, als Mittler aufzutreten und Rahmenbedingungen zu schaffen. Bisher haben wir nur auf Anfragen reagiert, nie agiert. Meine Grundmaxime lautet aber: Ideen haben, Konzepte erstellen, um agieren zu können statt immer nur zu reagieren.

Welche inhaltlichen Ziele verfolgen Sie für eine Amtszeit von sieben Jahren?

Das wichtigste ist, die Eigenständigkeit der Gemeinde zu erhalten. Voraussetzung dafür ist, die Einwohnerzahl zu stabilisieren. Dafür müssen unsere Wohnimmobilien attraktiv gehalten und neue Bauplätze gefunden werden. Dafür ist ein Bebauungsplan für unsere Gemeinde eine Bedingung. Außerdem ist die Bevölkerungszahl die Grundlage für die Einnahmen der Gemeinde, durch Schlüsselzuweisung oder Steuern.

Sie sprechen die Einnahmen an – Großweitzschen ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Wie wollen Sie künftig Investitionen tätigen?

Zunächst würde ich die Ausgabenseite in Frage stellen: Wir haben Einsparpotenziale in den Kitas, der Schule, im Hort. Oder bei der Straßenbeleuchtung: Da haben wir jährlich 49 000 Euro Kosten, aber nur einen geringen Prozentsatz in LED-Leuchten umgewandelt. Hier allein könnten wir 70 Prozent einsparen. Außerdem möchte ich eine zielgerichtete Investitionstätigkeit mit einem Mehrwert für die Gemeinde etablieren. Die Unterhaltungskosten für unser Eigentum sind viel zu hoch und teilweise nicht sinnfällig.

Was meinen Sie?

Zum Beispiel beim Bauhof Mockritz: Wir haben in zwei Jahren mehr als 50 000 Euro investiert, ohne ein Konzept zu haben, was wir mit dem Gebäude machen wollen. Die Heizung wurde erneuert und ein Sanitärbereich errichtet. Dieses Jahr sollen wieder 20 000 Euro eingestellt werden. Dabei müsste nach sachkundiger Meinung einiger Räte das Gebäude eigentlich abgerissen werden. Alternativ wäre eine Mehrzweckhalle mit einem Pultdach vielleicht sinnvoller. Zudem haben wir einen über Jahre angewachsenen Reparatur- und Investitionsstau in unseren Grundmitteln. Nun sollen 40 000 Euro investiert werden aber es wird keine Prioritätenliste daraus abgeleitet. So dürfen wir mit unseren knappen Mitteln nicht umgehen.

Selbst bei allen Einsparungen würden solche zielgerichteten Investitionen viel Geld kosten. Wie wollen Sie die Einnahmen verbessern?

Wir müssen gute Rahmenbedingungen für Gewerbetreibende schaffen. Wir haben 150 Betrieb in der Gemeinde – mit denen müssen wir zusammenarbeiten, Bedarfe und Wünsche ermitteln, damit sie sich entwickeln können. Dazu gehört auch die Frage, ob überhaupt noch Neubauten in unserer Gemeinde möglich sind. Derzeit haben wir noch 5500 Quadratmeter im Gewerbegebiet übrig. Da wäre es sinnvoll, einen weiteren Gewerbestandort zu erschließen, möglicherweise in der Nähe des jetzigen oder auch in Großweitzschen nahe der Agrartechnik.

Aber auch dafür braucht es wieder eine Anfangsinvestition. Woher soll das Geld kommen?

Für die nächsten drei Jahre bekommen wir einen Landeszuschuss von 70 000 Euro und es gibt die Perspektive, dass die Unterstützung für die ländlichen Regionen noch wächst. Außerdem nehmen wir derzeit Geld aus unseren liquiden Mitteln, um den Tagesbedarf zu decken, beispielsweise für Straßenbau, Ortskernentwicklung oder touristische Erschließung. Das würde ich gern zielgerichteter über Förderung realisieren, etwa durch die ländliche Neuordnung.

Von Sebastian Fink

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