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Döbeln Seniorentanz fordert Hirn und Füße
Region Döbeln Seniorentanz fordert Hirn und Füße
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18:33 01.06.2016
Unverzichtbar zum Ankommen: Der Tüchertanz nach Walzerklängen eröffnet jeden Dienstag den Seniorentanz in der Leisniger Apian-Turnhalle. Quelle: Sven Bartsch
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Leisnig

„Der Tanz ist so konzipiert, dass man noch ein paar Worte reden kann. Auch das ist bei unserem Seniorentanz wichtig: Der kommunikative Austausch,“ sagt Tanzleiterin Carla Lichtenstein.Jeden Dienstag Nachmittag spielt sich in der Leisniger Apian-Turnhalle ein Ritual ab. Eine Gruppe von Damen mittleren bis fortgeschrittenen Alters lassen farbige Tücher durch die Luft schweben, bewegen sich dazu nach Walzerklängen. Der nächste Tanz, der River Kwai aus den USA, beginnt in Paaraufstellung. Es finden sich zunächst feste Paare. „Der Tanz ist so konzipiert, dass man noch ein paar Worte reden kann. Auch das ist bei unserem Seniorentanz wichtig: Der kommunikative Austausch,“ sagt Tanzleiterin Carla Lichtenstein.

Keine Chance für die Capri-Fischer

Beim dritten oder vierten Lied ist die Konzentration ganz bei der Musik und den Schritten. Seit 25 Jahren leitet Carla Lichtenstein den Seniorentanz. Wer hinter der Bezeichnung eintöniges „Eins-Zwei-Tipp“ oder Capri-Fischer-Gedudel und ähnlich olle Kamellen vermutet, liegt völlig daneben. Hier werden Charleston, Rheinländer, Blues oder Polka gespielt. Auch nach der Aschenbrödel-Filmmusik lässt sich gut Walzer tanzen. Trotzdem hat nichts davon zu tun mit dem herkömmlichen Gesellschafts- oder Volkstanz: Schritte und Tanzfiguren regen Gehirn und Füße an – zum Tanzen, Träumen, Reden und zum Lächeln. „Ich beobachte immer wieder“, sagt Carla Lichtenstein, „wie im Verlaufe des Nachmittags die Anspannungen des Alltags schwindet.“

Dann werden die Gesichter offen für ein Lächeln des Gegenübers, den die Musik des nächsten Stücks jemandem unverhofft in die Hände spielt. Das ist charakteristisch für diese Art des Tanzens: Aufstellung und Figuren geben Tanzmuster vor, bei denen innerhalb eines Liedes die Partner nach einer gewissen Abfolge wechseln. Sich die Hände zu reichen, für eine nur Sekunden dauernde und dennoch innerhalb der einstudierten Schritte verbindlichen Berührung - das sind auch Streicheleinheiten für die Seele und eine Art nonverbaler Kommunikation, die den Tänzern wohltut und wofür es keine Worte braucht. Tanzen – das ist auch ein Gefühl, und die Musik das Transportmittel dafür.

Längst tanzen nicht mehr nur Leisniger mit

Zum Seniorentanz treffen sich dienstags rund 30 Frauen in der Apian-Turnhalle. Zur Jubiläums-Veranstaltung waren Gruppen aus Clennen und Döbeln eingeladen. Es ist nur einer der festen Kreise, die unterm Dach des Kulturbundes regelmäßig eine feste Institution sind für Leisniger, mittlerweile auch für Minkwitzer, Waldheimer oder Ostrauer. „Dazu zu gehören ist wichtig, und wenn jemand einige Male nicht auftaucht, bekommt er beziehungsweise sie eine Karte geschickt oder einen lieben Gruß ausgerichtet – bei uns wird niemand vergessen“, so Carla Lichtenstein. Wer denkt, der Begriff „Senioren-“ deutet drauf hin, dass hier ein paar Eingerostete übers Parkett schlurfen, der irrt sich. Man muss vielleicht nicht super beweglich sein, aber dennoch fit – vor allem im Kopf. „Und das bleibt man durch das Tanzen“, versichert die Tanzleiterin.

Neben dem Seniorentanz wird der Leisniger Frauentreff am jeweils zweiten Mittwoch im Monat seit 25 Jahren angeboten. Die Damen treffen sich im Stadtgut. Der Literaturkreis wird 20 in diesem Jahr. Die jüngste Gruppe, die Line Dancer, existiert seit fünf Jahren. „2016 gibt es einige kleine und große Jubiläen. Diese Kontinuität freut mich sehr. Das zeigt auch, dass es gelingen kann, immer wieder ein Thema zu finden, das alle interessiert. Deshalb kommen sie alle wieder.“

Ständig Neues soll auch nicht belasten

Carla Lichtenstein leitet den Kulturbund Leisnig, hat die meisten der Gruppen und Kreise selbst initiiert beziehungsweise von Anfang an begleitet. Der Seniorentanz ging aus der Städtepartnerschaft mit Bünde hervor: Ursula Oevermann, vor 25 Jahren Bürgermeisterin der Partnerstadt, war begeisterte Seniorentänzerin, leitete mehrere dieser Gruppen und ermunterte Carla Lichtenstein zum ersten Leisniger Seniorentanztreff im Schützenhaus. In Spitzenzeiten lag die Teilnehmerzahl bei über 50. Zur Wendezeit hatte der Bundesverband Seniorentanz großes Interesse daran, dass sich in den neuen Ländern Gruppen neu gründen. Lichtenstein war das erste sächsische Mitglied im Bundesverband.

Seniorentanz bedeutet weit mehr als sich geschickt zu beliebiger Musik zu bewegen. Er fordert Hirn und Füße, und das in einer Balance, bei der Erlerntes immer wieder getanzt und doch hin und wieder Neues einstudiert wird. Lichtenstein: „Ständig Neues lernen zu müssen, belastet auch. Und es macht ja auch Spaß, etwas gut zu können.“ Deshalb ist nach dem Tüchertanz immer der River Kwai der zweite Tanz des Nachmittags: Wenn die Füße von alleine wissen, was sie tun, kann man seinen Tanzpartnern noch schnell ein nettes Wort schenken – je nach dem, wen die Musik in dem Moment gerade vorbei weht.

Von Steffi Robak

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