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Döbeln Sextäter belästigt Kind vom Gefängnis aus
Region Döbeln Sextäter belästigt Kind vom Gefängnis aus
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23:55 24.09.2013

Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Christa Weik sah es als erwiesen an, dass der 34-Jährige am 22. August vergangenen Jahres ein neunjähriges Mädchen im Internetforum "SchülerVZ" mit derben sexuellen Anspielungen konfrontierte. Außerdem besaß er Bilder, die nackte Kinder in eindeutigen Posen oder bei sexuellen Handlungen zeigten.

Der Tatort des unsittlichen Internet-Chats ist sehr ungewöhnlich: Es handelte sich um den offenen Vollzug der JVA Waldheim. Der Angeklagte hatte sich vom Freigang ein internetfähiges Mobiltelefon mitgebracht. Mit diesem schrieb er unsittliche Nachrichten an das Kind aus Salzgitter. Bis die Mutter darauf aufmerksam wurde und die Polizei einschaltete. Im Waldheimer Gefängnis verbüßte der 34-Jährige eine zweieinhalbjährige Freiheitsstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Trotz dieser einschlägigen Vorstrafe muss Marco T. nicht erneut ins Gefängnis. Das Jugendschöffengericht setzte die Strafe zur Bewährung aus. "Sie haben die Taten begangen, als sie noch nicht in Therapie waren. Zudem leben sie in einer Beziehung, wie auch immer das mit jemanden möglich ist, der pädophile Neigungen hat", begründete die Vorsitzende Richterin die günstige Sozialprognose. Marco T. stellt sich seinem Problem und sucht einen namhaften Leipziger Sexualtherapeuten auf. Zudem hat er Arbeit, unter anderem als Pizzafahrer. Richterin Christa Weik kennt den Mann bereits aus ihrer Arbeit in der Strafvollstreckungskammer. Diese prüfte gerade zum Tatzeitpunkt des sexuellen Missbrauchs, ob für T. eine vorzeitige Haftentlassung in Frage kommt. "Ich tue mich persönlich mit der Bewährung schwer, wenn ich mir vorstelle, da hat einer vor dir gesessen und dich angelogen", sagte sie. "Diese persönlichen Befindlichkeiten muss ich aber bei dieser Entscheidung hinten anstellen", so die Vorsitzende weiter. Die Bewährung knüpfte das Gericht an strenge Auflagen. Fünf Jahre darf sich T. nichts zuschulden kommen lassen, muss den Kontakt zu Kindern im realen Leben wie im Internet meiden. Zudem unterstellt ihn das Gericht der Intensivüberwachung von Sexualstraftätern durch das sächsische Landeskriminalamt. "Sollten Sie erneut eine Sexualstraftat begehen, riskieren sie die Sicherungsverwahrung", verdeutlichte Richterin Weik dem Angeklagten seine Lage. Als strafmildernd wertete das Gericht dessen Geständnis, das dem betroffenen Kind eine Aussage ersparte.

Für die Strafaussetzung zur Bewährung setzte sich Marco T.`s Verteidiger ein. "Wenn wir wollen, dass Herr T. derartige Dinge nicht wieder begeht, geht das mit der Haft, nicht aber mit einer Bewährung unter strengen Auflagen", sagte der Leipziger Rechtsanwalt Jürgen Kohlen. Er beantragte sogar, seinem Mandanten jeglichen Internetzugang zu sperren. "Das Internet braucht man nicht unbedingt", so der Anwalt. Staatsanwalt Sascha Gruschwitz wollte dagegen den Sextäter im Gefängnis sehen. "Er hat einschlägige Vorstrafen und Hafterfahrung, ist Bewährungsbrecher. Den Schuss vor den Bug hat er schon oft erfahren. Eine Bewährung ist aus Sicht der Staatsanwalt nicht angezeigt", sagte der Anklagevertreter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Dirk Wurzel

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