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Show und Regisseurin fehlen

Show und Regisseurin fehlen

Eine Premiere ist gewöhnlich jene Veranstaltung, bei der sich am Ende der Regisseur und das Produktionsteam einen besonderen Beifall vom Publikum abholen.

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Conny Grotsch und Tim Gernitz versuchen musikalisch ihr Döbelner Theater-Publikum zu erobern.

Quelle: Theater

Döbeln. Was jedes Kind im Musikunterricht lernt, gilt in Döbeln augenscheinlich nicht mehr. Da endete die Premiere des Chanson-Abends "Wie man sich bettet, so liegt man", zu dem Conny Grotsch und Tim Gernitz auf die Döbelner Hinterbühne geladen hatten, recht gewöhnlich: Ordentlicher Beifall, Verbeugung, als Zugabe eine hübsche improvisierte Paraphrase auf den Titel des Abends. Regieteam? Fehlanzeige! Ein Blick ins Programmheft verriet dann den Grund: "Wie man sich bettet, so liegt man" hatte schon im Dezember Premiere in Freiberg, Regisseurin Annett Wöhlert hatte wohl besseres zu tun, als sich auch in Döbeln ihren Beifall abzuholen.

Man kann diesen Fauxpas etwas weiter ausbreiten, weil er symptomatisch für jene Lieblosigkeit ist, die da an diesem Abend auf der Bühne zu beobachten ist. Dem Programm fehlt nämlich schlicht und einfach eine musikalische Handschrift, die gestaltende Kraft, die aus zwei zweifellos außergewöhnlichen Allroundkünstlern eine Einheit macht. Denn dass man bei musikalischen Programmen den Part der Musik nicht auf die leichte Schulter nehmen darf, liegt schon darin begründet, dass das Publikum in gut 80 Minuten auch ein wenig stilistische Abwechslung braucht. Lässt man den Künstlern aber komplett freie Hand, dann machen die eben, was sie wollen und was sie können - und das auch am liebsten für sich alleine.

Bei Conny Grotsch und Tim Gernitz ist das trotzdem eine ganze Menge, weshalb es auch keinesfalls den beiden Protagonisten zuzuschreiben ist, dass hier anstelle eines musikalischen Programmes lediglich 20 einzelne Songs zu erleben sind. Die Schauspielerin singt französische Chansons ebenso charmant, wie sie Kurt Weills Songs mit subtilem Humor bietet. Ihr junger Partner, der sich bisher sowohl in Soloprogrammen als auch mit den "Notendealern" einen Namen gemacht hat, weiß zudem genau, wie er mit skurrilen Stücken des Klavierkabarettisten Bodo Wartke und der Wise Guys das Publikum zum Lachen bringt.

Das funktioniert auch in Döbeln ganz gut - aber ein Abend mit einem stimmigen Bogen wird selbst dann nicht daraus, wenn großzügig aus dem von Peter Kube zusammengestellten letzten musikalischen Programm des Mittelsächsischen Theaters zitiert wird. Schade eigentlich, denn die offensichtlichen Gegensätze - Musiker und Schauspielerin, junger Hüpfer und erfahrene Künstlerin - bieten sich doch förmlich an. Nur ein einziges Mal blitzt es auf, dann ist plötzlich zu sehen, was "Wie man sich bettet, so liegt man" bei liebevollerer Programmentwicklung hätte werden können: Bei Bodo Wartkes "Quand meme, je t'aime" liefern Gernitz am und Grotsch auf dem Klavier nach vielen Soli endlich auch mal gemeinsam eine sehens- und hörenswerte Show. Hagen Kunze

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