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Simone Raatz enttäuscht über Mandatsverlust

Bundestagswahl Simone Raatz enttäuscht über Mandatsverlust

Die Liberalen legen im Vergleich zu 2013 deutlich zu. AfD-Mann Hessenkemper zieht nun wahrscheinlich über die Landesliste in Bundestag ein.

Simone Raatz verliert ihr Bundestagsmandat. Neben der AfD sind nur die Liberalen in der Region Döbeln Wahlgewinner.

Quelle: Michael Kappeler

Region Döbeln. Die große Traurigkeit einen Tag nach der Wahl: das gilt vor allem für die mittelsächsische SPD, deren Direktkandidatin und Bundestagsabgeordnete Simone Raatz den erneuten Sprung ins Parlament verfehlt hat und die auch bei der Zweitstimme mit nur 9,7 Prozent extrem schlecht abschnitt. „Ich bin enttäuscht, weil ich gute Arbeit geleistet habe, nun aber offenbar andere Dinge zählen“, sagt die SPD-Frau. Die starken Stimmenzuwächse der AfD findet sie erschreckend. „Für den Ruf Mittelsachsens ist das nicht förderlich. Da überlegt es sich bestimmt manch Unternehmen in eine Region zu investieren, die als ausländerfeindlich gilt. Auch für den Wissenschaftsstandort Mittelsachsen ist das ein Nachteil.“

Veronika Bellmann: Dorfchemnitz ist bitter

Die CDU-Kandidatin Veronika Bellmann ist erleichtert, dass sie das Schicksal von Raatz nicht teilen muss. Wenn auch sehr knapp, holte sie das Direktmandat im Wahlkreis 161 Mittelsachsen. „Zwischenzeitlich hatte ich gedacht, dass es nicht reicht“, beschreibt Bellmann die Zitterpartie vom Wahlabend. Enttäuscht ist Bellmann darüber, dass sie in früheren CDU-Hochburgen deutlich abgestraft wurde: „Bei der letzten Bundestagswahl hatte ich in Dorfchemnitz fast 70 Prozent erreicht. Jetzt ist es gerade mal die Hälfte. Das ist bitter.“ Auch bei der Zweitstimme gab es für die CDU einen regelrechten Absturz auf 27,7 Prozent (2013: 45,3 Prozent).

Der mittelsächsische AfD-Mann Heiko Hessenkemper aus Großschirma verfehlte zwar das Direktmandat haarscharf. Er kann aber über die Landesliste der AfD in den Bundestag einziehen.

Bernd Wetzig: Bloß nicht Jamaika

Neben der rechtspopulistischen AfD haben nur die Liberalen mehr Stimmen eingefahren und deutliche Zuwächse zu verzeichnen. In allen Stimmbezirken des Altkreises Döbeln kommt die FDP über die Fünf-Prozent-Hürde, erreicht in Waldheim mit 9,2 Prozent fast die Sphären des Gesamtergebnisses auf Bundesebene. Im Vergleich zum Schicksalsjahr der Partei vor vier Jahren hat sie im Altkreis Döbeln ansehnliche Wahlergebnisse erzielt. „Ich freue mich über unser Ergebnis. Das liegt auch mit daran, dass wir im Wahlkampf flächendeckend präsent waren“, sagt Bernd Wetzig, stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP Mittelsachsen. Er sieht jetzt eine schwierige Zeit der Regierungsbildung kommen. „Ich hoffe, uns bleibt eine Jamaika-Koalition erspart und es gibt eine Minderheitsregierung mit wechselnden Mehrheiten“, sagt der Döbelner mit Blick auf die letzte Koalitionserfahrung, die die FDP mit der CDU gesammelt hat. „Auf jeden Fall müssen wir in einer Koalition unsere Positionen ganz klar benennen“, sagt Steffen Ernst, Beisitzer im FDP-Kreisvorstand, der sich ebenfalls über das gute Abschneiden seiner Partei freut.

Dirk Schilling: Wahlausgang kein Grund zur Freude

Ronald Kunze, parteiloser Bürgermeister von Hartha, sagt zum Wahlergebnis: „Man muss das ernst nehmen.“ Es zeige, dass sich die Bürger und damit Wähler, die sich mit den gesetzlichen Hintergründen, die ihr Leben direkt betreffen, durchaus intensiv auseinandersetzen. In der Bewältigung ihrer Alttagsprobleme fühlten sie sich jedoch nicht mehr mitgenommen. „Letztlich zeigt erst die demokratischen Diskussion in der neuen Bundesregierung, wer für seine Vorhaben mit den besseren Argumenten überzeugen und Finanzierungsmöglichkeiten vorweisen kann.“ Aus positivem Blickwinkel betrachtet, könne das aktuelle Wahlergebnis für die bundesdeutsche Politik der Anlass sein, sich im Sinne der Bürger wieder etwas zu straffen.

Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling (CDU) fiel es schwer, etwas aus seiner Sicht Positives am Wahlausgang zu finden. „Tatsache ist, dass die CDU die meisten Stimmen geholt hat, aber das ist überhaupt kein Grund zur Freude. Auf unsere Region bezogen ist das eine Niederlage“, sagte er der DAZ. „Mit 20 Prozent für die AfD hätten wir hier schon gerechnet, aber dieses Ergebnis ist völlig überraschend und ich denke, manch einer, der durch die Wahl nur seinen Protest ausrücken wollte, wird selbst etwas erschrocken darüber sein.“ Gründe für das schlechte Abschneiden seiner Partei konnte Schilling zwar nennen, fand das Ergebnis dennoch ungerechtfertigt. „Ich habe ein gewisses Verständnis, denn das Sicherheitsbedürfnis der Menschen ist verletzt worden dadurch, dass viele Menschen zu uns gekommen sind, von denen ein gewisser Prozentsatz auch für Kriminalität verantwortlich ist. Zugleich ist bei der Bewertung des demografischen Wandels in Sachen Lehrer und Polizisten einiges falsch gemacht worden. Aber wenn man sich die Ergebnisse der Arbeit der Regierung ansieht – und da zähle ich die SPD ausdrücklich dazu – dann stellt das Ergebnis alles auf den Kopf.“

Von Steffi Robak, Sebastian Fink, Olaf Büchel, Dirk Wurzel

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