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Sonderausstellung für Schrebitzer Komponisten

Kulturschule Schrebitz eröffnet Saison am Sonntag Sonderausstellung für Schrebitzer Komponisten

Dass im Jahre 2006 ein Sohn des Ortes Schrebitz als bekannter Komponist und Dirigent in Leipzig verstarb, hat Birgit Müller erst im vergangenen Herbst erfahren. In diesem Jahr würde Horst Karl Hessel seinen 100. Geburtstag feiern – Grund genug für die Vereinschefin, ihm eine eigene Ausstellung in der Kulturschule zu widmen.

Birgit Müller will das Andenken an Horst Karl Hessel mit einer Ausstellung ehren, die am Sonntag um 14 Uhr eröffnet wird.

Quelle: Sven Bartsch

Schrebitz. Alles begann mit einer E-Mail: „Werner Wiesenthal vom Gnadauer Posaunenbund schickte Anfang Februar eine Mail an die Gemeinde mit der Frage, ob wir zum 100. Geburtstag von Horst Karl Hessel etwas planen“, erzählt Birgit Müller und lächelt bei dem Gedanken daran, wie knapp seither alles war. Erst in dieser Woche hat die Leiterin des Schrebitzer Heimatvereins mit dem Aufbau der Sonderausstellung über den Schrebitzer Komponisten in der Kulturschule begonnen, der seine ersten vier Lebensjahre im Ort verbracht hat und später in Leipzig tätig war – unter anderem als Chef des Rundfunkchors.

Dass die Schrebitzer überhaupt auf ihren berühmten Sohn aufmerksam wurden, verdanken sie einem Besuch von Hessels Tochter Sabine Röhlich (75) im vergangenen Herbst in der ehemaligen Dorfschule, die heute als Kulturschule ein Museum ist. „Als sie in der Ausstellung war, war ich leider nicht da“, erzählt Birgit Müller. Dafür der Vereinskollege Stephan Komp, der ohnehin auf der Suche nach Schrebitzer Persönlichkeiten war und mit Sabine Röhlich gleich ein Interview vereinbarte. Sie schickte ihm zudem umfangreiche Stücke aus dem Nachlass ihres Vaters, die nun Eingang in die Ausstellung über Hessel gefunden haben.

Zu sehen sind von ihm beschriebene Notenblätter, Bilder und andere Erinnerungsstücke, wobei die Musik sein größtes Vermächtnis bleibt. „Er hat Wahnsinns-Musikstücke geschrieben. Da kann man träumen“, schwärmt Birgit Müller. „Man kannte ihn nur so. Er hat zu jeder Gelegenheit komponiert“, hat die 61-Jährige inzwischen erfahren.

Am 23. März 1916 war Hessel als Sohn des Kirchschullehrers Karl Hermann Hessel und dessen Frau Erna Louise Hessel, geborene Sieberns, in Schrebitz zur Welt gekommen. Nach vier Jahren zog die Familie weiter nach Nerchau. 1926 kam Hessel Junior an die berühmte Leipziger Thomanerschule, war Thomaner unter Kantor Karl Straube, der ihn förderte und nach seinem durch den Reichsarbeitsdienst unterbrochenen Studium der Kirchenmusik in Leipzig zum Abschluss an die Musikhochschule nach Stuttgart schickte. Nach dem Krieg kehrte er 1945 nach Leipzig zurück, wo seine Angetraute Margarete Kube lebte. Am 1. November 1946 trat er sein Amt als Korrepetitor (Klavierbegleiter bei der Orchesterprobe) beim Sender Leipzig an, der er bis 1985 blieb. Zu Beginn dieser Zeit gab er sich den zweiten Vornamen Karl, da er bei der Ansage im Rundfunk oft mit Horst Wessel verwechselt worden war. Zwei Jahre leitete er auch den Leipziger Rundfunkchor. Doch die Leidenschaft des Musikers galt der Orgel, für die er zeitlebens Stücke schrieb. Seine Notenhandschrift war dabei so genau, dass sie ohne Bearbeitung abgedruckt werden konnte.

Solche und weitere Fakten bekommen Besucher der Schrebitzer Kulturschule am Sonntag zur Ausstellungseröffnung von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Im Hintergrund will Birgit Müller die Musik des Komponisten laufen lassen. Und ein besonderes Treffen erwartet Besucher am Eröffnungsnachmittag: Sabine Röhlich kommt extra aus Leipzig nach Schrebitz, um Fragen zu beantworten und mehr über den Geburtsort ihres Vaters zu erfahren.

Von Sebastian Fink

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