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Sparbrötchen aus dem Automaten

Sparbrötchen aus dem Automaten

Es ist nicht mehr nur eine Frage des guten Geschmacks: Ob der Tiefkühl-Teigling zum Aufbacken aus Übersee oder das gute alte Landbäckerbrötchen auf den Frühstückstisch kommt, entscheidet nicht zuletzt der Geldbeutel.

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Ob Brot oder Brötchen: Traditionell handwerklich arbeitende Bäckereien, wie der Familienbetrieb von Gerd Zschiesche in Roßwein, setzen im Preiskampf mit den Discountern auf Geschmack und Qualität.

Quelle: Sven Bartsch

Region Döbeln. Gerd Zschiesche, der die Familienbäckerei in der Roßweiner Stadtbadstraße fortführt, verlässt sich auf die eigene Qualität. "Ich bin der Meinung, die Brötchen im Supermarkt gab es schon immer. Früher musste man sie zu Hause selbst backen, heute backt sie eben der Laden. Aber das ist eine andere Qualität als beim Bäcker und das schmecken die Leute auch." Demnach haben seine Kunden auch offen zugegeben, die meist günstigeren Brötchen probiert zu haben - jedoch ohne bleibenden Eindruck. "Wir haben das ja aktuell in Roßwein bei Lidl wo die Backautomaten neu sind. Aber dann kommen die Leute doch wieder zu uns, weil die Brötchen schon am selben Abend trocken geworden waren", erzählt Zschiesche.

Dass die Teiglinge inzwischen um die halbe Welt geflogen und dann vor Ort ein zweites Mal gebacken werden, mache sich dabei bemerkbar. Und preislich seien die Supermärkte gar nicht so weit voraus. "Beim normalen Standardbrötchen haben die natürlich einen Kampfpreis, aber darüber hinaus schon nicht mehr. Doch wer das Geld für ein Bäckerbrötchen früher nicht hatte, der war vorher nicht unser Kunde und wird es jetzt auch nicht werden", meint Zschiesche.

Swen Liebsch, Bäcker aus Leisnig, sieht das Problem "im ländlichen Raum noch nicht so stark angekommen, wie in Großstädten. Die Dichte der Discounter mit Backautomaten ist hier noch nicht so hoch, wie in den Städten: "Aber wir merken das natürlich auch. Insbesondere daran, dass wir bei einer hohen Arbeitslosenquote auch vermehrt Kundschaft haben, die aufs Geld schauen muss. Die kaufen verstärkt die billige Tiefkühlware im Supermarkt, als das teurere Brötchen beim kleinen Bäcker. Das leisten sich immer mehr nur am Wochenende." Einen Hauptgrund, warum immer mehr Familienbetriebe aufgeben, sieht Liebsch aber im Generationenwechsel. "Kleine Bäckereien finden immer seltener Nachfolger. Die Übernahme von Landbäckereien ohne großes Filialnetz ist fast aussichtslos", so Liebsch.

Der Döbelner Bäckermeister Michael Hampel sagt: "Die Backautomaten sind ein Problem. Die Preise, die dort gemacht werden, können wir nicht bieten. Wollen wir aber auch gar nicht. Wir sind Handwerksbetriebe, die traditionell handwerkliche Produkte anbieten, die mit der Tiefkühlware nichts gemein haben", erklärt Hampel, der zwei Filialen in Döbeln-Keuern und Sörmitz betreibt. Dort hat er Kundschaft, die genau wisse, welche Arbeit darin steckt und dass sie frische Backwaren kaufen. "Ich möchte jedenfalls nicht wissen, was alles in den Teiglingen ist, die künstlich ewig haltbar gemacht werden", so Hampel, der nur ein Rezept im Konkurrenzkampf hat: "Wir Landbäcker heben uns ab, durch traditionelles Handwerk."

 

 

 

 

 

 

Immer weniger Bäckereien im Landkreis Mittelsachsen

Mittelsachsen (bm). In Mittelsachsens Backstuben bleibt der Ofen immer öfter kalt. Die Zahl der Betriebe im Landkreis sank von 2008 bis Ende vergangenen Jahres von 115 auf 99. Kleinen und mittelgroßen Bäckern setzen Filialisten und Backautomaten zu. Experten sehen dennoch Chancen für traditionelle Handwerksbetriebe.

Im Bezirk der Handwerkskammer Chemnitz gab es 2008 noch 586 eigenständige Bäckereihauptbetriebe (Filialen nicht eingerechnet). Ende vergangenen Jahres waren es noch 516. Die Zahl der Verkaufsstellen sinkt dabei nicht zwangsläufig, da Läden häufig von Filialisten übernommen werden.

Der Leipziger Branchenexperte Michael Rölker empfiehlt kleinen und mittleren Betrieben, sich regional oder lokal zu konzentrieren, das Sortiment zu verkleinern, Marktnischen zu besetzen und verstärkt Snacks anzubieten. Nachholbedarf gebe es beim Auftritt im Verkauf und Kundenservice. Wenn die Bäcker hier ansetzten, hätten sie eine Chance.

Der Handwerksbäcker könne bestehen, wenn er "etwas Eigenes und Besonderes macht, was sonst kein anderer hat" - und wenn der Standort stimmt, sagt Jens Herzog, Obermeister der Bäckerinnung Leipzig. Von Backautomaten seien Kollegen mit Filialen in Supermärkten "oft ganz schlimm betroffen". Dass wegen eines Backautomatens ein Kollege aufgeben musste, hat er allerdings noch nicht gehört, so Herzog.

Thomas Lieb, Sebastian Fink

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