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Sport Stacking macht in Altenhainer Kita gute Laune

An die Becher! Sport Stacking macht in Altenhainer Kita gute Laune

Für die einen sind es nur Becher, für die anderen ist es das ultimative Geschicklichkeitsspiel: Speed oder Sport Stacking – Becher Stapeln – macht nicht nur Laune. Der rasante Zeitvertreib fördert die Konzentration und kann Kindern helfen, leichter zu lernen. Sportlehrerin Rica Schuster aus Waldheim hat das Potenzial der Stapelbecher für sich entdeckt.

Stapeln wir mal: Rica Schuster und Armin Scheidig haben Vier- und Fünfjährige in der Atenhofer Kita Funtasia in die Kunst des Becherstapelns eingeweiht.
 

Quelle: Fotograf Sven Bartsch

Leisnig/Waldheim.  „Jeder nimmt sich jetzt mal drei Becher in seiner Lieblingsfarbe!“ Die heutigen „Azubis“ sind gerade einmal vier und fünf Jahre alt. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint – es ist ein gutes Alter, um Speed Stacking zu erlernen. Die ersten Erfolge stellen sich – je nach individuellem Geschick – schnell ein. Rica Schuster, die gemeinsam mit Armin Scheidig von ML Sports aus Döbeln diese besondere Sportstunde erteilt, hat das Becherstapeln vor knapp 20 Jahren kennengelernt. Als Teil des ganzheitlichen Bildungskonzeptes an der Montessori-Schule, die ihre Kinder damals besuchten. Das Gehirn mit Spaß zu trainieren – Speed Stacking ist genauso wie das auf dem Vormarsch befindliche Life Kinetic eine Möglichkeit, die grauen Zellen in Bewegung zu bringen, beziehungsweise die Gehirnleistung zu verbessern.

Aufwärmübung fürs Gehirn

In Altenhof, wo David, Tyran, Pauline, Nathalie und Edgar gerade dabei sind, mit ihrer Lieblingshand erste Türme zu stapeln und wieder koordiniert abzubauen, spielt der wissenschaftliche Hintergrund nur für die Erwachsenen eine Rolle. Rica Schuster, seit 2015 lizenzierter Trainer bei der Deutschen Gesellschaft für Gehirntraining, hat jahrelang Erfahrung gesammelt und mit ihren Kindern am eigenen Leib gespürt, wie positiv sich das schnelle Becherstapeln auf Gedächtnisleistungen auswirkt. „Meine Kinder nutzen es heute noch vor Prüfungen – quasi als Aufwärmübung fürs Gehirn“, erzählt sie und erklärt weiter: „Der Leistungssportler kann auch nicht ohne Erwärmung Höchstleistungen erbringen. Genauso verhält es sich mit unserem Gehirn.“

Bunte Becher überall

Bunte Becher überall: Auf spielerische Art und Weise werden die Vier- und Fünfjährigen in der Altenhofer Kita ans Stapeln herangeführt.

Quelle: Fotograf Sven Bartsch

Ein entscheidender Faktor beim Becherstapeln ist das Benutzen beider Hände. Der schnelle Wechsel von rechts und links und das Überkreuzen der Gesichtsmitte fördert die Aktivität beider Gehirnhälften. „Durch diese Aktivität werden neue Verknüpfungen im Gehirn gebildet, die bei regelmäßiger Beschäftigung mit Sport Stacking zu Nervenautobahnen ausgebaut werden können“, nutzt Rica Schuster einen Vergleich. Diese Nervenbahnen sind schließlich hilfreich auch beim Erlernen ganz anderer Inhalte oder Fertigkeiten. „Für das Lernen in Mathematik beispielsweise ist Speed Stacking hilfreich.“ Der Leipziger Sportwissenschaftlicher Michael Draksal empfahl 2007 sogar, dass Lehrer an Grundschulen den Unterricht mit Koordinationsspielen wie dem Sport Stacking beginnen sollten, weil zwischen Koordination, Gleichgewicht, Reaktionsübungen und Konzentrationsfähigkeit ein enger Zusammenhang besteht.

Voraussetzung ist regelmäßiges Training. Klar: Synapsen bilden sich immer dann, wenn sie angeregt werden. Wiederholtes Training verbessert die Auge-Hand-Koordination und die Konzentration. Und nicht nur Fünfjährige wie die Jungs und Mädchen in Altenhof haben so nach einem Vierteljahr sogar die Wettkampfform intus. Sondern auch Erwachsenen und Senioren kann der spaßige Sport zu mehr geistiger Fitness verhelfen.

Von der Lernmotivation zum Wettkampf

Die Kindergartenknirpse in Altenhof sind selbstverständlich noch weit von der Wettkampfform entfernt. Doch das ist gar nicht schlimm. Die spielerische Art, in der Rica Schuster die Prinzipien des Stapelns der bunten Becher vermittelt, kommt an. Es macht Gaudi, bunte Türme zu bauen und wieder abzuräumen, vorwärts, rückwärts, am Tisch entlang laufend. Dass sie nebenbei automatisch lernen, fällt Tyron & Co gar nicht auf. „Am Anfang steht immer erst einmal die Lernmotivation“, erklärt Rica Schuster ihr Anliegen, das Lernen für Kinder leichter zu machen und dafür diese spielerische Möglichkeit zu nutzen. Der Wettkampf kommt später.

In Zschopau, weiß sie, die als Grundschullehrerin selbst mit den Methoden der spielerischen Konzentrationsförderung arbeitet, wird jedes Jahr eine Sachsenmeisterschaft ausgetragen. Wer dort starten will, braucht eine bestimmte Qualifikationszeit. Also: Drei Türme aus jeweils drei Bechern müssen nacheinander möglichst schnell und fehlerfrei auf- und wieder abgebaut werden. Doch es muss ja nicht gleich die Sachsenmeisterschaft sein. Gegeneinander antreten kann man auch zu Hause, mit Freunden, der Familie, Mitschülern. Das Um-die-Wette-Stapeln bedeutet zwar im ersten Moment Stress, doch mit zunehmender Übung lernt man auch unter diesen Bedingungen locker und schnell zu stapeln und beidhändig zu agieren.

Schnuppermonat für Fünftklässler

Ein Gedanke, den auch Armin Scheidig reizvoll findet. „Vielleicht können wir ja demnächst mal einen solchen Wettbewerb organisieren – mit Kindergartenkindern oder Schülern“, kann er sich gut vorstellen. Im Altenhofer Kindergarten Funtasia ist er jede Woche für drei Stunden, um mit den Kindern Sport zu treiben. Bei ML Sports ist der Diplomsportlehrer für die Life Kinetik-Kurse zuständig – ein Grund, warum er sich sofort mit der Lernförder-Idee hinter dem Sport Stacking identifizieren kann. Denn auch Life Kinetik ist eine Art Gehirnjogging mit Bewegung, welches durch ungewöhnliche und nicht automatisierte Übungen genauso wie Sport Stacking zu einer Vernetzung von Gehirnstrukturen führt.

In Altenhof ist eine Stunde mit den bunten Bechern und Rica Schuster wie im Flug vergangen. Vielleicht gibt es bald auch in Döbeln die Gelegenheit, in der Gruppe Becher zu stapeln. Rica Schuster und Armin Scheidig könnten sich vorstellen, am Gymnasium unter Fünftklässlern einen Schnuppermonat für eine AG zu starten. Ein Lernförderkonzept, das aus den drei Säulen Speed Stacking, Life Kinetic und Mentalem Aktivierungstraining besteht, schwirrt Rica Schuster auch noch durch den Kopf.

Sport Stacking

Sportstapeln“ ist ein Geschicklichkeitssport, bei dem man mit einem Satz von zwölf geformten Bechern (Cups) Pyramiden in einer bestimmten Reihenfolge auf- und wieder abstapelt. Dabei versucht man, möglichst schnell und fehlerfrei zu sein. Die Sportart wird auch als „Speed Stacking“ (Schnellstapeln) bezeichnet.

Die Becher wurden in den 1980er Jahren in Kalifornien erfunden. Sportart und die heutigen Disziplinen wurden danach vom amerikanischen Grundschullehrer Bob Fox entwickelt, der auch die Firma Speed Stacks gegründet hat.

2004 fand Sport Stacking den Weg aus den USA nach Deutschland. In den USA nehmen über 20 000 Schulen an einem Sport-Stacking-Programm teil. In einigen Schulen werden regelmäßig Meisterschaften abgehalten. Auch in Deutschland wird Sport Stacking sowohl in Schulen als auch Vereinen immer beliebter.

Speed Stacking fördert die Beidhändigkeit, die Auge-Hand-Koordination und die Reaktionsfähigkeit. Durch das abwechselnde Arbeiten mit linker und rechter Hand und das Überkreuzen der Gesichtsmitte werden beide Gehirnhälften aktiviert. Es werden neue Verknüpfungen gebildet, neue „Nervenstraßen“ gebaut, die bei regelmäßiger Beschäftigung mit Sport Stacking ausgebaut werden können. Diese neuangelegten Nervenbahnen können hilfreich sein beim Erlernen anderer Inhalte oder Fertigkeiten, wie das Spielen eines Instruments, Lesen und Schreiben oder beim Sport. Quelle: Wikipedia

Von Manuela Engelmann

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