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Spurensuche setzt Stubentiger frei

Spurensuche setzt Stubentiger frei

Eine verwahrloste Wohnung als Tatort eines vermeintlichen Verbrechens, in der wichtige Spuren fehlen. Zeugen, die bei der Polizei anders aussagen, als vor Gericht, und plötzlich nichts mehr so richtig gesehen haben.

Und nicht zuletzt der berühmte Unbekannte. Das sind die Zutaten eines Prozesses vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Döbeln unter Vorsitz von Richterin Christa Weik. Rainer X.* muss sich seit gestern wegen versuchter räuberischer Erpressung verantworten, einer Straftat, auf die eine Gefängnisstrafe von einem Jahr aufwärts steht und die darum zu den sogenannten Verbrechenstatbeständen gehört.

Am 29. Dezember 2010 habe der Angeklagte den Geschädigten Franz Y.* durch eine Glastür in einer Wohnung an der Hermsdorfer Straße geschmissen, ihn dann geschlagen, getreten und erfolglos aufgefordert, 20 Euro herauszurücken. So legt es die Staatsanwaltschaft dem 45-Jährigen zur Last, strafbar als versuchte räuberische Erpressung. Teil zwei der Anklage bezichtigt den Arbeitslosen, im Döbelner Kaufland vier Flaschen Schnaps gestohlen zu haben: Zweimal Absinth und zweimal Küstennebel. Diesen Tatvorwurf gibt der Angeklagte zu, zu dem ersteren schweigt er. Was sich in der Wohnung des Gustav Z.* an jenem Dezembertag abspielte, wo Franz Z. die Dresche verabreicht worden sein soll, muss nun die Beweisaufnahme klären.

"Die Herren Y. und Z. sahen sehr mitgenommen aus, wie nach einer Schlägerei. Außerdem waren sie sehr betrunken, es war äußerst schwer, Informationen zu bekommen", sagte Polizeimeister Falko K. von der Direktion Westsachsen aus. Zwei Dinge fielen den Beamten auf. Zunächst fehlten die Scherben der Glastür, durch die der vermeintlich Geschädigte gesegelt sein soll. "Wir suchten überall. Hinter dem Kühlschrank fanden wir eine eingeklemmte Katze, die vermutlich gestorben wäre, wenn wir da nicht hingesehen hätten", sagte der Beamte. Der fehlende Schließzylinder in der Wohnungstür war die zweite Auffälligkeit. "Ich hatte meine Schlüssel verloren und mir bei einem Bekannten einen Schließzylinder geborgt", gab Wohnungsinhaber Z. zu Protokoll. Diesen wollte der Bekannte aber wiederhaben. "Da bau' ihn halt aus", habe Z. gesagt. Ob er sah, wer seinen Kumpel angriff? "Der Blonde war's." Jenen führte auch der Geschädigte als Täter an. Nicht der Angeklagte? Richterin Christa Weik hielt Rainer X. seine Polizeivernehmung vor: "Wegen dem, was sie da gesagt haben, sitzt der Angeklagte hier." Schweigen, Schulterzucken und keine Bestätigung für seine belastende Aussage bei der Polizei. In seinen Angaben vor Gericht taucht wieder der Blonde als möglicher Täter auf. Gemeinsam mit zwei anderen Männern, die im "Sturmschritt auf mich zu gelaufen kamen." Aber er habe nicht gesehen, wer ihn schubste, schlug, trat und 20 Euro verlangte.

Mit weiteren Zeugen will das Gericht an zwei folgenden Verhandlungstagen die Beweisaufnahme fortsetzen. Für Rainer Z. geht es um einiges: Zum einen hat er, wie der Staatsanwalt durchblicken ließ, ein langes Vorstrafenregister. Und zum anderen stand er zum Tatzeitpunkt des eingestandenen Ladendiebstahls unter Bewährung. Das riecht ohnehin schon nach gesiebter Luft. Diese atmet Rainer Z. deutlich länger, wenn ihm das Gericht die versuchte räuberische Erpressung nachweist.

Dirk Wurzel *Namen geändert

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