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Döbeln Leisnigs Stadtcafé schließt: Sonntags will keiner arbeiten
Region Döbeln Leisnigs Stadtcafé schließt: Sonntags will keiner arbeiten
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00:36 09.04.2018
Christian Münch will Leisnigs Stadtcafé nie wieder öffnen. Quelle: Steffi Robak
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Leisnig

Die Formulierung „bis auf weiteres“ auf dem Zettel an der Eingangstür lässt noch hoffen. Doch Betreiber Christian Münch macht selbst alle Hoffnungen zunichte: „Kaffee trinken und dabei draußen in der Sonne sitzen wollen viele. Aber dann muss zu der Zeit auch jemand arbeiten. Gerade fürs Wochenende findet sich aber dafür niemand – zumindest nicht in Leisnig.“ Der Mangel an Personal lässt Münch kapitulieren.

Sonntag will keiner arbeiten

Zuletzt habe seine Ehefrau immer noch im Café gestanden. Das sei so nicht mehr durchzuhalten gewesen. Seit einem Jahr, so Münch, hätte es immer wieder Schwierigkeiten gegeben auf der Suche nach Personal. „Vor allem am Wochenende will niemand arbeiten, schon gar nicht am Sonntag. Doch am Wochenende haben die Leute gerade Zeit, sich im Café aufzuhalten. Eine zeitlang konnten wir damit leben, dass es im Grunde nur sonntags gut lief. Es geht aber nicht mehr.“

Der Bürgermeister schafft mir kein Personal

Insgesamt habe sich das Café unter den gegebenen Umständen nicht etabliert, sagt er. Den Vertrag mit der Stadt als Vermieter habe er gekündigt. Ein Jahr lang müsse er noch Miete zahlen. Bürgermeister Tobias Goth sei nicht begeistert gewesen. „Aber der Bürgermeister kann mir auch kein Personal schaffen.“

Leute sind eher im Imbiss

Das fehlende Personal sei das Hauptproblem. Doch der Burgbäcker, der an der Leisniger Eulenbergstraße seine Bäckerei betreibt, hat auch die anderen Rahmenbedingungen im Blick. „In der Innenstadt gibt es mehrere Einrichtungen, die unter Imbiss firmieren, mit entsprechender Ausstattung und ganz anderem Angebot als im Stadtcafé. Die Woche über sind die Leute eher dort.“

Auch am Eulenberg schon geschlossen

Münch kritisiert das in dem Sinne nicht, beurteilt hingegen ganz realistisch die vorherrschende Situation: „Allein der Umsatz der Besucher vom Sonntag und bei schönem Wetter ist auf Dauer dürftig. Damit haben wir gelebt in den vergangenen Jahren. Für mehr reicht das Publikum in Leisnig leider nicht. Dazu die angespannte Personalsituation - ich will das so nicht mehr.“ Auch am Eulenberg hat er den kleinen Laden an der Bäckerei seit geraumer Zeit geschlossen. Im Rewe ist die Kundschaft weiterhin willkommen.

Über den Winter schließen geht nicht

Wie das anderswo beispielsweise italienische Betreiber in Läden diverser Café-Ketten machen, das sei für Münch keine Option. „Das sind reine Familienbetriebe. Die arbeiten alle den Sommer über, leben im Winter in ihrer Heimat, schließen für diese Zeit das Café und kommen im Frühling wieder. Das kann ich so nicht machen. Entlasse ich vorm Winter der Personal, kommt es im Frühling nicht wieder.“

Interessierter Betreiber kann sich gern melden

360 000 Euro habe er in die Einrichtung des Cafés einst investiert. Zum Großteil sei es abgeschrieben. „Wenn jemand das Café übernehmen will, dann bitteschön. Der kann sich an mich wenden oder an die Stadt.“ Allerdings hat er auch kein Problem damit, die Einrichtung in ein anderes von ihm betriebenes Objekt einzubauen. In Großstädten wie Leipzig und Dresden ist Münch präsent, betreibt Cafés in Radebeul und in Oschatz. „Auch dort läuft es gut, nur eben in Leisnig nicht.“

Von Steffi Robak

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