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Stadtpolitik Leisnig: Käufer sollen für Altenhofer Grundstück bieten

Ausschreibung angedacht Stadtpolitik Leisnig: Käufer sollen für Altenhofer Grundstück bieten

Die Stadt Leisnig will ein Grundstück mitten in Altenhof verkaufen. Das hätte seit der jüngsten Ratssitzung beschlossene Sache sein können. Doch die CDU-Fraktion bremste das aus. Sie will eine Versteigerung. Das Bauamt soll eine Ausschreibung vorbereiten. Ob das der Stadt etwas einbringt, ist jedoch unklar.

Grundstück in Altenhof: Zum ersten Mal soll die Stadt einen Landverkauf öffentlich ausschreiben. Die CDU-Ratsfraktion will das so.

Quelle: Sven Bartsch

Altenhof. Der Kaufpreis von 9 Euro pro Quadratmeter erscheint den Leisniger Christdemokraten zu niedrig. Zudem, so CDU-Stadtrat Rüdiger Schulze, gebe es mehrere Interessenten. Die CDU setzte sich mit ihrem Antrag durch, die Stadtverwaltung solle das Grundstück im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung anbieten. Das gibt es in Leisnig zum ersten Mal.

„Es ist immerhin ein Filetstück“, begründet Schulze. Die damit verbundene Erwartung: Gibt es mehrere Interessenten, sei möglicherweise ein höherer Verkaufserlös erzielbar. Das rückt das Prozedere in die Nähe einer Versteigerung.

Eigenheimbauland für 65 Euro pro Quadratmeter

Zum Vergleich: Erschlossenes Eigenheim-Bauland am Breiten Rain in Leisnig wurde zuletzt für rund 65 Euro pro Quadratmeter gehandelt. Aus der Luft gegriffen ist der Altenhofer Quadratmeterpreis von 9 Euro dennoch nicht. Er geht auf eine Bewertung durch Mario Holland zurück. Der Döbelner Inhaber eines Sachverständigenbüros für Immobilienbewertung gehört zum Guterachterausschuss des Landkreises Döbeln. Bei Grundstücksbewertungen wie in Altenhof stützt er sich auf den aktuellen Bodenrichtwert.

In Altenhof handelt es sich lediglich um Bauerwartungsland, stellt Thomas Schröder vom Leisniger Bau- und Ordnungsamt klar. Baurecht müsse ein bauwilliger neuer Eigentümer erst beantragen. Zudem quert eine Wasserleitung einen Teil des Grundstücks. Für Trinkwasserversorger OEWA steht eine Grunddienstbarkeit im Grundbuch. Die Scheune sei für einen potenziellen Käufer ebenfalls alles andere als ein Zugewinn. Ein Giebel weist einen Riss auf. Es müsse entweder Geld aufgewendet werden, um das Haus zu sanieren. Oder der neue Eigentümer müsste den Abriss bezahlen.

Öffentliche Ausschreibung im August fertig

Im August will Schröder die Ausschreibung zur Veröffentlichung fertig haben. Darin werde eine Verpflichtung für den Käufer enthalten sein, dass er auf dem Grundstück investieren muss. Für den Fall, dass er es zum Zwecke der Spekulation später für mehr Geld weiter verkauft, sichere sich die Stadt das Recht, am Mehrerlös Teil zu haben.

Kommentar: Bei Grundstücksverkauf besser nicht pokern

Welche Vorteile sich die Leisniger CDU-Fraktion von einer Ausschreibung des Altenhofer Grundstücks verspricht, ist schlichtweg nicht nachvollziehbar. Die zwei existierenden Kaufinteressenten konkurrieren überhaupt nicht um das Grundstück, haben sich sogar einvernehmlich auf die Teilung geeinigt. Sie werden sich wohl kaum gegenseitig überbieten wollen. Noch dazu hat das vermeintliche Filetstück Pferdefüße, womit sich der Preis gar nicht in schwindelerregende Höhen treiben lässt.

Die Stadt setzt sich mit der öffentlichen Ausschreibung hingegen einem Risiko aus: Ersteigert es jemand von außerhalb, nur weil er ein paar Euro irgendwo parken möchte, dann bleibt alles möglicherweise liegen wie es ist und nichts entwickelt sich im Dorf. Die beiden einheimischen Kaufinteressenten hätten noch dazu allen Grund, sich über eine derart verquere Stadtratspolitik schwarz zu ärgern. Was hat die Kommune in dem Fall gekonnt? Die paar Euro mehr Verkaufserlös hat dann wahrscheinlich schon der Aufwand für die Ausschreibung aufgefressen. Beispiele für eher unglückliche Grundstückskäufe oder Eigentumsverhältnisse, die die Stadt- und Dorfentwicklung hemmen, gibt es in und um Leisnig genug - weil der Eigentümer nicht will, mangels Finanzkraft nicht kann, oder es an potenziellen Nutzern fehlt.

Man denke an prominente Beispiele wie das Olbricht-Haus mit Eigentümer in Dubai oder den Bahnhof, der einem Mann aus der Schweiz gehört. Ein zusammengefallenes Haus in der Poststraße oder weitere extrem schlimme Beispiele in diversen Dörfern zeigen: Die Stadt Leisnig kann es sich gerade nicht leisten zu pokern, wenn es um derartige Beschlüsse geht. Steffi Robak

Wie der frühere Bürgermeister und heutige Ortsvorsteher von Bockelwitz, Michael Heckel, auf Anfrage informiert, habe die Gemeinde das Grundstück von einer Erbengemeinschaft erworben. Mit Blick auf die Dorfentwicklung sei das Ziel verfolgt worden, Brachen nach Möglichkeit zu vitalisieren. Bis auf die Scheune ließ die Gemeinde Bockelwitz bereits weit vor der Eingemeindung nach Leisnig andere Gebäude der alten Hofstelle abreißen.

Grundstück seit Mitte der 90er Jahre zu haben

Die Stadt Leisnig hätte das Grundstück demnach längst verkaufen können, wenn Interessenten Schlange gestanden hätten. Seit Mitte der 90er Jahre steht es im Grunde zum Verkauf zur Verfügung.

Bei den jetzigen Kaufinteressenten - beides Einheimische mit konkreten Vorhaben – handelt es sich nach den Worten von Thomas Schröder nicht einmal um konkurrierende Käufer. Jeder kauft das Stück, das er möchte. Auf eine Grundstücksteilung hätten sie sich bereits geeinigt. Eine Neuvermessung sei auf jeden Fall nötig, so Schröder, denn 280 Quadrater der insgesamt 4580 Quadratmeter großen Fläche will die Stadt behalten. Die Neuvermessung müssen die Käufer also zusätzlich zum Kaufpreis auch noch finanziell mit einkalkulieren.

Von Steffi Robak

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