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Stadtrat soll Gersdorfer Grundschule retten

Schülermangel Stadtrat soll Gersdorfer Grundschule retten

Der Gersdorfer Grundschule gehen die Schüler aus. Im kommenden Jahr wird voraussichtlich keine neue erste Klasse zustande kommen. Als Alternative sieht das Kultusministerium jahrgangsübergreifenden Unterricht vor. Dem muss der Stadtrat aber noch zustimmen.

Wenn in Gersdorf die Erstklässler ausbleiben, muss die Tür für immer geschlossen bleiben.

Quelle: Sven Bartsch

Gersdorf. „Das ist die einzige Möglichkeit, unsere Grundschule weiter zu erhalten“, sagt Jörg Keul unverblümt mit Blick auf die für Donnerstagabend angesetzte Stadtratssitzung. Die Zukunft seiner Grundschule hängt an einem immer dünner werdenden Faden und in großen Teilen davon ab, was die Stadträte von der Einführung jahrgangsübergreifenden Unterrichts in der Gersdorfer Grundschule halten. Aller Voraussicht nach können die Gersdorfer im kommenden Schuljahr 2016/17 nämlich nicht mehr die vom Gesetzgeber geforderte Mindestschüleranzahl für eine neue erste Klasse stellen. Im sächsischen Schulgesetz heißt es dazu: „Die Mindestschülerzahlen an allgemein bildenden Schulen betragen an Grundschulen für die erste einzurichtende Klasse je Klassenstufe 15 Schüler und für jede weitere einzurichtende Klasse 14 Schüler.“ Der Ausfall eines Jahrgangs zieht zwar noch keine unmittelbaren Konsequenzen nach sich, jedoch können die Folgen umso verheerender ausfallen, wenn sich diese Entwicklung auch in den darauffolgenden Jahren wiederholen sollte. „Die Voraussetzung der Weiterführung einer Schule ist es, mindestens zwei Klassen vor Ort zu haben“, erklärt Lutz Steinert von der für Gersdorf zuständigen Regionalstelle Chemnitz der sächsischen Bildungsagentur. „Mit noch weniger lässt sich Schule nicht mehr sinnvoll organisieren.“ Doch genau darauf steuert Gersdorf angesichts der demografischen Entwicklung zu. Damit es nicht zum Äußersten kommen muss, sieht das Kultusministerium den jahrgangsübergreifenden Unterricht, in dem Schülerinnen und Schüler aus zwei Jahrgängen zu einer großen Lerngruppe zusammengefasst werden, als alternative Regelung vor. Für die Kinder bedeutet das im Alltag, auch von ihren älteren Klassenkameraden zu lernen. Schulleiter Jörg Keul sieht darin nicht nur die Rettung seiner Schule: „Das hat wunderbare Auswirkungen auf die Sozialkompetenz. Außerdem werden die Kinder selbstständiger.“ Das bedeutet jedoch nicht, dass Lehrer ihre pädagogische Verantwortung in Teilen auf ihren Schülern abladen. „Dreh- und Angelpunkt wird immer der Lehrer sein, der den Prozess steuert. Der Lehrer ist unverzichtbar!“, beteuert Lutz Steinert. Unverzichtbar sind deswegen auch Fortbildungen, um dem erweiterten Anspruch des jahrgangsübergreifenden Unterrichts gerecht werden zu können. „Differenzierter Unterricht ist die größte Herausforderung und erfährt noch mal eine ganz andere Dimension“, erklärt Lutz Steinert. Im Klartext: Für die Lehrer wird es künftig schwieriger, auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Schülers einzugehen. Deswegen braucht es zusätzlich ein neues pädagogisches Konzept, das auf die spezifische Situation der Grundschule zugeschnitten ist. Das soll außerdem dazu beitragen, die soziale Gemeinschaft der Schule als Ganzes zu stärken.

In Gersdorf zeigt man sich trotzdem gewillt, diesen Weg einzuschlagen. Die Lehrerschaft hat sich bereits eindeutig positioniert und auch zahlreiche Eltern wünschen sich den Fortbestand der Grundschule – nicht zuletzt, um den Schulweg für die Kinder so kurz wie möglich zu halten. “Das ist eine neue Herausforderung, der wir uns für die Schule stellen“, hält Jörg Keul fest. „Es ist die einzige Möglichkeit, die das Schulgesetz übrig lässt.“

Von André Pitz

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