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Döbeln Stadtwerke Döbeln profitieren vom Frost
Region Döbeln Stadtwerke Döbeln profitieren vom Frost
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18:13 27.02.2018
Aus dem Frost das Beste machen – zum Beispiel Schlittschuhlaufen auf dem Bürgergarten-Teich. Was die Stadt Döbeln allerdings nicht gerne sieht und auch keine Haftung übernimmt. Quelle: Sven Bartsch
Region Döbeln

Für teuer Geld spendierten die Stadtwerke den Döbelnern bei zweistelligen Plusgraden eine Eisbahn auf dem Obermarkt. Nun hat Väterchen Frost die Teiche im Bürgergarten für lau gefrieren lassen.

Obacht auf dem Eis

Aber Vorsicht! „Eine laufende Kontrolle der Eisdicke durch die Stadt ist nicht machbar. Die offizielle Freigabe von Eisflächen zum Schlittschuhlaufen et cetera durch die Stadt wird es deshalb nicht geben“, informiert Thomas Mettcher, Sprecher der Stadtverwaltung Döbeln. Die Teiche im Bürgergarten sind zwischen einem halben und anderthalb Meter tief. „Sie sind de facto Fließgewässer, werden durch den Beulebach und dem Bärentalbach gespeist. In den Zufluss- und Ablaufbereichen ist das Eis daher deutlich dünner, als auf den restlichen Flächen“, so Thomas Mettcher. „Die Stadt Döbeln weist ausdrücklich darauf hin, dass das Betreten von zugefrorenen Flächen wie den Bürgergartenteichen in Döbeln auf eigene Gefahr geschieht.“ Allgemeine Gültigkeit haben die Hinweise, die die Harthaer Feuerwehrkameraden auf ihrer Facebookseite geben: Bei Eisdecken auf Gewässern, wie Flüssen, Seen und Teichen, ist absolute Vorsicht geboten. Warnhinweise sollte man ernst nehmen.

Asphalt statt Spritzeis in Waldheim

Sicher Schlittschuhlaufen auf einer Spritzeisbahn – in Waldheim wäre das möglich. Aber Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) muss den Eisfreunden leider absagen. „Uns fehlt der Schnee“, sagt der Bürgermeister. Aus diesem hatte der Bauhof bei bisherigen Spritzeisbahnen immer die Banden modelliert. Dazwischen gefror das Wasser. Zwischen Autohaus Hering und neuer Zschopaubrücke liegt die für die Bahn geeignete Fläche. Ältere Waldheimer haben sie noch als Eisstadion in Erinnerung, als Austragungsort vor Eishockeyspielen. Steffen Ernst weist daraufhin, dass die Fläche mittlerweile asphaltiert ist. Der schwarze Belag heizt sich bekanntlich in der Sonne auf. Das ist nicht gerade förderlich für das Gefrieren des Wassers.

Wegen Frost kein Beton in Döbeln

Wegen den frostigen Temperaturen stellte die Baufirma Hundhausen die Arbeiten am Hochwasserschutz für die Döbelner Innenstadt zunächst bis kommende Woche ein. „Grund ist weniger, dass wir bei Minus zehn Grad die Bohrpfahlwände nicht betonieren könnten. Die Pfähle sind tief im Erdreich und die Bohrtechnik interessiert der Frost auch nicht. Vielmehr bekommen unsere Baustellen bei diesen Minusgraden vom Betonwerk keinen Beton mehr geliefert, denn für den Beton gibt es klare Vorschriften, was die Temperaturen angeht“, sagt Thomas Zechendorf, Projektleiter für die Bauarbeiten in der Döbelner Flutmulde bei der Landestalsperrenverwaltung, Betrieb Rötha.

Erdgasverbrauch steigt um 20 Prozent

Gunnar Fehnle, Geschäftsführer der Stadtwerke Döbeln, kann mit dem Frost gerade ganz gut leben. „Erdgas und Kälte passen gut zusammen. Die Erdgasleitungen liegen frostsicher in der Erde und natürlich steigt mit dem Wärmebedarf auch der Erdgasabsatz.“ Bei diesen Temperaturen kratzen die Stadtwerke Döbeln bei der Belieferung ihrer rund 4000 Erdgaskunden an der Marke von zwei Millionen-Kilowattstunden am Tag. „Dazu braucht es schon ein paar Tage mindestesn minus zehn Grad“, weiß Fehnle. Bis zu 20 Prozent geht der Erdgasverbrauch bei solchen Temperaturen nach oben. Beim Strom sind es dagegen um die fünf Prozent. Ein paar frostige Tage im Februar und März können bei den Stadtwerken so den deutlich geringeren Gasabsatz im Januar wieder etwas ausgleichen. „Der Januar war mit Temperaturen um die 15 Grad Plus der wärmste seit vielen Jahren. Da haben wir 20 Prozent weniger Erdgas abgesetzt.“

Landwirte nicht glücklich

In Waldheim fehlt der Schnee für die Eisbahn – aber auch die Landwirte vermissen ihn. „Bei diesen Temperaturen von minus 15 bis minus 20 Grad Celsius besteht die Gefahr von Erfrierungen“, sagt Torsten Krawczyk, Landwirt in Westewitz und Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz. Gerade durch den warmen Januar habe sich die Natur schon auf Vegetation eingestellt. Betroffen sind Kulturen, die die Landwirte bereits im vergangenen Jahr gedrillt haben, wie etwa Getreide und Raps. Darum sehen die Landwirte den Frost mit einiger Sorge. Die „große Katastrophe“ sieht Torsten Krawczyk aber nicht. Klar ist aber: Der späte Winter kann Schaden machen.

Mit Babys nicht nach Draußen gehen

Vom Döbelner Kinderarzt Dr. Eckhardt Erdmann gibt es die dringende Empfehlung an frischgebackene Eltern, den Aufenthalt mit Babys bei Temperaturen um die minus 10 Grad zu vermeiden. Und auch für größere Steppkes gelten bei dieser Kälte besondere Vorsichtsmaßnahmen: „Die Gesichtshaut mit einem Fettfilm schützen und gegebenenfalls ein Tuch vor den Mund gegen die eisige Luft.“ Sport im Freien ist bei diesen Temperaturen für Minis grundsätzlich nicht empfehlenswert. Ein Hinweis insbesondere für alle Teenies: Dieser Tage vielleicht doch mal auf die Sneakers oder Turnschuhe verzichten und warmes Schuhwerk anziehen. Ansonsten spielen die aktuellen Temperaturen den Ärzten eigentlich in die Hände: „Bei dieser Kälte haben es Viren schwerer, sich auszubreiten“, so der Mediziner.

Baustopp in Hartha

Der Einbruch des Winters sorgt auch für einen Stopp auf dem Bau in Gersdorf (Stadt Hartha). Dort ist wegen der Temperaturen der Kanal- und Kläranlagenbau ausgesetzt. Auch der Mischwasserkanal in der Harthaer August-Bebel-Straße muss ruhen. „Diese Woche wird mit Sicherheit auf der Baustelle nichts passieren“, bestätigt Christian Bernstein, Bauleiter der Reif Baugesellschaft, die in Hartha den Zuschlag erhielt. Der Frost weist die Kanalbauer in ihre Schranken: So werden etwa die Dicht-Gummis der Muffen an den Rohre zu hart, um sie zu verlegen. Zieht das die Verkehrseinschränkungen für die Anwohner in die Länge? „Wir hoffen nicht, dass sich der Bau damit verzögert. Aber wenn es weiterhin kalt bleibt, verzögert er sich nach hinten.“ Man müsse beobachten, wie sich die Lage weiter entwickelt.

Von Manuela Engelmann, Thomas Sparrer, Manuel Niemann und Dirk Wurzel

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