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Stanislaw Tillich fordert mehr Zivilcourge: Ministerpräsident auf Gut Gödelitz beim Ost-West-Forum

Stanislaw Tillich fordert mehr Zivilcourge: Ministerpräsident auf Gut Gödelitz beim Ost-West-Forum

Wenn der Landesvater kommt, ist die Hütte voll. Auf dem gut besuchten Gut Gödelitz war am Sonnabend Ministerpräsident Stanislaw Tillich zu Gast.

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Nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen, wenn es Missstände zu beseitigen gilt: Sachsens Landesvater Stanislaw Tillich sprach auf dem Gut Gödelitz.

Quelle: S Bartsch

Gödelitz . "Heimat Sachsen - Herausforderungen und Strategien" war sein Thema. Ein weites Feld. Tillich sprach über so ziemlich alles - von Sachsens Finanzdisziplin bis zum Waldumbau.

Eines stellte Tillich mehrmals klar: Kein Bürger dürfe immer auf andere zeigen, wenn es darum geht, Missstände zu beseitigen. "Wenn wir immer glauben, das kann jemand anders erledigen, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen", sagte Tillich etwa zum Thema Rechtsextremismus. Jeder sei gefordert dagegen anzugehen, im privaten und im beruflichen Bereich, forderte der Ministerpräsident mehr Zivilcourage.

Die sächsische Heimat stand und steht vor Herausforderungen. Nach der friedlichen Revolution hätten ostdeutsche Unternehmen in einem gesättigten und verteilten Markt schwierige Voraussetzungen gehabt. Für die empfangene Solidarität müsse man dankbar sein - und damit leben, dass die Transfers nun zurückgehen; Sachsen bekommt weniger Geld. Die Konsequenz müsse weiterhin sein, "dass wir heute kein Geld ausgeben, das wir nicht einnehmen, um künftige Generationen nicht zu belasten".

Keine Perspektiven in Sachsen? Kein Ausbildungs-, kein Arbeitsplatz? - Es müsse in die Köpfe einiger Eltern, dass das längst nicht mehr so ist, sagte Tillich mit Blick auf unbesetzte Lehrstellen und den Fachkräftemangel. Chancen lägen auch in der herausragenden Forschung, im sächsischen Bildungssystem, in der Kinderbetreuung.

Eine von vielen Herausforderungen: Unternehmensstandorte im Freistaat sind meist so modern, dass es dort kaum Arbeitsmöglichkeiten für Geringqualifizierte gibt. In älteren westdeutschen Niederlassungen existierten noch Jobs, die hier ausgestorben sind. Weiteres Problem: die Alterung. In Mehrgenerationenhäusern und in Vereinen könnten sich Alt und Jung begegnen und voneinander lernen, zum Beispiel beim Umgang mit neuen Medien. Einer institutionellen Förderung für das Ost-West-Forum erteilte Tillich auf Nachfrage eine Absage. Ein Roßweiner monierte den Niedergang seiner Stadt und verrottende Immobilien, deren Eigentümer sich nicht kümmern. Der Erfolg sei noch nicht überall angekommen, sagte Tillich, aber: "Über 80 Prozent der erfolgreichen Unternehmen in Sachsen befinden sich im ländlichen Raum." Nachlässigen Immobilien-Besitzern solle man etwa über Straßenausbaubeiträge in die Pflicht nehmen oder ihnen die Häuser abkaufen; für den Abriss gebe es dann Förderungen. Größere Biogasanlagen in dicht besiedelten Gebieten lehne er ab, erklärte Tillich auf eine Nachfrage zu den Anlagen, die zurzeit im Raum Döbeln geplant werden.

Er habe noch gar nichts über die Drogenproblematik in Sachsen gesagt, erklärte Elsbeth Pohl-Roux aus Klosterbuch. Auch hier appellierte Tillich an die Eigenverantwortung - und die Verantwortung für Freunde, Kollegen und Nachbarn. Jeder sei gefragt.

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