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Sternstunden für die Ziegrarer Kirche

Benefiz Sternstunden für die Ziegrarer Kirche

Am Wochenende steht das nächste Sternstundenkonzert in der Kirche Ziegra an. Zum 13. Mal organisieren Christiane und Christian Otto den Benefiznachmittag, mit dem sie schon die Restaurierung der Kirchenorgel finanzieren konnten. Jetzt soll statt einer nackten Glühbirne wieder ein klassischer Kronleuchter ins Kirchenschiff kommen und auch die Turmuhr soll wieder ticken.

Die Sternstunden haben Christiane und Christian Otto in der Ziegraer Kirche sogar als Logo zum Anfassen: Ein geschmiedeter Stern und der über 100 Jahre alte Wecker von Christian Ottos Großmutter läuten jedes Mal das Konzert ein.

Quelle: Sven Bartsch

Ziegra. Christiane und Christian Otto (beide 67) sind seit 45 Jahren verheiratet und es ist zu spüren, dass sie ein eingespieltes Team sind, die ihre Aufgaben mit viel Humor bewältigen. „Sie war gar nicht einfach zu finden. Der Vorname gab letztlich den Ausschlag“, sagt Christian Otto augenzwinkernd zur Partnersuche mit dem fast gleichen Vornamen. Und als sie erzählt, wie der Oederaner Sachse die Bentwischer Vorpommerin einst auf dem Zeltplatz in Binz kennenlernte, meint er: „Ich wusste am ersten Abend, dass ich sie heiraten will. Das hat sie mir aber nie geglaubt“, und beide müssen lachen.

Es ist diese Art des Umgangs miteinander, die Familie Otto auch stressige Tage überstehen lässt. Zum Beispiel, wenn wieder einmal ein Sternstundenkonzert in der Ziegraer Kirche ansteht, wie am kommenden Sonntag. „Da sind 1000 kleine Dinge zu tun. Von der Idee bis zur Umsetzung ist es ein langer Weg“, sagt Christian Otto. Rund ein Jahr Vorlaufzeit benötigen beide für die zwei Mal pro Jahr stattfindenden Konzerte. „Wir suchen nach Künstlern, was sie kosten, woher das Geld kommen könnte“, erklärt Christian Otto. Unterstützung kommt vom Ziegraer Ortschaftsrat, mit dessen Vorsitzender Helga Busch die Ottos ein gutes Verhältnis pflegen. Diesmal haben der ehemalige Lehrer für Geografie und Sport und die frühere Inhaberin der Gingko-Apotheke in Döbeln-Nord das Streichquartett des Kammerorchesters Döbeln eingeladen, die „Ohrwürmer und Gassenhauer“ zum Besten geben. Eintritt verlangen sie nie, bitten die rund 100 Besucher lieber um eine Spende in die Kollekte. Um den Nachmittag neben dem rund 75-minütigen Konzert zu einem richtigen Treffpunkt für Anwohner und Gäste zu machen, bitten Christiane und Christian Otto anschließend auf die Kirchwiese oder ins Pfarrhaus zu „Häppchen und Schlückchen“, wie sie es liebevoll nennen. „Acht bis zehn Leute aus der Gemeinde helfen uns. Meine Frau backt Brot und die Leute bringen Aufstriche mit“, sagt Christian Otto. Und Christiane Otto meint: „Das ist immer ein Impuls für die Kirchgemeinde. Da treffen sich Leute, die sich lange nicht gesehen haben. Und es kommen auch welche wie der frühere Waldheimer Apotheker Jochen Müller. Der lebt jetzt in Berchtesgaden und kommt zum zweiten Mal wieder, weil es ihm so gut gefallen hat.“

In den letzten Wochen haben beide schon jede Menge Werbeflyer für das Konzert unter die Leute gebracht, um die kleine Kirche in Ziegra wieder gut zu füllen. „Wir laden alles und jeden ein, den wir kennen. Wir verteilen auch Flyer, wenn wir im Theater in Döbeln sind. Es hilft, wenn man den Leuten den Zettel persönlich in die Hand drückt und noch zwei Worte dazu sagt, statt ihn nur in den Briefkasten zu werfen“, ist Christiane Otto sicher.

Viele der rund 130 Plätze in der Kirche werden am Sonntag nicht leer bleiben. Was nach dem Nachmittag an Geld übrig bleibt, fließt in aktuelle Kirchenprojekte. „Die Turmuhr ist kaputt. Nach dem Konzertwochenende kommt ein Uhrensachverständiger von der Landeskirche, der Firmen kennt, die so etwas reparieren können und auch die Kosten schätzen kann“, sagt Christian Otto. Und noch eine Veränderung soll es geben: Etwas einsam hängt eine einzelne Glühbirne an der Decke des Kirchenschiffs. Wenn diese nicht gerade zur Adventszeit den Weihnachtsstern beleuchtet, gibt sie ein recht klägliches Bild ab. „Früher hatten wir einen schönen Kronleuchter dort hängen. Das Original haben wir beim Aufräumen gefunden. Jetzt wollen wir einen neuen anbringen lassen“, sagt Christian Otto.

Dass die beiden Vorhaben realisiert werden, ist angesichts des Einsatzes der Ottos und der ganzen Kirchgemeinde unschwer vorstellbar. Schließlich haben sie mit der Restaurierung der Kirchenorgel über die Sternstundenkonzerte schon einen großen Erfolg zu verzeichnen. Seit 2014 ist sie mit ihren Originalpfeifen von 1852 wieder im Einsatz. Die Idee zu den Benefizkonzerten für die Kirche brachte ein Freiberger Zitherspieler 2010 nach Ziegra. „Er hatte uns ein Benefizkonzert vorgeschlagen. Das fand ein sehr gutes Echo, also wollten wir das wieder machen. Es sollte etwas Neues sein für Ziegra“, sagt Christian Otto. Weil Christiane Otto im Kammerchor Capella Vocale bei Waldheims Kantor René Michael Röder mitsingt, steht der musikalische Aufhänger für das Konzert schnell fest. „Der Chor spielte zwei Konzerte. Sie sind singend in die Kirche ein- und am Ende wieder ausgezogen. Das hat die Leute angerührt“, erzählt Christian Otto.

Der Name Sternstunden kam gleich mit dazu. „Mein Mann stand hinterher vor den Besuchern und hatte eine Stoppuhr in der einen und einen Stern in der anderen Hand. Und da kam aus dem Publikum spontan der Name Sternstunde“, erinnert sich Christiane Otto. Inzwischen gibt es den Namen als plastisches Logo in der Kirche. Der inzwischen verstorbene Dorfschmied hatte einen Stern angefertigt. An diesem hängt Christian Otto nun vor jedem Konzert den mehr als 100 Jahre alten Wecker seiner Großmutter auf. „Der klingelt immer zum Start wie früher zum Anfang einer Unterrichtsstunde“, freut sich der ehemalige Lehrer. Allein dieser Beginn ist den Besuch in Ziegra wert.

Seitdem Familie Otto den Kirchnerdienst mit Schlüsselgewalt für die Ziegraer Kirche vor einigen Jahren von Familie Arnulf Richter, der die Kirchgemeinde Ziegra viel zu verdanken hat, übernommen hat, ist die Arbeit für sie mehr als nur das Organisieren eines Konzerts. „Wir wollen die Kirche im Dorf halten. Ein Gottesdienst alle 14 Tage mit acht bis zehn Leuten reicht da nicht. Zum Konzert kommen auch Menschen mit der Kirche in Verbindung, die sonst dazu keine haben“, sagt Christiane Otto. Kultur über die Bratwurst hinaus soll es zudem in den kleinen Ort bringen. Und: „Wir machen alles, weil wir es gern machen. Für uns ist das auch ein Gottesdienst, genauso wie wenn Gras gemäht oder Tischdecken gebügelt werden müssen.“

Von Sebastian Fink

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