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Döbeln Stocksteife Kunst in Döbelns Bäckerstraße
Region Döbeln Stocksteife Kunst in Döbelns Bäckerstraße
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23:56 03.04.2014
Wladislav, die silberne Statue, sorgte gestern in Döbelns Fußgängerzone für Unterhaltung. Was in Großstädten Alltag ist, ist in Döbeln noch nicht alltäglich. Quelle: Sven Bartsch
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Die braunen Augen leuchten. Doch ein Blinzeln ist nicht zu sehen. Starr wie ein Denkmal steht der Vladislav Rath auf seinem Plastikhocker am Eingang der Bäckerstraße. Auf der Toilette im Kaufland-Markt hat er morgens kurz nach sieben seine silberne Kleidung und die helle Schminke im Gesicht angelegt. Starr steht er kurze Zeit später in der Fußgängerzone. Mitarbeiter auf dem Weg zur Arbeit in der Innenstadt hasten an ihm vorbei. Doch mancher staunt, bekommt ein belustigtes Pfeifen von der Statue und wenn es im Körbchen vor ihm klingelt, winkt der Silbermann kurz, lächelt freundlich und kehrt in seine starre Haltung zurück.

"Lange habe ich diese Pantomime geübt. Vor allem das ausdruckslose Gesicht und der starre Blick ohne ein Blinzeln seien eine Frage von viel Übung", sagt der 30-Jährige. Er würde es schaffen eine Stunde jemanden anzuschauen, ohne zu blinzeln, behauptet Wladislav. Er ist eigentlich in Bratislava zu Hause. Dort leben seine Frau, seine siebenjährige Tochter und der sechsjährige Sohn. Weil er vor Ort keine Arbeit findet und die kärglichen Sozialleistungen in der Slowakei nicht zum Überleben reichen, reist er seit sechs Jahren mit zwei Freunden als Straßenkünstler durch Deutschland und Europa. Die beiden Freunde waren gestern als Straßenmusiker mit ihren Akkordeons in Riesa und Freiberg. Er hatte sich Döbeln ausgesucht. "Die Reaktionen der Leute sind eigentlich größtenteils sehr positiv. Schön ist wenn sie lachen oder lächeln und wenn sich Kinder freuen", erzählt er bei einem Kaffee aus dem Pappbecher. In Stendal oder Magdeburg hatte er zuletzt ein sehr aufgeschlossenes Publikum. 20 an guten Tagen bis zu 30 Euro klingeln im Körbchen zu seinen Füßen. Das sei nicht viel für einen ganzen Tag unbeweglich in der Sonne, im Regen oder im Winter in der Kälte stehen. Aber er müsse das Geld mit niemandem teilen. Lediglich das Benzingeld für das Auto tragen die drei Freunde gemeinsam. Aller zehn Tage fahren sie mit ihren Erlösen nach Hause. Lediglich für Essen und trinken unterwegs geht etwas ab. Geschlafen werde meist im Auto.

"Ich würde niemals betteln. Ich mache Pantomime. Irgendwann hoffe ich aber auf eine gute Arbeit hier oder zu hause. Ich bin da nicht wählerisch. Ich bin jung, kann zupacken", sagt der 30-Jährige.

Passantin Thea Kempe streicht ihm über die geschminkte Wange und findet die Aktion niedlich. Das belebt doch", findet sie.

Straßenkunst ist in Döbelns Fußgängerzone eigentlich kein Problem. "Die Polizeiverordnung der Stadt verbietet nur aggressives Betteln", sagt dazu Stadtpressesprecher Thomas Mettcher. Lediglich, wenn sich Passanten oder Geschäftsleute durch zu laute oder gleichförmige Straßenmusik oder Aktionen gestört fühlen, würde das Ordnungsamt nachschauen. "Doch, was die Stadt belebt, ist ansonsten willkommen."

Thomas Sparrer

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