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Streit im „Kimmi Dolli“: Zwei Männer aus dem Raum Döbeln angeklagt

Prozess am Amtsgericht Streit im „Kimmi Dolli“: Zwei Männer aus dem Raum Döbeln angeklagt

Vor einem Jahr flog ein Mann in eine Schaufensterscheibe am Döbelner Niedermarkt. Ein 28-Jähriger Döbelner und ein 38-Jähriger Roßweiner stehen nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor Strafrichter Janko Ehrlich. Ob die Angeklagten wirklich schuldig sind, konnte das Gericht am Freitag nicht klären, als der Prozess im Amtsgericht Döbeln begann.

Am ersten Verhandlungstag konnte Strafrichter Janko Ehrlich nicht aufklären, wie sich der Vorfall zugetragen hat und ob die Angeklagten schuldig sind. Die Rechtsanwälte Andreas Gumprich und Enrico Brand verteidigen auf Freispruch.

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln. Ein Mann fliegt auf dem Niedermarkt in Döbeln in eine Schaufensterscheibe. Diese zerbricht und der Mann schneidet sich an Scherben. Im Gesicht und am Daumen klaffen Schnittwunden.

Von alleine sei der 36-Jährige nicht in das Fenster gefallen, sagt die Staatsanwaltschaft Chemnitz, zwei weitere Männer hätten ihn „im bewussten und gewollten Zusammenwirken“ in die Scheibe geschmissen. Weil sie gemeinschaftlich gehandelt haben sollen, sind ein 38-Jähriger aus Roßwein und ein 28-Jähriger aus Döbeln der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Beide machen nicht den Eindruck, als seien sie üble Kneipenschläger. Sie haben ordentliche Berufe und drücken sich gewählt aus. Was sich in den frühen Morgenstunden des 8. November vergangenen Jahres tatsächlich zutrug, versucht Strafrichter Janko Ehrlich seit Freitag im Amtsgericht Döbeln herauszufinden. Fest steht schon jetzt: Auslöser des unheilvollen Geschehens war eine Frau. Und es nahm im „Kimmi Dolli“, einer Kneipe an der Bahnhofstraße, seinen Anfang.

Faustschlag auf dem Weg zur Toilette

„Mein Mandant saß mit dem Mitangeklagten und einem weiteren Mann im Kimmi Dolli. Sie unterhielten sich ausgelassen und hatten Spaß. Dann kam die Frau an den Tisch und fragte die Männer, warum sie sich über sie lustig machen. Sie sagten, dass sie einfach nur Spaß haben und die Frau ging wieder“, sagte Rechtsanwalt Enrico Brand, der den jüngeren Angeklagten verteidigt. Später sei dann der jüngere Angeklagte aufs WC gegangen. Als er den Kachelsaal betrat, schlug ihm der Ehemann der Frau mit der Faust ins Gesicht. Der Geschlagene sei daraufhin zum Kimmi-Dolli-Wirt gegangen und habe diesem von dem Vorfall berichtet. Der Gastronom habe den Schläger daraufhin aufgefordert, zu gehen. „Er entschuldigte sich und verließ meinen Laden“, sagte der Kneiper mal wieder als Zeuge aus. Das tut er nämlich öfter als jene seiner Mitbürger, die keine Kneipe betreiben.

Aus Sicht der Angeklagten habe sich der Fenstersturz des mutmaßlichen Geschädigten – also jenem 36 Jahre alten Mann, der zuvor aus dem Kimmi Dolli geflogen war – so zugetragen: Das Ehepaar begegnet den Angeklagten und deren Kumpel auf dem Niedermarkt. Dort habe der 36-Jährige die drei Männer im Vorbeigehen beleidigt, woraufhin der Kumpel der Angeklagten dem Mann hinter gelaufen sei. Dieser habe dann mit einem Schlagstock auf den Kumpel eingeschlagen. Die Angeklagten wollten bei dieser Schlägerei schlichten. Dann habe ihr Kumpel den 36-Jährigen geschubst und dieser sei in die Scheibe geflogen. „Er kam dann stark blutend zu mir. Ich wollte Polizei und Krankenwagen rufen, das wollte er nicht. Ich habe es trotzdem getan“, sagte der Kimmi-Dolli-Wirt aus.

Frau hat tüchtig getankt

Der mutmaßliche Geschädigte bestätigte im Wesentlichen die Vorgeschichte, dass es im Kimmi Dolli Stress mit den Angeklagten und seiner Frau gab. Auf dem Niedermarkt seien es dagegen die Angeklagten gewesen, die gepöbelt hätten. An Schläge und Tritte von hinten könne er sich erinnern. Seine Frau hatte von dem Geschehen wenig bis gar nichts mitbekommen. Das brachte das intensive Nachfragen des Rechtsanwaltes Andreas Gumprich ans Licht, der den älteren Angeklagten verteidigte. Andreas Gumprichs Mandant soll sie festgehalten haben. Mit den Worten: „Das musst Du jetzt mal über Dich ergehen lassen.“ Gut möglich, dass der 38-Jährige dies tat, damit die Frau nicht auch noch in die Rangelei eingreift und dass sie sich beruhigt. Schließlich hatte sie damals fast 2,4 Promille Alkohol intus...

Weitere Zeugen sollen nun helfen, den Vorfall aufzuklären. Dazu hat Richter Janko Ehrlich einen neuen Verhandlungstermin angesetzt. Unter den Zeugen ist auch eine Polizeiobermeisterin des Döbelner Reviers, die zum Prozess am Freitag nicht erschienen war.

Von Dirk Wurzel

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