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Döbeln Streit um Silvester-Knallerei führt zu flammender Attacke in Döbeln
Region Döbeln Streit um Silvester-Knallerei führt zu flammender Attacke in Döbeln
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18:31 11.07.2018
Das Amtsgericht Döbeln hat einen 65-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.. Quelle: dpa
Döbeln

Der Gasbrenner spielte schon mal eine Rolle. Damals lag einem Döbelner zur Last, auf Facebook so ein Abflammgerät als wirksames Mittel gegen Ausländer gepriesen zu haben. Allerdings musste Strafrichter Janko Ehrlich den Mann damals im Amtsgericht Döbeln vom Tatvorwurf der Volksverhetzung freisprechen (Siehe Infobox). Es war nicht klar, ob der 65-jährige oder sein Sohn den justiziablen Kommentar im sozialen Netzwerk verfasst hatte.

Mit Machete bedroht

Im gestrigen Prozess gegen den Mann spielte das Abflammgerät für Unkraut wieder eine Rolle. Diesmal soll er damit auf Ausländer losgegangen sein und diese mit Pfefferspray eingesprüht haben. Das habe sich am Silvesterabend 2017 ereignet. Geschädigte seien drei Kroaten gewesen, die an der Mastener Straße in Döbeln wohnen. Die Staatsanwaltschaft legte dem Döbelner auch zur Last, diese Leute zwei Tage vorher bedroht zu haben, indem er ihnen einen Machete zeigte und ankündigte, sie in Stücke zu schneiden.

Mit einem solchen Gasbrenner zur Unkrautvernichtung war ein Döbelner an Silvester 2017 unterwegs. Quelle: Klaus Peschel

Die aktuelle Anklagen verhandelte wiederum Strafrichter Ehrlich. Und anders als im Volksverhetzungs-Prozess im September 2016 reichten ihm diesmal die Beweise für einen Schuldspruch. Der Richter verurteilte den Mann wegen zweimaliger Bedrohung (Machete zeigen, in Stücke schneiden) und zweifacher gefährlicher Körperverletzung (Pfeffersprayattacke) zu sieben Monaten und zwei Wochen bedingter Haft. Zwei Jahre dauert die Bewährungszeit. „Das Einzige, was ich Ihnen glaube, ist, dass Sie den Brenner benutzt haben, um Blindgänger hochgehen zu lassen“, sagte Richter Ehrlich, als er das Urteil begründete. So hatte sich der Angeklagte nämlich eingelassen, nachdem er zunächst zu den Tatvorwürfen geschwiegen hatte. Weil er Angst habe, dass ein Blindgänger seinen Hund verletzt, habe er diese gesucht und mit dem Flammstrahl aus dem Unkrautbrenner explodieren lassen. Als er an dem Wohnhaus der Kroaten vorbei kam, sei einer mit dem Auto angefahren gekommen und habe ihm einen Stein an den Kopf geworfen. Einem anderen habe er den Brenner erklärt. „Dabei hat er sich selbst angefackelt“, so der Angeklagte. Weil ihn die Männer, es handelt sich um Vater, Sohn und Schwiegersohn, angegriffen hätten, habe er sich mit dem Pfefferspray gewehrt.

Geschädigte wohl auch keine Unschuldslämmer

„Das ist doch unlogisch, dass Ihnen zuerst einer einen Stein an den Kopf wirft und sie dann den Gasbrenner erklären“, sagte dazu Richter Ehrlich. Er stützte sein Urteil auf die Aussagen der Zeugen. Die Kroaten schilderten laut Richter Ehrlich weitgehend übereinstimmend folgenden Ablauf: Der Angeklagte kommt, um sich über die Knallerei zu beschweren. Sein Hund könne nicht schlafen. Sie Angesprochenen sagen, es sei Silvester, da wird eben geknallt. Der Angeklagte habe daraufhin mit dem Brenner in Richtung der Geschädigten herumgefuchtelt, dabei dem 27-jährigen Sohn den Schuh angesengt. Der Vater habe ihm den Brenner weggenommen. Daraufhin habe der Angeklagte das Pfefferspray eingesetzt, dem Vater und dem Sohn ins Auge gesprüht. Der Schwager sei dazu gekommen, habe den Angeklagten zu Boden geworfen. Am Ende seien sie trotzdem halbwegs friedlich auseinander gegangen. Das bestätigt ein Anwohner als unabhängiger Zeuge. Allerdings mit einer Zugabe: „Als der Angeklagte am Boden lag, traten die Kroaten auf ihn ein.“ Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich, der Verteidiger des 65-Jährigen, glaubte weder den Kroaten noch dem Anwohner. Dieser sei mit den Männern befreundet, die Aussagen seien abgesprochen. Der Anwalt beantragt Freispruch. „Dann hätten die Kroaten und der Anwohner sich aber noch vor dem Eintreffen der Polizei absprechen müssen. Das ist unwahrscheinlich. Außerdem hätte der Nachbar die Tritte verschwiegen“, sagte Richter Ehrlich. Sein Urteil ist nicht rechtskräftig.

Neue Prozesse möglich

Die vom Anwohner beobachteten Tritte gegen den am Boden liegenden Angeklagten, wird das Amtsgericht Döbeln wohl in einem weiteren Verfahren beschäftigen. Dann werden die Kroaten auf der Anklagebank sitzen und ihnen die Staatsanwaltschaft gefährliche Körperverletzung vorwerfen.

Der Facebook-Fall

In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Nach diesem rechtsstaatlichen Prinzip ging im September 2016 der Prozess gegen den nunmehr 65-jährigen Döbelner zu Ende, der anderen ihre Menschenwürde abgesprochen haben soll. Strafrichter Janko Ehrlich sprach den Mann frei, da ihm nicht zweifelsfrei nachzuweisen war, ob er tatsächlich üble, menschenverachtende Kommentare auf einer rechten Facebook-Seite aus Freital hinterlassen hatte.

Dem Angeklagten lag zur Last, am 30. Juli 2015 auf einer asylfeindlichen Facebookseite namens „Perlen aus Freital“ mehrere rassistische Einträge hinterlassen zu haben. Er suche ein Gerät zur Unkrautvernichtung, einen Flammenwerfer für Arme. „Es sitzen immer mehr Kaffer auf den Bürgersteigen und es ist zu mühsam, jeden einzelnen zu entsorgen. Ein Feuerstrahl ist da effektiver“, soll der Mann geschrieben haben. Auf Nachfragen anderer Nutzer habe er dann von sich gegeben: „Kann auch eine Nummer größer sein. Das Unkraut aus Afrika ist ja auch größer.“ Das Wort „Kaffer“ ist eine üble rassistische Bezeichnung für dunkelhäutige Menschen aus Afrika. Volksverhetzung lautete die Anklage.

Richter Ehrlich trug am ersten Prozesstag aus der Ermittlungsakte vor, wie die Polizei auf den 64-Jährigen als möglichen Täter kam. Die Ermittler hatten auf dessen Facebookprofil unter anderem die Bilder der Söhne des Mannes entdeckt und diese Erkenntnisse mit Datenbanken abgeglichen. Auch ein Bild des Angeklagten fanden die Beamten dort. Ergebnis der Recherchen: Es ist wahrscheinlich, dass das Facebookprofil zum Angeklagten gehört. Dieser Punkt war in der gestrigen Hauptverhandlung unstrittig. Der Angeklagte schwieg zum Tatvorwurf.

Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich verteidigte den Mann. Die Strategie war minimalistisch, aber effektiv, beruhte im Kern auf Schweigen. Der Anwalt stellte den Beweisantrag, den Sohn des Angeklagten als Zeugen zu hören. Der verfüge auch über die Zugangsdaten zum Facebookprofil seines Vaters, könne somit ebenfalls als Täter in Betracht kommen. Nur: Der Sohn kann gleich aus zweierlei Gründen die Zeugenaussage verweigern. Erstens muss er sich nicht selber einer Straftat bezichtigen und zweitens muss niemand Familienangehörige belasten. Also schwieg der Mann vor Gericht. Somit ließ sich nicht aufklären, wer tatsächlich für die üblen Kommentare verantwortlich war. Wer sie geschrieben hat, wissen nur der Freigesprochene, sein Sohn oder beide.

Von Dirk Wurzel

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