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Döbeln Streit ums Brötchengeld eskaliert – Döbelnerin soll in den Knast
Region Döbeln Streit ums Brötchengeld eskaliert – Döbelnerin soll in den Knast
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16:02 16.05.2018
Das Amtsgericht Döbeln hat eine 60-Jährige zu einer Haftstrafe verurteilt. Sie hatte ihren Bekannten mit dem Messer in den Hals gestochen. Quelle: picture alliance / dpa
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Döbeln

Erst holte er die Kohlen aus dem Keller. Dann bekam er ein Messer in den Hals. Am 14. Dezember erschütterte eine Bluttat das Burgstraßen-Viertel in Döbeln. In den Morgenstunden stand ein schwer blutender Mann am Tor des Polizeireviers. Um zur Tatverdächtigen zu gelangen, mussten die Polizisten nur der Blutspur folgen. Die führte in einer Wohnung ein paar Häuser weiter; zu einer angetrunkenen Frau, die auf dem Sofa schlief und einem blutdurchtränkten Sessel. Da hatte der Geschädigte drin gesessen.

Die Blutspur führte die Beamten zur Täterin. Quelle: Sven Bartsch

Nun saß die Frau im Amtsgericht Döbeln auf der Anklagebank. Als gefährliche Körperverletzung wertete die Staatsanwaltschaft die Tat. „Ich muss dazu sagen, dass ich erheblich alkoholisiert war“, sagte die Frau. Mindestens eine Flasche Goldkrone will sie über Nacht gekippt haben – zum Einschlafen. Zur Tatzeit hatte sie fast drei Promille Alkohol im Blut.

Von der EOS in den Jugendwerkhof

Sie könne sich das alles nicht mehr so genau erklären, sagte die Angeklagte. Wenn, dann habe sie aber im Affekt zugestochen. „Mir tut das alles so unendlich leid“, sagte sie, ließ die Chance aber verstreichen, den Geschädigten um Verzeihung zu bitten. Auch das Motiv sprach sie an: „Ich haben ihn darauf hingewiesen, dass er sich an den Kosten für das Frühstück beteiligen soll“, sagte die 60-Jährige, die dem Vernehmungsbeamten von der Kripo ihren Werdegang erzählt hatte. „Ich halte sie für sehr intelligent“, sagte der Kriminaloberkommissar. Ihm berichtete die Angeklagte vom abgebrochenen Weg zum Abitur auf der Erweiterten Oberschule (EOS), von mehreren Aufenthalten in Jugendwerkhöfen und Gefängnissen in der Zeit der DDR. Von diesen Strafen findet sich aber nichts mehr in ihrem Auszug aus dem Bundeszentralregister (BZR). Der ist blank. Möglicherweise waren es politische Urteile, die nach der Wende kassiert wurden. Klären konnte der Prozess nicht, wieso sich von den Haftaufenthalten nichts im BZR-Auszug findet. Diese enthalten Urteile von DDR-Gerichten, wenn diese wegen „normaler“ Straftaten wie etwa Diebstahl, Betrug, Körperverletzung, Mord und Totschlag ergangen sind.

Kleine Rente und Grundsicherung

Dem Oberkommissar des Kriminaldauerdienstes berichtete die Angeklagte auch detaillierter, wie häufig der Geschädigte bei ihr frühstückte, sich dabei aushalten ließ. Von „durchfressen“ war dabei die Rede. Viel mehr Geld als den Hartz-IV-Satz hat die Frau nicht. Sie bestreitet ihren Lebensunterhalt von Grundsicherung und einer kleinen Invalidenrente.

Geschädigter schleppt sich zum Revier

Der 55-Jährige selbst konnte sich an die Tat erinnern. Aber nicht daran, dass die Angeklagte betrunken war. Auch Schnapsflaschen will er keine gesehen haben. „Sie ging in die Küche. Als sie wiederkam, merkte ich den Stich im Hals“, sagte der Geschädigte. Aus den Augenwinkeln habe er die Angeklagte mit dem Messer kommen gesehen. Er verließ die Wohnung, schleppte sich zum Polizeirevier. Und zog die Blutspur hinter sich her, die die Beamten später zur Täterin führen sollte. Zum Glück verheilte die Stichwunde sehr gut.

Knapp an Totschlags-Anklage vorbei geschrammt

„Das geschah nicht im Affekt. Sie sind in die Küche gegangen und haben das Messer geholt“, sagte Strafrichter Janko Ehrlich. Er verurteilte die Messerstecherin wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und zehn Monaten Haft. Ohne Bewährung. Dafür hätte es besondere Umstände gebraucht, die Richter Ehrlich nicht sah. Weil sie den Geschädigten nicht töten wollte, verhandelte der Strafrichter am Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und nicht die 1. Große Strafkammer des Landgerichtes wegen versuchten Totschlags. Die Frau hatte gegenüber einer Polizistin erwähnt, sie habe den 55-Jährigen nicht töten wollen. Dann hätte sie ihm die Kehle durchgeschnitten.

Spezialisten der Kripo nahmen die Spuren auf. Quelle: Sven Bartsch

Rechtsanwalt Karsten Opitz, der Verteidiger der 60-Jährigen, hatte ein Jahr Haft mit Bewährung gefordert, die Staatsanwältin zwei Jahre ohne. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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