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Döbeln Sturm Herwart, neue Technik und der gesellschaftliche Rückhalt beschäftigten die Freiwillige Feuerwehr in Hartha
Region Döbeln Sturm Herwart, neue Technik und der gesellschaftliche Rückhalt beschäftigten die Freiwillige Feuerwehr in Hartha
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17:00 05.03.2018
Um Nachwuchs für das Ehrenamt zu begeistern, arbeitet die Feuerwehr Hartha mit den Schulen zusammen oder veranstaltet im September den Florianstag. Quelle: Foto: Gerhard Dörner
Hartha

„Es war verhältnismäßig ruhig“, sagt Rene Greif über das vergangene Jahr. Er leitet die Gemeindefeuerwehr von Hartha. Die Statistik, die er erstellt hat, besagt, dass die Ehrenamtlichen der Stadt und der Ortschaftsfeuerwehren insgesamt 62 Mal ausrückten. Das klinge viel im Vergleich zu den Vorjahren, in denen zwischen 20 und 40 Einsätze verbucht wurden. „Aber das relativiert sich ganz schnell, wenn man sieht, dass allein 33 Einsatzstellen im Zusammenhang mit dem 29. Oktober angefahren wurden“, erklärt Greif.

Sturmtief Herwart bläst Statistik auf

Damals fegte Sturmtief Herwart über das Land und ließ vor allem umgestürzte Bäume auf Straßen, Gebäuden oder Freileitungen zurück, zu denen die Kameraden gerufen wurden. Elf weitere solcher technischen Hilfeleistungen vermerkt Greifs Aufstellung für den Rest des Jahres. Die besagt auch, dass die Brandschützer wenige Feuer bekämpften. Sieben Mal wurde ihr Tanklöschfahrzeug überörtlich angefordert, etwa um an der A 14 Hilfe zu leisten, in Grünlichtenberg einen Strohfeimenbrand oder in Waldheim einen Dachstuhl mit zu löschen. Im Stadtgebiet selbst erinnert sich Greif an zwei Brände in den Hausschuhwerken im September: „Es ist unwahrscheinlich, dass sich in den Abrisshäusern etwas selbst entzündet hat.“ Vermutlich schlug also ein Feuerteufel in der technischen Industrieruine zu, kurz bevor dort ohnehin der Abriss erfolgte. Aber auch diese Einsätze verliefen für die Kameraden eher unproblematisch ab: „Wir hatten in der Nähe eine unerschöpfliche Wasserquelle und konnten von außen löschen ohne uns in größere Gefahr zu begeben.“

Angriffe auf ehrenamtliche Helfer stimmen nachdenklich

Zu denen Gefahren, denen ehrenamtliche Helfer begegnen, gehört in der jüngsten Vergangen leider auch, dass sie an Einsatzorten angegriffen werden. Auch in Hartha? „Glücklicherweise noch nicht“, sagt Greif. „Aber es ist schon bedenklich, wenn ehrenamtliche Helfer solchen Gefahren ausgesetzt sind. Ich finde es schwierig, wie die Gesellschaft sich hier entwickelt hat. Vor Jahren hatten Rettungskräfte ein hohes Ansehen, jetzt werden Leute angegriffen: Aus Frust an einer Uniform“, vermutet Greif.

Harthaer Feuerwehr hat Nachwuchssorgen und neue Funktechnik

Nachwuchs für seine Reihen zu gewinnen, machten ihm aber vor allem die veränderten Lebensumstände schwer: Die Menschen entschieden sich mit wenig Freizeit im Zweifel für die Familie. Derzeit hat er in der rund 7200-Einwohner-Stadt 30 aktive Feuerwehrleute. Mit den Ortswehren kommt er auf 74 Aktive für 16 Ortsteile. „Trotzdem erwartet die Bevölkerung von uns, dass wir bei einem Einsatz ’vollumfänglich liefern’. Bis jetzt können wir das. Aber was ist, wenn plötzlich niemand mehr da ist.“ Zu diesem Vollumfang gehört auch, sich technischen Veränderungen zu stellen. So sind die Harthaer zum Ende des Jahres auf Digitalfunk umgestiegen. Die Technik, die sie mit der Rettungsleitstelle Chemnitz verbindet ist da, wartet noch auf ihre Bewährung – denn zuletzt mussten die Harthaer Kameraden Anfang Dezember ausrücken.

Von Manuel Niemann

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